Genthin / Brettin ( okr ). Joachim Greisner ist ein echter Chronist. In einem Buch, so etwas wie seine Fußball-Bibel, hält der Trainer des TSV Brettin / Roßdorf alles Wichtige zu seiner Mannschaft fest. Feinsäuberlich listet er Statistiken auf, klebt Zeitungsartikel ein und fügt Fotos hinzu. " Meine Spieler schauen da schon mal ganz gerne rein ", sagt Greisner etwas stolz. Wird er also auf das Kreisoberliga-Hinspiel seines Teams gegen den FSV Borussia Genthin im Oktober 2009 angesprochen, kann er ganz genau Auskunft geben. " Damals waren in Brettin 330 Zuschauer. Zwei Genthiner wurden vom Platz gestellt und wir haben in der Schlussminute noch das 2 : 2 kassiert ", sagt der Trainer, der vor zweieinhalb Jahren die " Fronten " gewechselt hatte.

Genthin gegen Brettin – das Duell der ewigen Ortrivalen ist für Fans und Spieler beider Vereine seit Jahrzehnten etwas Besonderes. Ob in der Landesklasse oder Kreisoberliga, stets werden in dieser Partie die Zuscherrekorde der Saison aufgestellt. " Mehr Derby geht nicht ", sagt TSV-Spieler Sebastian Kaltofen, der schon seit seiner Jugend in Brettin spielt. Ihm wurde schon früh eingeimpft, wer auf welcher Seite des Kanals spielt. " Man könnte zu jedem Verein wechseln, nur nicht nach Genthin ", sagt Kaltofen.

Eine gesunde Rivalität hat auch Genthins Urgestein Klaus Gawlefsky, der schon in beiden Vereinen aktiv war, beobachtet. Dennoch schränkt er ein : " Unter den jungen Spielern spielt das nicht mehr eine so große Rolle ", sagt der Mannschaftsleiter des FSV. Gleichwohl will sich der neue Kreisoberliga-Spitzenreiter heute um 15 Uhr vom Ortsnachbarn nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. " Wir wollen unsere gute Ausgangsposition, die wir uns am vergangenen Wochenende erarbeitet haben, mit einem Erfolg verteidigen ", sagt Gawlefsky. Dazu stehen dem Trainergespann Frank Grabowski / Detmar Gronwald nach letztem Stand alle Spieler zur Verfügung.

Die Qual der Wahl hätte auch Joachim Greisner gerne. Mit Christian Sammel ( Studium ), Sebastian Kaltofen ( Arbeit ) sowie den verletzten André Mannewitz, Chris Wittig und Florian Krause fehlen ihm gleich fünf Leistungsträger. " Ich muss Spieler aus der zweiten Mannschaft und den Alten Herren mitnehmen ", sagt Greisner, der in dieser Saison nur selten seine Stammformation aufbieten konnte. Das ist wohl ein Grund, warum der TSV Brettin / Roßdorf auf Rang sechs liegend der Spitzengruppe der Kreisoberliga hinterherläuft.

Dass für das Team durchaus mehr drin ist, stellte es in den vergangenen drei Spielen unter Beweis, die allesamt gewonnen wurden. " Wir haben eigentlich eine gute Mannschaft. Es macht Spaß, mit den Spielern zu arbeiten ", sagt Greisner und sieht daher dem Nachbarschaftsduell gelassen entgegen : " Wir sind klarer Außenseiter. Und wenn doch ein Punkt herausspringt, freuen wir uns umso mehr. " Und wer weiß, vielleicht kann er heute Abend das Wort " Überraschung " in seine Fußball-Bibel schreiben.