Sie haben die Radball-Oberliga in dieser Saison wie kein anderes Duo in Sachsen-Anhalt dominiert. Nicky Rogge ( 31 ) und Rüdiger Czarnetzki ( 25 ) vom RC " All Heil " Lostau stehen bereits vor dem letzten Spieltag, der heute ab 10 Uhr in Lostau ausgetragen wird, als Meister fest und kämpfen ab 8. Mai um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Volksstimme-Mitarbeiter Oliver Kramer sprach mit den Radballern über ihre ersten Pedaltritte, die Konkurrenz im eigenen Lager und über Traditionen, die verpflichten.

Volksstimme : Herr Rogge, Radball ist, vorsichtig formuliert, in Deutschland nicht gerade eine massentaugliche Sportart. Wie sind Sie dazu gekommen ?

Nicky Rogge : Der Radball hat in Lostau und in meiner Familie eine lange Tradition. Ich habe 1986 in der Trainingsgruppe meines Vaters angefangen. Auch meine Großeltern haben früher Reigenfahren in Lostau betrieben.

Volksstimme : Reigenfahren ?

Rogge : Ja, das ist eine Disziplin des Kunstradfahrens, bei der als 4 er oder 6 er-Mannschaft synchron gefahren wird. Dieser Sport wird aber heute in Lostau nicht mehr betrieben.

Volksstimme : Dafür Radball umso mehr. Wie haben Sie Ihre ersten Schritte oder besser gesagt Pedaltritte erlebt ?

Rogge : Man muss erstmal wissen, dass man mindestens zwei Jahre braucht, um überhaupt ein Turnier spielen zu können. Darin besteht für viele Anfänger auch die Hürde. Man muss viel Geduld mitbringen, bis man Fortschritte macht. Immerhin gibt es heute schon spezielle Kinderräder. Ich musste damals mit einem schweren Herrenrad zurecht kommen. Das waren noch Zeiten ... ( lacht )

Rüdiger Czarnetzki : Zunächst muss man erst einmal lernen, mit dem Rad zu Stehen und es in jeder Situation unter Kontrolle zu halten. Später kommen erst Dinge wie das Vorwärts- und Rückwärtshoppeln, die Ballbehandlung, das Zusammenspiel und der Torschuss hinzu. Das dauert aber.

Volksstimme : Zeit, die Sie offenbar genutzt haben. Wie sind sonst die Erfolge im Jugend- und Männerbereich zu erklären ?

Rogge : Wir haben ja alle Schüler-, Jugend- und Juniorenligen durchlaufen. Bei mir war es so, dass ich mit 17 in den Nachwuchskader des BDR ( Bund Deutscher Radfahrer, d. Red. ) berufen wurde. Da bin ich einmal pro Monat nach Frankfurt gefahren und habe auch Sportförderung erhalten. Das sind alles Erfahrungen, die mir später als Spieler und Trainer zu Gute gekommen sind.

Czarnetzki : Genau, Nicky war ja auch mein Trainer, von dem ich viel gelernt habe. Mit 16 war ich Jugendlandesmeister und belegte später bei den Deutschen Meisterschaften mit Andy Meier Platz fünf. Dadurch wurden wir in das Förderprogramm berufen und durften ein Jahr als Gastteam in der 2. Bundesliga spielen. Da haben wir aber einen Negativrekord aufgestellt. ( lacht )

Volksstimme : Sie haben also bis 2009 nie zusammen gespielt. Wie kam es zu der Entscheidung des Vereins, Lostau I in dieser Formation ins Oberliga-Rennen zu schicken ?

Czarnetzki : Natürlich mussten wir uns erstmal auf einander abstimmen. Das hat mit der zunehmenden Spielpraxis auch gut geklappt. Ich bin halt Außenspieler und Nicky Torhüter. Umgekehrt würde das wohl auch nicht funktionieren.

Rogge : Uns wurde von außen schon oft bescheinigt, dass wir starke Spieler in Lostau haben. Dennoch haben wir es mit einer Männermannschaft nie direkt in die 2. Bundesliga geschafft. Mit uns und Lostau II, also Markus Rogge und Denny Schwiesau, sollte dieses Ziel in Angriff genommen werden.

Volksstimme : Ein erster Schritt dorthin ist geschafft. Sie sind vorzeitig Oberliga-Meister geworden. Hätten Sie sich das so einfach vorgestellt ?

Czarnetzki : Man muss ganz klar sagen, dass Lostau II eigentlich der stärkste Konkurrent gewesen wäre. Sie haben nur am ersten Spieltag verletzungsbedingt Punkte liegen lassen, die ihnen jetzt fehlen. Alle anderen wie Post Magdeburg II hatten wir auf der Rechnung.

Rogge : Bei einigen Spielen haben wir den Siegtreffer aber auch erst in den Schlusssekunden erzielt. Das ist wie bei den Bayern, wenn es einmal läuft, steigert man sich herein und hat auch das nötige Quäntchen Glück.

Volksstimme : Welche Chancen rechnen Sie sich bei den Aufstiegsspielen am 8. Mai in Lostau aus ?

Czarnetzki : An der ersten Runde nehmen sechs Teams aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Hessen teil. Da wollen wir unter die ersten Drei kommen und uns für das Finalturnier qualifizieren. In der Endrunde kann dann alles passieren.

Volksstimme : Herr Rogge, sie haben kürzlich Manfred Wunderling als ersten Vorsitzenden des RC Lostau abgelöst. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Verein ?

Rogge : Zu allererst will ich die gute Arbeit meines Vorgängers fortführen. Gleichzeitig möchte ich das Vereinsleben stärken. Dazu sollen nicht nur Radball-Turniere, sondern auch Fahrradtouren, Ausflüge und andere sportliche Aktivitäten veranstaltet werden. Natürlich hoffen wir auch auf mehr Nachwuchs. Positiv ist, dass es im Verein wieder eine Radpolo-Frauengruppe gibt. Die wurde übrigens unter anderem von meiner Schwiegermutter ins Leben gerufen.