Der alte ist auch der neue Fußballchef: Erhard Hölzel wird auch in den kommenden vier Jahren als Präsident des Kreisfachverbandes Fußball Jerichower Land fungieren. Hölzel und die Vorstandsmitglieder des KFV wurden am Sonnabend auf dem 5. Ordentlichen Verbandstag von den 38 Mitgliedsvereinen ihn ihren Ämtern bestätigt. Bei der Wahlveranstaltung in Genthin wurde deutlich: Die Führungsmannschaft wird sich neuen Aufgaben und Herausforderungen des Fußballsports im Kreis stellen müssen.

Genthin. Eigentlich hatte Hölzel vor Wochen auf der Tagung des Fußball Verbandes Sachsen-Anhalts seinen Rücktritt verkündet. Dann erhielt er Briefe und Anrufe von Vereinsvertretern, die ihn baten, weiter zu machen. "Ich habe nochmal mit meiner Frau gesprochen und dann doch einer weiteren, letzten Legislatur zugestimmt", sagte der 71-Jährige.

Keine Frage, der Präsident klebt nicht an seinem Amt, hätte wohl den Weg für einen Jüngeren freigemacht. Ein geeigneter Nachfolger schien sich jedoch nicht aufzudrängen. Zumal Hölzel seit 1998, wie der Volksmund sagt, den Laden im Griff hat. "Er ist ein Kämpfer für die Sache des Fußballs", sagte Bernd Mittelstädt vom Kreissportbund.

Entsprechend kritisch fiel der Rechenschaftsbericht des Präsidenten aus. Hölzel verzichtete auf Aufzählungen von Erfolgen, legte stattdessen den Finger in die Wunde: "Seit 1994 haben den KFV rund 1 500, hauptsächlich junge Mitglieder verlassen", stellte er fest. Die Gründe seien bekannt: Demografischer Wandel, Geburtenknick und die zunehmenden finanziellen Belastungen der Vereine hätten vor allem im Nachwuchsbereich zu Problemen geführt. Während der Spielbetrieb in den Altersklassen A bis C zuletzt nur mit Hilfe des Magdeburger Stadtfachverbandes (Spielunion) aufrecht erhalten werden konnte, sei in den jüngeren Jahrgängen (F- bis D-Jugend) ein Aufwärtstrend erkennbar.

Zudem verwies Hölzel auf die Beitragserhöhung durch den FSA, durch die sich die Vereine zunehmenden finanziellen Belastungen ausgesetzt sehen. "Vielleicht sollte der Landesverband noch einmal über Sparansätze im Haushalt nachdenken", merkte Hölzel in Richtung FSA-Präsident Werner Georg an.

Dieser war eigens aus Berlin nach Genthin gekommen, um Rede und Antwort zu stehen. "Wir haben schon eine neue Spielstruktur eingeführt, um Kosten zu sparen, verfügen über die kleinste Geschäftsstelle von allen Landesverbänden. Wir können uns nicht kaputt sparen", sagte Georg. Gleichzeitig rief er die Mitglieder auf, sich vor den Entwicklungen und Reformen im Fußballsport nicht zu verschließen. "Sonst können wir im Bundesvergleich nicht mehr mithalten." Als Beispiel nannte er die Einführung des elektronischen Spielberichtsbogens auf Kreisebene (siehe Beitrag links) und die Aktionen, die mit der Frauen-Fußball-WM 2011 verbunden sind. Sein Appell an die Vereine: "Beteiligt euch, um den Frauen- und Mädchenfußball in der Region voran zu bringen."

Reserven sieht der Kreisfachverband auch in Sachen Fairplay. Trauriger Rekord: In den vergangenen vier Jahren verhängte der Verband an die Vereine Ordnungsstrafen (Rote Karten) in Höhe von 11 000 Euro. "Das sind Einnahmen, auf die wie gerne verzichten würden", sagte Schatzmeister Horst Wichmann. Und auch die Entwicklung des Schiedsrichterwesens im Kreis ist besorgniserregend. Zuletzt meldeten elf Vereine keinen Schiedsrichter, nahmen stattdessen hohe Strafgebühren in Kauf. "Ihr seid gefragt, junge Sportfreunde für das Schiedsrichterwesen zu begeistern. Wir wollen euch gerne dabei unterstützen", sagte Hölzel.

Positiv hob er die Entwicklung des DFB-Stützpunktes und die Erfolge von Jugendmannschaften bei Hallen-Landesmeisterschaften hervor. Gleichwohl verwies Bernd Mittelstädt in seiner Gastrede auf die Reserven im Kinder- und Jugendbereich. "Wir müssen im Fußball umdenken. Vor allem im Vorschulalter müssen die Vereine aktiver werden und bei den Jüngsten den Spaß am Sport wecken", so der Aufruf des KSB-Geschäftsführers.