Judotrainer Holger Alicke von der SG Blau-Weiß Gerwisch erfüllte sich kürzlich einen Traum: Gemeinsam mit weiteren Funktionären aus Deutschland besuchte er das Heimatland des Judosports – Japan. Im Gespräch mit Volksstimme-Mitarbeiter Oliver Kramer schildert der 49-Jährige seine Eindrücke der Millionenmetropole Tokio, einer fremden Kultur und von landestypischen Sportarten.

Volksstimme: Herr Alicke, Sie haben als lanjähriger JudoTrainer das Mutterland ihrer Sportart besucht. Ging damit ein Traum in Erfüllung?

Alicke: Natürlich. Aber ehrlich gesagt, habe ich mich damit nie beschäftigt, weil ich als ¿Normalsterblicher‘ wohl nie nach Japan gekommen wäre.

Volksstimme: Wie kam die Japan-Reise zustande?

Alicke: Die Deutsche Sportjugend hat für Fachübungsleiter ein Studienprojekt zum Thema ¿Ernährung und Gesundheit‘ ausgeschrieben. Ich habe mich über den Deutschen Judo Bund beworben und wurde als einer von sieben Sportfreunden aus Deutschland ausgewählt. Sicher spielte bei der Auswahl eine Rolle, dass ich in Gerwisch Judoka trainiere.

Volksstimme: Welches Ziel hatte die 14-tägige Reise?

Alicke: Zum einen stand die Vermittlung des Studienschwerpunktes im Mittelpunkt. Wir haben Schulen, Restaurants und Küchen besucht, bei denen das Thema gesunde Ernährung in Verbindung mit Sport vermittelt wurde. Zum anderen sollten wir natürlich Land und Leute kennenlernen. Alles war von der japanischen Partnerorganisation perfekt organisiert.

Volksstimme: Welche kulturellen Höhepunkte sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Alicke: Ich war von der Größe der Millionenstadt Tokio überwältigt, die vielen Menschen, Wolkenkratzer und Leuchtreklamen. Auch die Besuche der Tempel, Handwerksbetriebe und Museen an der Westküste Japans waren beeindruckend. Natürlich haben wir auch in japanischen Restaurants gespeist, das waren kulinarische Höhepunkte. Und auch die Fahrt mit dem japanischen Schnellzug "Shinkansen" war unglaublich, der Service, die Sauberkeit und Pünktlichkeit, kein Vergleich zur Deutschen Bahn. (lacht)

Volksstimme: Wie haben Sie die Sportlandschaft in Japan wahrgenommen?

Alicke: Nun, die Japaner lieben Baseball, was bei uns ja nicht so verbreitet ist. Spannend war vor allem ein Sumo-Wettbewerb, den wir besucht haben. Da hat es richtig gekracht. Und auch bei der Besichtigung des Nationalen Institutes für Sportwissenschaften, vielleicht vergleichbar mit unserer Sporthochschule in Köln, gerieten wir ins Staunen. Allein die Judohalle, die größte der Welt, war mit 1000 Tatami-Matten ausgestattet.

Volksstimme: Welche Erkenntnisse haben Sie für ihre Sportarbeit in Deutschland mitnehmen können?

Alicke: Ein Judotrainer hat mir Info-Materialien mitgegeben. Viel wichtiger war jedoch, zu sehen, wie die Menschen in Japan miteinander umgehen. Ob in den Schulen oder Vereinen, überall herrscht eine Ruhe, Disziplin und Herzlichkeit, hierzulande undenkbar. Nach einem Badminton-Wettkampf haben die Teilnehmer zum Besen gegriffen und die Halle gekehrt. Unglaublich.

Volksstimme: Wie können Sportler und Trainer Angebote für Auslandsreisen nutzen?

Alicke: Die Deutsche Sportjugend schreibt regelmäßig themenbezogene Projekte aus, auch für Kinder und Jugendliche. Mal geht es nach Japan, mal nach Russland oder China. Ziel ist der Austausch der Kulturen über den Sport. Interessierte sollten sich bei ihren Landesverbänden informieren.