Burg l Der erste Jubel über den 19. Saisonsieg war bei den Landesliga-Fußballern vom Burger BC 08 verklungen, da zückte Thomas Sauer am frühen Samstagabend das Handy. Gerade hatte sein Team die TSG Calbe auf recht humorlose Weise mit 6:0 (2:0) abgefertigt, als es Zeit für eine telefonische Danksagung war. Der Gruß ging mit Tobias Plantikow an einen Spieler, den Sauer in den vorangegangenen beiden Serien selbst gecoacht hatte - wie es der Zufall will, während der gemeinsamen Zeit in Calbe. "Nach unserem Spiel habe ich versucht, ihn anzurufen, aber er war bereits wieder auf der Arbeit." Der Stürmer, aktuell in Diensten des FC Einheit Wernigerode, trug schließlich einen gewichtigen Anteil daran, dass der BBC 08 den Vorsprung auf seinen ärgsten Verfolger, den VfB Germania Halberstadt II, am Sonnabend auf zwölf Punkte vergrößerte. Plantikow steuerte beim 2:0-Erfolg im Harz-Derby beide Treffer für Wernigerode bei.

Die Episode unter alten Weggefährten gibt eine nette Geschichte ab, die man sich möglicherweise nach der Saison noch einmal im BBC-Lager erzählt; dann vermutlich auch in der absoluten Gewissheit des Staffelsieges. Rückblickend wird dann jedoch weniger die Schützenhilfe aus Wernigerode den Ausschlag für den Aufstieg in die Verbandsliga gegeben haben, sondern vielmehr der eigene souveräne Durchmarsch, den die Burger am Sonnabend um ein Kapitel erweiterten. Zugegeben: Der Heimsieg gegen die Saalestädter kam wenig überraschend. Imponierend war allerdings der Offensivwirbel, den der Spitzenreiter dabei einmal mehr im eigenen Stadion entfachte und der seinen Ursprung in einer mannschaftlich geschlossen starken Leistung hatte.

Da war zunächst die wackelfeste Defensive, die gegen die schnellen und technisch beschlagenen TSG-Stürmer in 90 Minuten lediglich einen - nicht unbedingt ernstzunehmenden - Torschuss durch Thomas Hellige zuließ (49.). Mit offensiven Freiheiten ausgestattet, kurbelten die Außenverteidiger Alexander Siemke und Florian Müller selbst das Spiel nach vorn über die Flügel an, auf denen die drückende Überlegenheit der Burger offensichtlich wurde. So kompensierte der BBC 08 diesmal auch den verletzungsbedingten Ausfall von Kreativspieler Franz Zimmer, der in der Zentrale durch die neuformierte "Doppel-Sechs" um Bastian Benkel und Tom Saager gut ersetzt wurde.

Aufbauend auf schnelles Umschalten kamen die Geschwindigkeitsvorteile von Mathias Herms und Kevin Schulz auf den Außenbahnen voll zum Tragen. Beide trugen sich nicht nur selbst jeweils einmal in die Toschützenliste vom Sonnabend an, sondern gingen auch weite Wege und fütterten die vorderste BBC-Reihe um Martin Krüger und Tim Kolzenburg mit klugen Pässen und präzisen Flanken.

Allen voran Letztgenannter erwischte am Sonnabend einen echten "Sahnetag". An fünf der sechs Burger Tore war der 19-Jährige direkt beteiligt, traf zweimal ins Schwarze. Selbst sein Trainer, sonst kein Freund von öffentlicher Einzelkritik und Schulnoten, kam nicht umhin, ein Extra-Lob auszuprechen: "Er hat eine Leistung gezeigt, die nah am Prädikat `super` lag."

Angesichts dessen geriet beinahe in Vergessenheit, dass mit Routinier Steven Peseke der treffsicherste Schütze der vergangenen Jahr am Sonnabend 80 Minuten lang auf der Auswechselbank saß. Statt allerdings über mangelnde Einsatzzeit zu schmollen, erfand sich der 28-Jährige in der Rolle des "Edelreservisten" quasi neu. Elf Minuten nach seiner Einwechslung und mit der letzten Aktion des Nachmittags steuerte Peseke den sechsten Treffer bei und verbuchte sein persönliches Saisontor Nummer sieben.

Mehr noch als individuelle Zahlen dürfte Burger Statistikfreunde freuen, dass der BBC 08 dieser Tage ein ganz besonderes Jubiläum feiert. Am kommenden spielfreien Pokal-Wochenende durchbricht der Spitzenreiter schließlich die Ein-Jahres-Schallmauer im Ungeschlagen-Bleiben. Wie sich eine Niederlage in der Landesliga Nord anfühlt, bekam der Verein zuletzt am 29. März 2014, bei einem 0:2 auf fremdem Platz zu spüren. Der Gegner damals: der FC Einheit Wenigerode.

Dessen Doppeltorschütze vom Wochenende meldete sich dann übrigens doch noch später am Abend per "WhatsApp"-Kurznachricht zurück. Auf Sauers Handy erschien die nette Botschaft: "Gern geschehen".