So ein Parcours vor dem Springen der mittelschweren Klasse (ein Stern) möchte schon genau erkundet werden. Jeder Reiter geht die Anläufe zu den Hindernissen selbst erst einmal ab in der gefühlten Schrittlänge des Pferdes. Auch am Sonntagmittag war so der optimale Punkt vor zehn Hindernissen mit zwölf Sprüngen auf 430 Metern zu prüfen. 74 Sekunden maximal gab das Kampfgericht beim Dorf- und Reiterfest in Königsborn vor, um den Parcours zu bewältigen. Carolin Schedlbauer tat dies auf Collien fehlerfrei und in 55,02 Sekunden. Die Amazone aus Wernigerode hatte sich damit die Siegerschleife gesichert.

Königsborn. Gerald Windisch, der Chef des RFV Königsborn, hatte am Sonntag noch viele Gespräche zu führen, einiges an Kaffee zu trinken, vielleicht auch gedanklich die Dinge zu resümieren. Am Mittag machte er den Eindruck, als sei die erste Last von ihm abgefallen. Immerhin lagen zwei Wettkampftage hinter Windisch, das Reiterfest, das der Verein gemeinsam mit der Gemeinde und seinem Ortsbürgermeister Hilmar Graßhoff organisiert und veranstaltet, ging auf die Zielgerade. Den großen Höhepunkt des Sonntags lieferte das abschließende M-Springen (zwei Sterne). Windischs Tochter Kristin ritt und sprang diesmal auf Cosimo vielen ihrer Konkurrenten einmal mehr voraus. Bei vier Fehlerpunkten und in 36,67 Sekunden belegte sie Rang drei hinter dem Ihleburger Steffen Buchheim, der sich auf Ultra Rang eins und auf Lavingon Rang zwei gesichert hatte. "Unser Verein ist sehr gut vertreten", sagte Windisch mit Blick auf die Ergebnislisten. Nicht nur in diesem mittelschweren Springen landete einer seiner 25 aktiven Schützlinge vorn, schon am Vortag bei der M-Dressur (zwei Sterne) sicherten sich Sabine Müller auf Dawinja und Judith Völzke auf Hightech die Ränge zwei und drei.

Inzwischen ist das Fest überhaupt der Höhepunkt im Jahreskalender der Gemeinde Königsborn. Es war die wohl sechste Auflage (so genau haben sie die Chronik in Königsborn noch nicht geführt) des Turniers mit Reiterball und großem Sonntagsfrühstück, das seit dem Erwerb des Grundstücks, jeweils zur Hälfte durch Gemeinde und Verein, ausgetragen wurde. "Damit sind gewaltige Aktivitäten in Gang gekommen", freut sich der RFV-Chef. Kein Wunder also, dass sich die familiäre Atmosphäre in Königsborn positiv in den Vordergrund drängt. Beide Institutionen verfolgen die gleichen Interessen. Zusätzlich unterstützt werden sie von Sponsoren wie der Agrar- genossenschaft, aber Windisch sucht in dieser Hinsicht weit über die lokalen Grenzen hinaus.

Der RFV zählt 60 Mitglieder im Alter von fünf bis 70 Jahre. Zur diesjährigen Auflage des Reiterfestes wurde extra das Vordach neu gebaut. Sportlich waren alle Prüfungen mit 930 Nennungen "gut ausgelastet", erklärt Windisch. Und irgendwie war das Fest in Königsborn eine gute Einstimmung auf die Wörmlitzer Pferdewoche, die morgen beginnt und am Sonntag endet. Neben dem Familientag am Donnerstag, wenn im Wettbewerb die Jugend im Vordergrund steht, erwarten die Besucher am Sonnabend zwei Highlights. Gegen 19 Uhr beginnen die Kür mit Musik in der S-Dressur und das Barriere-S-Springen. Am Sonntag geht es dann ab 15 Uhr um den Großen Preis von Wörmlitz, ein S-Springen mit zwei Sternen.

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