Redekin. Eine Rote Karte, tumultartige Szenen und ein Trainerrücktritt – das Punktspiel in der Fußball-Kreisoberliga zwischen dem SV Eiche Redekin und dem SV Theeßen (Endstand 5:3 für die Gastgeber) stand am Sonnabend erneut unter keinem guten Stern. "Die Problematik war und ist uns bekannt. Wir werden uns am Montag im Vorstand mit den Vorkommnissen beschäftigen", sagte der Präsident des Kreisfachverbandes Fußball (KFV), Erhard Hölzel, in einer ersten Reaktion.

Das Nachholspiel in Redekin musste in der 87. Minute unterbrochen werden. "Rund 20 ,Anhänger‘ des SV Theeßen hatten Rauchtöpfe gezündet und Leuchtkörper auf das Spielfeld geworfen", sagte Staffelleiter Fritz Franke, der selbst vor Ort war. Zuvor hatte Schiedsrichter Dietmar Fähse dem Theeßener Spieler Dennis Wesemann nach grobem Foulspiel die Rote Karte gezeigt. "Die Partie stand vor dem Abbruch, wurde dann aber doch in Rücksprache mit dem Staffelleiter fortgesetzt", sagte Hölzel. Nach Abpfiff gab der Trainer des SV Theeßen, Winfried Räcke, seinen Rücktritt bekannt. "Es tut mir leid für die Mannschaft und den Verein. Letztendlich ist meine Entscheidung auf den Egoismus eines Spielers zurückzuführen", sagte Räcke.

Wesemann stand nicht nur aufgrund seines Feldverweises im Mittelpunkt. Der Stürmer zog nach seinem Torerfolg zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich sein Trikot aus. "Darunter kam ein T-Shirt zum Vorschein, auf dem wir Redekiner beleidigt wurden", sagte Michael Pieper, Trainer vom gastgebenden SV Eiche. "Ich habe die Szene nicht genau gesehen. Aber es wird dazu einen Sonderbericht des Schiedsrichters geben", sagte Franke.

Nach seinen Beobachtungen sei jedoch die brisante Partie insgesamt friedlich vonstatten gegangen. "Die Gruppierung hat sich bis kurz vor Spielende ruhig verhalten. Es waren sechs Polizeibeamte vor Ort. Sie haben die Lage in der Schlussphase beruhigt, es gab keine Rangeleien", sagte Franke. Dies bestätigte Pieper: "Es war bis dahin alles ruhig."

Ausgangspunkt für die Brisanz der Begegnung waren die Vorkommnisse beim Hinspiel. Laut damaliger Aussage Redekiner soll es gegenüber Eiche-Spielern zu antisemitischen Beschimpfungen und Feindseligkeiten gekommen sein. Wesemann wurde damals vom Landessportgericht gesperrt, später musste der Verband das Urteil zurücknehmen. Unabhängig davon drohen dem Spieler am 20. Juni vor dem Amtsgericht Burg zivilrechtliche Konsequenzen.

Sportlich gesehen "wird er wegen der Roten Karte regulär von uns drei bis vier Spiele gesperrt", sagte Franke. Zudem werde sich das Sportgericht des KFV mit dem "Trikot-Vorfall" beschäftigen.

Trainer Räcke, der die Mannschaft erst vor wenigen Wochen übernommen hatte, zog jetzt seine eigene Konsequenz. "Ich bin ab sofort nicht mehr Trainer des SV Theeßen. Dass ein einzelner Spieler eine ganze Mannschaft in Verruf bringt, kann nicht sein", sagte Räcke, der im Vorfeld mehrfach das Gespräch mit seinem Torjäger gesucht hatte. "Darin hat er mir versichert, dass derlei Aktionen auf dem Platz unterbleiben. Ich fühle mich hintergangen."

Eckhard Buse, Vorsitzender des SV Theeßen, sagte zu den Vorfällen vom Sonnabend: "Wir müssen uns erst im Vorstand abstimmen. Zudem müssen wir abwarten, was von Verbandsseite kommt. Erst dann kann man etwas über Konsequenzen sagen. Es wäre sehr schade, wenn die Entscheidung von Winfried Räcke endgültig wäre." Mannschaftskapitän Christian Hoger teilte gestern auf telefonische Nachfrage mit: "Dennis Wesemann und die Mannschaft haben sich geeinigt, dass er künftig nicht mehr für den SV Theeßen spielen wird. Die Entscheidung ging von ihm aus."