Burg (okr). Katrin Friedrich ist zurück. Und dies wundert niemanden mehr als Katrin Friedrich selbst. Nach gut zweijähriger Babypause bestritt die 35-jährige Vorzeigeathletin vom PSV Burg am Sonntag ihren zweiten Wettkampf des Jahres – mit einer Überraschung. "Ich hätte selbst nicht geglaubt, dass es so gut läuft", sagte Friedrich, die beim heimischen 7. Pokalwettkampf im Stabhochsprung mit übersprungener Höhe von 2,63 m einen Landesrekord in der Klasse W 35 aufstellte.

Friedrich erlebt, ohne ihr zu nahe treten zu wollen, ihren "dritten Frühling" in der Leichtathletik. Nach der Geburt ihre zweiten Sohnes nahm sie sich eine Auszeit, um 2011 ein weiteres Comeback zu wagen. "Ich habe im Winter mit dem Aufbautraining begonnen", sagte die mehrfache Deutsche Seniorenmeisterin, Landesmeisterin und fünffache Sportlerin des Jahres. Mangels Stabhochsprung-Anlage in der Halle konnte sie jedoch erst mit Beginn der Freiluftsaison mit den Praxistests beginnen. "Heute ist meine dritte Trainingseinheit und mein zweiter Wettkampf", sagte Friedrich.

Eine Woche zuvor ließ sie bereits beim Sportfest des SC Magdeburg aufhorchen, überquerte 2,50 m, die bereits zum Landesrekord in der Altersklasse 35 genügten. Nun also in Burg die erneute Steigerung. Da sei die Frage erlaubt, welche Höhe noch möglich ist, Frau Friedrich? "Meine Bestleistung liegt bei 2,70 m. Mit ein bisschen mehr Kraftaufbau kann ich vielleicht wieder meinen alten Stand erreichen." Gelegenheit bekommt sie dazu noch zweimal in dieser Saison, bei den Bezirksmeisterschaften in Magdeburg am kommenden Wochenende und bei den Winckelmann-Games (Landesmeisterschaft) am 4. Juni in Stendal. Sollte die Burgerin dort die 2,70 m überqueren, wäre ihr alter Rekord nach sechs Jahren eingestellt. Katrin Friedrich ist eben immer für eine Überraschung gut.

Überraschend war am Sonntag auch die Resonanz beim Stabhochsprung-Wettkampf in in der Koloniestraße. "Wir haben 23 Starter. Das ist Teilnehmerrekord", freute sich Organisator Mario Friedrich, der zudem diesmal mehr Glück mit dem Wetter als noch im Vorjahr hatte. Wohl ein Grund, warum neben den Nachwuchs-Springern aus Magdeburg, Gardelegen und Halberstadt kurzfristig auch einige Berliner Athleten nachmeldeten. Sie sorgten für den Bestwert des Tages: Marek Schudoma (Jugend A) vom Zehlendorfer TSV überquerte die 4,03 m. Er war allerdings nicht der Gesamtsieger, da die Springer gewannen, die sich prozentual dem deutschen Rekord in ihrer Altersklasse am ehesten näherten. Dies tat Luise Großmann vom SCM in der weiblichen Jugend B mit 3,53 m (persönliche Bestleistung). Auch ihre Vereinskameradin überzeugte – Sophie Tausch überquerte im zweiten Versuch die 2,93 m, zog sich aber bei der Landung über 3,03 m einen Bänderriss im Sprunggelenk zu.

Nur ein Beleg, dass Stabhochsprung nicht nur gefährlich, sondern auch technisch anspruchsvoll ist. Und ein Grund, warum bislang kein Nachwuchs-Athlet des PSV Burg der Familie Friedrich in dieser Disziplin nachfolgen konnte. "Knackpunkt sind die Trainingsbedingungen. Wir können nur im Sommer draußen trainieren", sagte Mario Friedrich. Dennoch will er mit einigen Schützlingen einen Versuch wagen. "Eventuell könnten sie im nächsten Jahr dann hier das erste Mal starten", sagte der Organisator des Pokalwettkampfes. Dies wäre die nächste Überraschung.

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