Güsen (okr). Etwas ratlos standen die Handballer nach 60 erneut nervenaufreibenden Minuten auf der Platte und wussten mit dem Punktgewinn nicht so recht etwas anzufangen. Beide Teams hatten am Sonnabend im Kellerduell der Sachsen-Anhalt-Liga geführt, beide Teams hatten den Sieg verschenkt. Insofern versuchten die Trainer des Güsener HC und der SG Seehausen dem 32:32 (17:16)- Unentschieden etwas Positives abzugewinnen. "Wir haben heute unser Güsen-Trauma besiegt und das erste Mal überhaupt gegen den GHC gepunktet", sagte Gästecoach Thomas Hennigs. Sein Gegenüber, Eric Steinbrecher, resümierte im Hinblick auf den Klassenerhalt: "Wir haben jetzt 14 Punkte. Das sieht ganz gut aus."

Tatsächlich präsentierten sich beide Mannschaften in der Elbe-Havel-Halle keineswegs wie Abstiegskandidaten. Die rund 200 Zuschauer erlebten eine intensiv geführte, kämpferische, aber jederzeit faire Partie. Diese wurde über weite Strecken von den Abwehrreihen bestimmt, die in einer defensiven 6-0-Formation zu Beginn wenig zuließen.

Einen 0:2-Rückstand glich Güsen durch Linksaußen Rene Teßmann schnell aus (4.), auch beim 4:4 durch Christian Haßbargen (10.) blieb die Partie völlig offen. Die Gastgeber agierten im Angriff variabel, wechselten häufig die Positionen. Dass sie sich jedoch nicht absetzen konnten, lag an ihrer schwachen Chancenverwertung und einer frech aufspielenden Gästemannschaft. Seehausen, das vergleichsweise kleine Akteure in seinen Reihen hat, suchte und fand immer wieder seine Kreisspieler, die ihre Chancen effektiv nutzten (11:10, 19.).

"Da haben wir uns oft nicht clever genug verhalten, sind zu früh herausgestürzt", sagte Steinbrecher, der bis dahin seinen "Stammsechser" hatte durchspielen lassen. Er reagierte, nahm die Auszeit und brachte Robert Klewe. Mit Erfolg: Güsen spielte bis zur Pause einen Mini-Vorsprung von 17:16 heraus.

Auch im zweiten Spielabschnitt begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe. Die Führungen wechselten ständig, kein Team konnte sich einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Auch nicht, als der GHC beim 22:20 (40.), 23:21 (44.) und 25:23 eine Zwei-Tore-Führung herauswarf. Dazu versuchten sie vorne zuviel mit der Brechstange und agierten "einfach ideenlos", sagte der Güsener Trainer.

Hinzu kam, dass Seehausen im Angriff zunehmend leichtes Spiel hatte, auch weil Keeper Christopher Bretschneider – Tobias Beyer musste zur Pause arbeitsbedingt weg – keine Hand an den Ball bekam. Dadurch glitt den Gastgebern in den verbleibenden zehn Minuten die Partie aus den Händen. Die Gäste legten stets auf ein Tor vor (26:25, 28:27) und schienen beim 30:28 (58.) urplötzlich auf der Siegerstraße zu sein. "Los, kommt nochmal", feuerte Klewe in dieser Phase an. Und seine Mitspieler rissen sich nochmal am Riemen. Fabian Steindorf und Carsten Beyer erzielten nach Tempogegenstößen die Tore zum 32:32, ehe Bretschneider den Punkt festhielt.

"Ein Lob an Seehausen, sie haben stark gekämpft", sagte Steinbrecher, während sein Gegenüber Thomas Hennigs dann doch etwas dem verpassten Sieg hinterhertrauerte: "Dieser Punkt hilft nicht uns, sondern nur Güsen weiter."

Güsener HC: T. Beyer, Bretschneider – K. Haßbargen (5/1), Ch. Haßbargen (6/1), Buchheister (1), Teßmann (5), Hoffmann (2), C. Beyer (5), Eichner, Klewe (5), Geue, Salomon, Steindorf (3)

Zeitstrafen: GHC 5, Seehausen 7

Siebenmeter: GHC 2/3, Seehausen 3/3