Vor gut einer Woche wurde es in der Halbzeitpause der Verbandsligapartie zwischen dem SV Eiche und dem FSV Magdeburg emotional in der Biederizter Ehlehalle. Das hatte allerdings weniger mit dem Spiel der Männer zu tun, als vielmehr damit, dass die männliche D-Jugend ihren Torhüter verabschiedete.

Biederitz l Genauer gesagt ihre Torhüterin, denn mit Susi Ritter hütete das einzige Mädchen in der Mannschaft den Kasten beim SVE-Nachwuchs. Doch damit ist nun Schluss. Allerdings geschieht ihr Abschied nicht ganz freiwillig, denn laut den Statuten des Handballverbands Sachsen-Anhalt dürfen in der C-Jugend nur noch Jungs im entsprechenden Alter spielen. Da es beim SV Eiche keine weibliche C-Jugend gibt, musste die Zwölfjährige entscheiden, ob sie ihre Handballschuhe an den Nagel hängt oder den Verein verlässt. "Susi ist ein besserer Torhüter als viele Jungs in ihrem Alter. Deshalb haben wir gemeinsam mit ihr und ihrer Familie nach einer Lösung gesucht", erklärt ihr Trainer Oliver Wohl, dass ein "Vorruhestand" nicht in Frage kam.

"Ich habe schon in der vergangenen Saison gewusst, dass dieser Schritt eventuell kommt, habe aber noch gehofft, dass wir doch noch eine Mädchenmannschaft zusammenbekommen", so Susi. Dennoch fiel ihr die Entscheidung sehr schwer, wie die Biederitzerin zugibt: "Ich habe sehr lange hin und her überlegt und konnte mich nicht richtig entscheiden."

In der nächsten Saison wird die Torhüterin für den TSV Niederndodeleben auflaufen. Dabei hatte Susi mehrere Angebote, schließlich war sie auch schon einmal bei einem Auswahltraining in Magdeburg dabei. Dort lernte die Torhüterin auch einige ihrer neuen Teamkolleginnen kennen, was sie in ihrer Entscheidung für den TSV bestärkte. "Sie soll, muss und will sich weiterentwickeln. Niederndodeleben ist dafür die beste Adresse", ist auch der Trainer mit ihrer Wahl zufrieden.

Dennoch flossen am Sonnabend Tränen. "Ihre" Jungs bedankten sich bei der Biederitzerin, die seit ihrem sechsten Lebensjahr beim SV Eiche spielt. Zum Abschied gab es neben einer Orchidee auch einen Torwartpullover mit den Namen des Teams. "Sie hatte ihre Jungs gut im Griff und wir alle werden sie vermissen", so Wohl, dem der Abschied ebenso schwer fiel wie seiner Keeperin und ihrer Mannschaft.

Seit sieben Jahren war die Torhüterin im Verein, kam über den Kindergarten zum SVE. "Feldspieler hatten wir damals genug und außerdem verfüge ich nicht über die Ausdauer, um die ganze Zeit draußen zu spielen", so Susi über die Beweggründe, sich zwischen die Pfosten zu stellen. Dass aus ihr dann eine gute Torhüterin wurde, hat sie vor allem auch ihrem Talent zu verdanken. Die Jungs, die zum Teil bereits seit Anfang an mit der nun Zwölfjährigen zusammenspielten, "hat es jedenfalls nie gestört, dass ein Mädchen im Tor stand. Sie waren immer froh, dass sie es nicht machen mussten." Auch deshalb werden die Moritz Steinweg und Co. der Biederitzerin hinterhertrauern.

Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich nämlich schwierig. "Wir hätten im Notfall einen der Jungs überzeugt, den Job zu übernehmen, aber das Ziel ist es eigentlich, einen Torhüter von außerhalb zu uns zu holen. Das gestaltet sich aber natürlich in diesem Alter sehr schwierig", so der Nachwuchs-Trainer.

Einen erfolgreichen Ausstand aus sportlicher Sicht hatte Susi jedenfalls. Ihr Team feierte die Bronzemedaille in der Nordliga. Dennoch ist die Biederitzerin nicht ganz mit der abgelaufenen Saison zufrieden: "Wir haben gut gespielt, aber in den wirklich wichtigen Spielen haben wir einfach zu viele Fehler gemacht." Aber das spielte am Sonnabend keine Rolle, als Oliver Wohl das Mikrofon an Susis nun Ex-Mitspieler Lukas Hartmann übergab, der sich "bei der besten Torhüterin, die es gibt" bedankte. Zum Abschied gab es eine Gruppenumarmung.