Güsen/Wittenberg (okr). 13 Zeitstrafen, vier Rote Karten und ein erboster Trainer: Der Güsener HC fühlte sich im Auswärtsspiel beim SV Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz verschaukelt. "Was das Schiedsrichtergespann dort abgeliefert hat, habe ich in dieser Saison noch nicht erlebt. Wir wurden in vielen Szenen klar benachteiligt", sagte GHC-Coach Eric Steinbrecher nach der klaren 27:36 (9:16)-Niederlage am Sonnabend beim Tabellenführer.

Um es vorweg zu nehmen: Wahrscheinlich hätten die Güsener an diesem Tag keinen Blumentopf in der Wittenberger Stadthalle gewonnen. Dafür präsentierten sich die Gastgeber zu stark, zu vielseitig, einfach cleverer. "Das ist auch unstrittig. Nur, das Wie ist entscheidend", sagte der Trainer, dem vor allem die Höhe der Niederlage nicht schmeckte.

Dabei begann sein Team, das auf der Bank von Co-Trainer Bernd Bretschneider betreut wurde, engagiert. Nach einem 9:5-Rückstand kämpften sich die Gäste auf 8:10 heran. Dann folgte der erste Knackpunkt: Chris Hoffmann wurde von einem Gegenspieler dort hingestoßen, wo es wehtut: Der Güsener ließ sich von dem Foul provozieren und revanchierte sich – er sah die Rote Karte (25.). Wittenberg nutzte die Schwächung – bis dahin hatte der GHC vor allem in der Abwehr gut gestanden – zu einem 5:1-Lauf und der 16:9-Halbzeitführung.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit setzte sich das "Farbenspiel" fort. Nachdem Trainer Bretschneider am Zeitnehmertisch Wechselfehler der Wittenberger moniert hatte, sah er zunächst die Gelbe Karte, erhielt dann zwei Minuten und schließlich nach weiteren Diskussionen mit den Schiedsrichtern Rot.

Handball gespielt wurde aber auch noch: Der GHC war letztmalig beim 20:16 und 22:17 dran, verlor aber in der Schlussviertelstunde den Faden. Vor allem die Chancenverwertung war erneut mangelhaft. Einzig Florian Hennig verdiente sich an diesem Tag mit acht Treffern Bestnoten, alle anderen blieben blass. Hinzu kamen die Roten Karten für Kevin Haßbargen und Carsten Beyer nach Zeitstrafen. Beim 25:19 für die Gastgeber war die Partie entschieden.

Steinbrecher, der sonst zu den ruhigeren Vertretern seiner Zunft zählt, stellte sich demonstrativ vor sein Team: "Kein Vorwurf, sie haben groß gekämpft. Aber mit diesen Schiedsrichtern konnten wir nicht gewinnen." Entsprechend schwor sich das Team auf der Rückreise von Wittenberg neu ein. "Wir werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, rücken noch enger zusammen."

Güsener HC: T. Beyer, Bretschneider – Hennig (8/2), K. Haßbargen (4), Teßmann (1), Hoffmann (1), C. Beyer (3), Ch. Haßbargen (4), R. Klewe (4), Steindorf (2)

Zeitstrafen: Wittenberg 4/GHC 13 Siebenmeter: Wittenberg 3/3/GHC 4/2