Burg ( okr ). Als Everage Richardson gestern aus der Umkleide schlich, war ihm die Enttäuschung anzusehen. Der US-Amerikaner hatte gerade sein letztes Saisonspiel für TuS Elbingerode bestritten und dabei eine Niederlage einstecken müssen. " It was not our day ", sagte der 23-jährige Überflieger der Basketball-Landesliga nach der völlig überraschenden 96 : 98 ( 54 : 44 ) -Niederlage gegen den 1. Burger BV.

Dafür war es der Tag der Burger. Der Tabellensechste brachte den bereits als Aufsteiger feststehenden Harzern die zweite Saisonniederlage bei. " Ich will nicht daran denken, was passiert wäre, wenn wir diesen Sieg zu Saisonbeginn gelandet hätten ", sagte BBVVorsitzender Steffen Voigt. Er war Teil der sechsköpfigen Rumpftruppe, die über sich hinaus wuchs und in einer dramatischen Schlussphase den größeren Siegeswillen bewies.

Vielleicht war es der Erfolg vom Freitag, der in den Burgern ungeahnte Kräfte freisetzte. Im Punktspiel gegen den SSJ Gardelegen hatten sie sich in die Verlängerung gekämpft ( 79 : 79 ) und dort mit 84 : 93 verloren. " Da fehlte uns die Kraft ", sagte Voigt. Diese schien zwei Tage später keine Rolle mehr zu spielen. Alle Spieler inklusive Trainer Dirk Uhlemann waren bis in die Haarspitzen motiviert, um dem künftigen Oberligisten um seinen USStarspieler Paroli zu bieten.

Und dieses Vorhaben ging auf. Von Beginn an blieb Burg dran ( 12 : 12, 14 : 14 ). Vor allem in der Defensive stand das Team sicher und zwang den Gegner zu Fehlern. Vorne war Center Torsten Ramme einmal mehr der Fels in der Brandung und lieferte mit 40 Punkten eines seiner besten Saisonspiele ab. Dennoch legten die Gäste, die viele Technik- und Abspielfehler produzierten, einen Zwischenspurt hin ( 28 : 22, 45 : 38 ) und lagen Ende des zweiten Viertels im Soll ( 54 : 44 ).

Nach der Pause war davon nichts mehr zu sehen. Burg agierte wie aufgedreht. Die Angriffe wurden ausgespielt und von Torsten Ramme und Tino Schmidt vollendet. Auch Ricardo Röxe lief von der Dreipunkte-Linie heiß. Beim 57 : 60 war der Außenseiter auf Schlagdistanz. Dennoch wusste sich Elbingerode zu wehren. Vor allem Everage Richardson, der selbst mit starken 41 Punkten unter seinem Saisondurchschnitt blieb, forderte nun die Bälle und brachte sein Team mit 78 : 71 in Führung. " Eigentlich gönnt er sich sonst Pausen. Heute nicht ", sagte Voigt.

Insofern muss Stefan Krotki, der den Ami so gut es ging im Zaum hielt, der größte Respekt gezollt werden. Erst recht im vierten Viertel, als das Match auf der Kippe stand und sich die Burger aufgrund von Zeitstrafen noch mehr dezimiert hatten. Nach der erstmaligen Burger Führung durch Röxe ( 82 : 81 ) wechselte diese ständig. Die Spieler müssen die letzten fünf Minuten wie im Rausch erlebt haben. Plötzlich traf Krotki von der Drei-Punkte-Linie, plötzlich traf Röxe im Eins-gegen-Eins und auch Ramme war unter dem Korb nicht zu stellen und gewann unzählige Offensiv-Rebounds. Ramme war es auch, der nach dem 90 : 90, 96 : 96 den entscheidenden Korb zum 98 : 96-Endstand verwandelte. Der Rest war nur noch grenzenloser und Jubel und die Gewissheit, dass Basketball noch immer ein Mannschaftssport ist.

Für den sympathischen Everage Richardson, der nächstes Saison wohl wieder für TuS Elbingerode spielen wird, sicher kein Trost. Heute geht sein Flieger zurück nach New York. Vielleicht denkt er dann noch einmal an diese Überflieger aus Burg.

1. Burger BV : Krotki ( 11 ), Voigt ( 11 ), Röxe ( 22 ), Schmidt ( 14 ), Ramme ( 40 ), Uhlemann