Mit Denise Oehler wächst beim SV Chemie Genthin ein hoffnungsvolles Leichtathletik-Talent heran. Die 14-Jährige ist mehrfache Landesmeisterin im Hammerwerfen und könnte in den Wurfdisziplinen noch viel erreichen. Dennoch fährt die Schülerin "zweigleisig", sie spielt als einziges Mädchen in der C-Jugend des FSV Borussia Genthin Fußball. "Ich kann mit beiden Sportarten nicht aufhören", sagt die vielseitige Athletin, für die vor allem der Spaß an ihren Hobbys im Vordergrund steht.

Genthin. Denise schwingt sich auf den Sattel, tritt in die Pedalen und fährt die Spielstraße vor ihrem Elternhaus entlang. Manchmal muss sie die Arme zur Seite Strecken, um das Gleichgewicht zu halten, aber sie beherrscht das schwierige Sportgerät mit Bravour. "Ich bin schon ewig kein Einrad mehr gefahren", sagt Denise und schiebt es zurück in die Garage. Der Reporter staunt und selbst ihr Bruder Felix ist von der kleinen Akrobatik-Einlage seiner jüngeren Schwester schwer beeindruckt.

Denise Oehler ist ein typisches Multi-Talent. Egal, welche Sportart die 14-Jährige ausprobiert, sie scheint dabei stets eine gute Figur abzugeben. "Vielleicht hat sie das Bewegungstalent von mir. Ich habe früher Akrobatik betrieben und Handball gespielt", scherzt Mutti Jana Oehler.

Die Vielseitigkeit ihrer Tochter zeichnete sich schon in jungen Jahren ab. Nach einem kurzen Abstecher beim Ballett ("Das war mir zu langweilig.") schaute sie ihrem Bruder und dessen Freunden beim Fußballspielen zu. Der damalige Nachwuchstrainer beim FSV Borussia Genthin, Fritz Franke, sprach die Fünfjährige daraufhin an: "Los, spiel doch einfach mit!"

Fortan ließ Denise der Fußballsport nicht mehr los, sie durchlief bislang alle Altersklassen bei den Borussen und war wie selbstverständlich als einziges Mädchen fester Bestandteil des Teams. "Anfangs waren noch mehrere Mädchen dabei, nur Denise ist übrig geblieben", erinnert sich ihre Mutter. Bis heute, in der C-Jugend-Landesliga, in der ihre Mit- und Gegenspieler immer größer und kräftiger werden, scheint für die zierliche Mittelfeldspielerin noch keine (Leistungs-) Grenze erreicht. "Ich darf mit Genehmigung noch zwei Jahre bei den Jungen mitspielen. Und wenn ich mal einen Zweikampf verliere, hilft mir halt ein Mitspieler", sagt Denise, die vor allem von ihrer Schnelligkeit auf der Außenbahn profitiert.

"Bei Wettkämpfen ist sie immer der Krümel"

Dass sie auch außerhalb des Platzes in einer reinen Jungen-Truppe eine Sonderrolle einnimmt, ist für das Mädchen kein Problem. "Anfangs haben einige schon mal ihre Sprüche gebracht. Aber viele der Spieler kenne ich schon seit dem Kindergarten", sagt Denise und lächelt.

So selbstverständlich wie sich die Schülerin beim Fußball behauptet, so selbstverständlich gelingt ihr der Spagat zu einer anderen Sportart – der Leichtathletik. Und auch hier ist sie in ihre ungewöhnliche Rolle hineingewachsen. "Ich war eigentlich für Sprint und Weitsprung immer zu klein, da blieben nur noch Hochsprung und die Wurfdisziplinen übrig", sagt Denise, die mit acht Jahren ihre Leichtathletik-Laufbahn beim SV Chemie Genthin begann.

Ihre Trainer Siegfried Eschke und Wolfgang Hauser erkannten ihr Talent, schulten sie frühzeitig im Kugelstoßen, später im Speer- und Diskuswerfen und schließlich im Hammerwerfen, den "Disziplinen der Zukunft", wie sie sagt. Dabei wuchs Denise einmal mehr über sich hinaus, überraschte angesichts ihrer Körpermaße die landesweite Konkurrenz. "Bei Wettkämpfen ist sie immer der Krümel. Einmal wurde sie sogar von der Wurfanlage zum Ballwerfen weggeschickt", erinnert sich Mutter Jana und fügte hinzu: "Man traut ihr das nicht zu."

Vor allem beim Hammerwerfen "macht sie eine gute Figur und schöpft ihre Möglichkeiten aus", sagt auch Trainer Eschke. Beleg sind mehrere Landesmeistertitel in dieser Disziplin, aber auch im Hochsprung der Altersklasse 13. Zuletzt errang Denise den Hallen-Landesmeistertitel im Hammerwerfen mit 29,85 m (Ak 14). Wenige Wochen später steigerte sie ihre Bestleistung bei den Kreismeisterschaften im Rasenkraftsport in Lüchow (Niedersachsen) auf 35,35 m, was selbst ihre Trainer erstaunte. "Mit diesen Ergebnissen könnte sie sogar bei den Deutschen Meisterschaften im Rasenkraftsport bestehen", so Eschke.

Gleichwohl ist ihm bewusst, dass die junge Sportlerin, auch angesichts des nur einmal wöchentlichen Trainings, den Sprung nach ganz oben wohl nicht schaffen kann. "Solange ihr es Spaß macht, werden wir sie auch fordern und fördern", betont Eschke.

"Beide Sportarten machen einfach zu viel Spaß"

Denise selbst sieht ihre Zukunft ähnlich, zumal sie sich von beiden Sportarten nicht trennen kann: "Das macht einfach zu viel Spaß." Zwischenzeitliche Überlegungen, den Sprung an die Sportschule zu wagen, hat die Gymnasiastin schnell beiseite geschoben. "Bei einer Sichtung in Magdeburg ging es drunter und drüber. Das hat uns alles nicht gefallen", sagt Jana Oehler.

So bleibt ihrer Tochter mehr Zeit, sich auf die Schule und ihre liebsten Hobbys zu konzentrieren. Und wenn einmal nicht gerade Fußball oder Leichtathletik auf dem Tagesplan stehen, "treffe ich mich mit einer Freundin zum Einradfahren", erzählt die 14-Jährige, die im März von den Lesern der Volksstimme zur Nachwuchs-Sportlerin des Jahres 2010 gewählt wurde. Da war sicher auch ihr Bruder Felix stolz, weshalb er sagt: "Ich habe schon eine coole Schwester."