Trainer haben da ganz eigene Ansichten. Wenn man einer Linda Queck, aktuell auf Platz 435 der Deutschen Tennis-Rangliste, nachsagt, sie spiele den Spin nicht flach genug, leuchtet im Geist des Amateurs nur ein großes Fragezeichen. Die Ostliga der Damen wurde am Sonnabend beim Biederitzer TC eröffnet gegen den Erfurter TC Rot-Weiß. Die Gastgeberinnen, wie der Gegner aus Thüringen als Landesmeister aufgestiegen, sammelten die ersten beiden Punkte für den Klassenerhalt. Mit 6:3 gewann das Team um Kapitän Katja Krebs.

Biederitz. Wie flach muss nur solch ein Spin gespielt werden, um auch einen Coach von Qualität zu überzeugen? In Anbetracht des Spitzenduells an diesem Tag fand sich mit dem bloßen Auge darauf keine Antwort. Der Biederitzer Neuzugang Veronika Ovcacikova und Linda Queck lieferten sich schlichtweg ein klasse Match, das nach drei spannenden Sätzen mit dem Sieg (7:6, 1:6, 7:6) der Erfurterin endete. Dabei präsentierten beide Akteurinnen die gleiche Spielanlage, wenngleich Queck wohl über das komplettere Schlagrepertoire verfügte. Diktierten die Gegnerinnen vornehmlich über ihre Vorhand die Partie, wurden leichte Defizite bei der doppelhändigen Rückhand Ovcicakovas deutlich. Dann fand die 21-Jährige nicht immer das richtige Timing oder die entsprechende Position zum Ball, so unterliefen ihr einige unerzwungene Fehler. Dagegen glänzte die Tschechin mit starken Passierschlägen, sie glänzte zuweilen mit einem klasse Return, wenn der Ball scharf, präzise, unerreicht einschlug. Hohes Tempo prägte überhaupt diese Begegnung, ganz selten nutzten die Akteurinnen den Slice zur Verzögerung, höchstens beim Stop. Und Ovcacikova agierte mit einer Ruhe und Geduld, die Queck an diesem Tag zuweilen fehlten. Die Erfurterin, die ihren Frust verbal auch schreiend artikulierte, versuchte es allzu häufig mit unnötiger Gewalt, ihr Risiko wurde mit zu langen Bällen bestraft, sie verzieh sich ihre Fehler selbst erst spät – manchmal zu spät. Und doch waren es wenige glückliche Momente mehr, in denen sie sich letztlich flach genug zum Sieg schlug.

Es war die zweite Einzelniederlage der Biederitzer Damen, die vor den Doppeln also mit 4:2 führten. Jarmila Sikorowa, Martina Felux, Susann Lüttich sowie Arlett Bittrich hatten ihre Partien jeweils glatt in zwei Sätzen für sich entschieden, wenngleich mit Radka Bastarova und Klara Nemeckova zwei tschechische Topspielerinnen bei Erfurt fehlten. Die zweite Niederlage indes musste Katja Krebs, Jahrgang 1974, hinnehmen. Man hatte sie gegen die starke und erst 13-jährige Maria Reinmüller versucht aufzumuntern und anzuspornen, "es muss nicht schön aussehen", hieß es also, nur erfolgreich. Krebs hatte sich dann nach der Zwei-Satz-Niederlage (3:6, 4:6) gefragt, ob sie die Aufregung vor ihrem Ostliga-Debüt ein wenig gehemmt hatte. "Aber Aufregung gehört dazu", sagte sie lächelnd. Jedenfalls fand sie in keiner Phase der Partie zu ihrem Rhythmus. An der Kondition lag es sicher nicht, "aber ich habe keine Sicherheit in meinen Schlägen gefunden", erklärte sie. Eigentlich ist der Aufschlag ihre Stärke, "auf meine Vorhand baut sich dann das Spiel auf". Druck baute hingegen Maria Reinmüller auf, die Linkshänderin verteilte die Bälle gut, überzeugte mit einer starken Vorhand und einem hohen Laufaufwand. Letzteres allerdings schien ihr im zweiten Satz zum Verhängnis zu werden. Da musste sie kräftig durchatmen, als sie ein Break kassiert und mit 2:4 zurückgelegen hatte. Aber dies konnte die erfahrene Krebs nicht mehr zum Satzgewinn nutzen.

Die letzten Befürchtungen, Erfurt könnte das Spiel in den Doppeln noch drehen, bestätigten sich nicht mehr. Dazu spielten auch Ovcacikova und Sikorova bei ihrem klaren Zwei-Satz-Sieg (6:0, 6:1) den Spin flach genug.

Statistik (Biederitz – Erfurt): Veronika Ovcacikova – Linda Queck 6:7, 6:1, 6:7; Jarmila Sikorowa – Fabienne Cantner 6:2, 6:3; Katja Krebs – Maria Reinmüller 3:6, 4:6; Martina Felux – Mandy Wengerodt 6:3, 6:1; Susann Lüttich – Clara Steiner 6:2, 6:0; Arlett Bittrich – Gabriele Weber 6:4, 6:3; Doppel: Ovcacikova/Sikorova – Cantner/Wengerodt 6:0, 6:1; Krebs/Bittrich – Queck/Weber 3:6, 3:6; Felux/Lüttich – Reinmüller/Steiner 6:3; 6:2