Schnell ein paar Kurzhanteln im Fitnessstudio um die Ecke heben kann wohl jeder. Doch bei den Landesmannschaftsmeisterschaften im Bank- drücken, die am Sonnabend in Genthin stattfanden, traten die wahren Kraftpakete auf den Plan. Aus Sicht des gastgebenden TSV Einheit verlief der Wettkampf zufriedenstellend. Dennoch war es vor allem ein Senior mit einer beeindruckenden Lebens- und Leidensgeschichte, der zum heimlichen Helden wurde.

Genthin. Als Thomas Krümmling vom SV Hellas Oranienbaum entschlossen auf die Hantelbank zumarschierte, wurde es laut in der Sporthalle an der Berliner Chaussee. Aus den Lautsprecher-Boxen wummerte Heavy-Metal-Musik, dazu stieß der 130-Kilogramm-Hüne einen wahren "Urschrei" aus. Diese Form der Motivation zeigte Wirkung: Krümmling stemmte im dritten Versuch 237,5 kg – ein Wert, der an diesem Tage nicht mehr übertroffen wurde. Mit großem Abstand sicherten sich die Hellas-Recken den ersten Platz in der Aktiven-Wertung (Männer). Die gastgebenden Genthiner erreichten mit ihrer ers- ten und zweiten Mannschaft Platz sechs und acht.

Trotzdem zeigte sich Norbert Schade, Abteilungsleiter beim SV Einheit, zufrieden. Zum einen, weil die Gastgeber in der Senioren-Wertung den Sieg einfuhren und zum anderen, weil der Verein laut Schade "ums Überleben kämpft". Es fehle an Nachwuchs, "der bei der Stange bleibt, dazu sind die Trainingsbedingungen alles andere als optimal", so Schade, dessen Abteilung nur mit acht Sportlern gleichzeitig trainieren kann und sich die Räumlichkeiten mit den Judoka des JC Genthin teilen muss.

Trotz aller Widrigkeiten bot aber auch der Nachwuchs der "schweren Jungs" vom SV Einheit eine gute Leistung. Hinter Wolfen und Klötze kamen sie auf Rang drei der Junioren-Wertung ein. "Die Jungs haben anständig trainiert, aber beim Bankdrücken ist die Tagesform maßgebend. Hinzu kommt die Nervosität bei so einem Wettkampf", sagte Schade.

Der Begriff "Nervenflattern" kommt hingegen im Wortschatz von Werner Paschke nicht vor. Nicht nur, dass der für den SV Friedensweiler/Magdeburg startende Senior mit seinen 75 Jahren schon unzählige Wettkämpfe bestritten hat, auch dass Paschke in Genthin überhaupt an den Start ging, kam einem Wunder gleich. "Bei einem Wettkampf war meine Leistung nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Zehn Tage später wurde bei mir Darmkrebs diagnostiziert", erinnerte er sich. Während der anschließenden Chemotherapie verlor er 21 kg Körpergewicht. Gerade als Paschke wieder auf dem Weg der Besserung war, folgte der nächste Schicksalsschlag: "Dann hatte der Krebs Metastasen in der Leber gebildet, also war ich wieder Weg vom Fenster, habe weitere 17 kg verloren." Vorläufiger Höhepunkt von Paschkes Leidensgeschichte war ein Herzinfarkt im vergangenen Jahr.

Doch all dies hielt den Magdeburger nicht davon ab, wieder mit dem Bankdrücken anzufangen, mittlerweile geht er wieder bei internationalen Wettbewerben an den Start. "Dass ich nicht so schnell aufgebe, mag daran liegen, dass ich aus dem Rudern komme. Aus einem Boot kann man eben schlecht mittendrin aussteigen", erklärte er seine Motivation. Am Ende wirkte es fast schon wie selbstverständlich, dass das "Stehaufmännchen" mit 120 gehobenen Kilogramm den zweitbesten Wert seiner Mannschaft aufstellte.