Dass Besetzungssorgen nicht zwangsläufig sportlichen Misserfolg nach sich ziehen müssen, haben die Verbandsliga-Handballer des Güsener HC am Sonnabend unter Beweis gestellt. Die einfache Formel: Solange alle auf und neben dem Parkett vollen Einsatz zeigen, ist auch ein Auswärtssieg wie beim 33:29 (15:16) in Osterburg möglich.

Osterburg/Güsen l Teile des Güsener Anhangs werden die unmittelbaren Folgen des Auswärtssieges erst am Sonntag nach dem Aufstehen gespürt haben. Die Symptome dürften sich in tonloser Stimme und einem unangenehmen Kratzen im Hals geäußert haben. Die Diagnose war in diesem Fall allerdings nicht eine heimtückische Erkältung, sondern die bedingungslose Unterstützung des eigenen Teams. "Es würde mich nicht wundern, wenn einige unserer Fans in den nächsten Tagen heiser sind", sagte Güsens Co-Trainer Thomas Lepper nach der Partie vom vergangenen Sonnabend.

Die zwei Zähler auf der Habenseite und der Sprung an der SG Lok Schönebeck (28:31 gegen Ilsenburg) vorbei auf den dritten Tabellenplatz belegten: Die lautstarke Anfeuerung war nicht vergebens. Zudem konnte man sich bereits vor der Partie ausmalen, dass dem "achten Mann" eine tragende Rolle zukommen würde.

Die Reise in die Altmark trat der GHC nämlich mit einem echten Rumpfkader an. Lediglich neun Aktive konnten die Gäste am Sonnabend aufbieten. Mit Christopher Bretschneider gab zudem der etatmäßige Torhüter der Güsener sein Saisondebüt als Feldspieler. "Wir haben das am Dienstag beim Training ausprobiert", klärte Lepper auf. Ungeschick war ihm und den Nebenleuten auch keineswegs vorzuwerfen. Über die Zwischenstationen 2:0 und 6:3 behauptete der GHC bis zum 11:10 nach knapp 20 Minuten die Führung. Doch in der Phase bis zur Pause bekamen die Gäste vor allem Philipp Kiebach nicht in den Griff. "Gegen die gegnerischen Halbpositionen haben wir uns schwer getan", bekannte Lepper, dessen Team mit einem Rückstand die Seiten wechselte.

Doch nach der Pause lieferte Güsen die passende Antwort: Mit einem 3:0-Lauf legte das Team zur 18:16-Führung vor. "In der Abwehr hat es gepasst. Wir hatten die nötige Einstellung und haben gut zugepackt." So wuchs der Vorsprung bis auf vier Tore (23:19) an. Osterburg, das sich schnell auf Kevin Haßbargen eingeschossen hatte und auf eine Manndeckung setzte, stellte nun wieder auf eine 6-0-Variante um. Zwar verkürzte die HSG noch einmal zum 24:25, doch letztlich brachte der GHC den Vorsprung souverän über die Zeit. "Wenn man bedenkt, dass Osterburg mit vier A-Jugendlichen auf dem Feld stand, ist klar, dass uns auch die größere Erfahrung zum Erfolg geführt hat. Die Jungs haben das clever heruntergespielt", lobte Lepper.

Ihm und Trainer Andy Mache bleiben nun knapp drei Wochen Zeit, um die Mannschaft auf das wegweisende "JL"-Derby gegen den SV Eiche Biederitz am Sonnabend, 11. April, in eigener Halle einzustellen. Dabei dürfte sich ein erster Trend hinsichtlich der Vizemeisterschaft abzeichnen. Und bis dahin sollten nicht nur einige Kaderlücken wieder geschlossen sein, sondern sich auch die Stimmbänder der Fans wieder halbwegs erholt haben.

HSG Osterburg: Mayer, Schrödter - Braune (1), Kiebach (13), Zierke (8), Hahne (4), Roese, Reichert, Hallasch (1), Zerrahn (1), Prax (1)

Güsener HC: Teske - K. Haßbargen (13), Schirrmeister (3), Schulz (8), Lepper, Bretschneider, Klewe (2), Heitzmann (3), Gerlach (4)

Siebenmeter: HSG 4/4 - GHC 6/6; Zeitstrafen: HSG 7 - GHC 3; Rot: Steffen Braune (45., 3x2 Minuten) -Osterburg