Es sind keine einfachen Zeiten, die der Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg durchmacht. Sportlich befindet sich der einstige Europapokalsieger auf Talfahrt, daran änderte die 1:2-Pleite vom Sonnabend gegen den TSV Havelse erst recht nichts. Und doch kann der FCM wohl künftig auf zusätzliche Unterstützung hoffen. Das lag vor allem an der Aktion "Tradition fördert Zukunft", bei der engagierte Fans mittels Freikarten rund 1900 Kinder ins Stadion lockten - darunter etwa 750 aus dem Jerichower Land.

Magdeburg. Es ist dieses eine Bild, das wohl noch lange in der Erinnerung haften bleibt und an das sich viele zurück-erinnern werden, wenn es um eine Bestandsaufnahme des FCM im Jahre 2011 geht: In seiner Spielzusammenfassung vom Kick gegen den TSV Havelse zeigte der Mitteldeutsche Rundfunk einen schluchzenden Jungen in blau-weißer Fanmontur, von seinen Eltern liebevoll getätschelt, aber doch untröstlich.

Gleichzeitig zeichneten die Krokodilstränen des Jungen ein unvollständiges Bild. Denn auch wenn selbst hartgesottenen FCM-Fans nach der spielerischen Leistung ihrer Elf und dem drohenden Gang in die Oberliga das Wasser in die Tränenkanäle schoss, die Aktion "Tradition fördert Zukunft" konnte als voller Erfolg gewertet werden. Dies bestätigte auch Karsten Weisheit vom Fanclub "United Schermen", der zusammen mit Martin Kühnert vom Zusammenschluss "Alt Staßfurt" die Organisationsfäden zog: "Klar, das Salz in der Suppe, nämlich ein Sieg im Abstiegskampf, hat gefehlt. Aber dennoch war die Aktion ein absoluter Gewinn. Der gemeinsame Spaß im Fanblock hat überwogen." Ein Eindruck, den die mitgereisten Eltern, Lehrer und Vereinstrainer bestätigten. Dirk Wehrmann, Übungsleiter der F-Junioren vom SV Theeßen, war mit seiner Mannschaft im Stadion und zeigte sich begeistert: "Wir haben sowieso ein paar Kinder bei uns dabei, die mit ihren Eltern schon mal beim FCM waren, aber auch den anderen hat es richtig viel Spaß gemacht."

Rings um den müden Kick der Landeshauptstädter bekamen die Kinder nämlich eine Menge Abwechslung geboten. Ein Kinderfest auf dem Stadionparkplatz mit Torwandschießen, Hüpfburg und einer Autogrammstunde mit ehemaligen und aktuellen Kickern des FCM eröffnete den Tag.

Im Stadion selbst bot sich dann ein beeindruckendes Bild. Mit selbstgemalten Plakaten, fahnenschwenkend und in einheitlichen Club-T-Shirts gekleidet, bevölkerten die Kinder die Südtribüne, die bisher in den meisten Liga-Spielen meist als hellblaue "Sitzschalenwüste" daherkam. Dazu gab es zum Anpfiff eine Choreografie aus blau-weißen Papiertafeln zu bestaunen. Das Spruchband "Von Kind an Clubfan" brachte das Motto des Tages auf den Punkt. "Was auch nicht zu verkennen war: Es waren sehr viele Mädchen dabei. Die meisten haben jetzt einen neuen Lieblingsverein", merkte Weisheit zufrieden an.

Bleibt eigentlich nur die Frage der Nachhaltigkeit des Projektes zu klären, denn Werbung in eigener Sache hat die Mannschaft am Sonnabend gewiss nicht betrieben. Doch auch hier gab sich Weisheit zuversichtlich: "Eine Auswertung mit den Verantwortlichen des FCM steht noch aus, aber alle sind sich einig, dass wir diese Aktion zur Tradition werden lassen wollen - mindestens einmal im Jahr soll sie künftig stattfinden." Und bis dahin sollten dann auch die Tränen des Jungen aus dem Fernsehbericht getrocknet sein.

   

Bilder