Staßfurt. Der Bus hatte keine Panne, alle waren gesund nach Staßfurt gekommen, auch Chris Hoffmann, wie David Garbrecht aus der Zweiten hochgezogen, durfte erneut auf die Platte. Mit seinem zweiten Einsatz beim Güsener HC hat er das Dauerticket für die Handball-Oberliga gelöst. Chris Hoffmann ist 18 Jahre jung, er hat in dieser Serie für die Reserve schon 18 Treffer in einer Partie der 2. Nordliga erzielt. " Das ist natürlich nicht mit der Oberliga zu vergleichen ", sagt sein Trainer Peter Arndt. Aber irgendwie ist es doch ein Zeichen, weshalb Hoffmann auch beim HV Rot-Weiss am Sonnabend das Vertrauen des Coaches genoss und bestätigte. Arndt hatte für seinen Youngster ebenso lobende Worte übrig wie für Carsten Beyer, der in der Merkewitz-Halle auf neun Tore kam. Beide Akteure leisteten ihren Anteil zum Ziel, das Arndt wie folgt ausgegeben hatte : " Schadensbegrenzung ". Güsen, mit acht Feldspielern und zwei Torhütern angereist, unterlag mit 28 : 34 ( 14 : 14 ). " Das war ein astreines Spiel meiner Mannschaft, an der moralischen Einstellung gibt es absolut nichts zu kritisieren. "

Carsten Beyer hatte allerdings auch Glück. Als er bei einem Konter das Bein gegen Staßfurts Johannes Sternberg stehen ließ, hätte er durchaus vorzeitig das Feld verlassen können. " Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn er dafür Rot gesehen hätte ", urteilte Arndt. Passiert ist das in der 25. Minute, Güsen lag nach einem Treffer von Martin Müller mit 11 : 10 in Front. Die Gäste hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst stark gespielt, " sie haben jeden Treffer wie einen Sieg gefeiert ", erklärte auch HV-Keeper Stefan Wiederhold. Staßfurts Körpersprache verriet Verkrampfung, die 21 : 26-Schlappe eine Woche zuvor beim BSV Magdeburg hatte ihre Spuren hinterlassen. Deshalb konnte das Team nach einem guten Beginn ( 5 : 2, 7 : 4 ) nicht durchziehen. Die 4-2-oder 3-3-Deckung des GHC stand sehr kompakt, es mangelte am Spielfluss beim Hausherren. Auf der anderen Seite wurde zwar Christian Haßbargen aus dem Spiel genommen durch Tobias Ortmann, aber alle anderen – wie jener Carsten Beyer – hatten viel Platz gegen eine wenig aggressive Abwehr. Bis zum 14 : 14-Pausenstand trafen sich die Teams im Ergebnis auf Augenhöhe.

Und den ersten Treffer nach dem Wechsel markierte Müller ( 14 : 15 / 31 ). Es war jedoch eine Frage der Zeit, wann Güsen Kraft und Konzentration verlieren würde. Und dies geschah zu einem frühen Zeitpunkt der zweiten Hälfte. Die wohl entscheidende Szene ereignete sich in der 41. Minute zwischen Siebenmeter-Linie und Staßfurter Gehäuse : Haßbargen scheiterte an Wiederhold, und auch im Nachwurf blieb der Rot-Weiss-Keeper gegen den Güsener Hünen Sieger. Im Gegenzug markierte Marco Richter das 21 : 17. Der GHC musste die Staßfurter bis auf fünf, sechs Tore ziehen lassen. Rot-Weiss kontrollierte mit diesem Vorsprung die Partie bis zur Schlusssirene.

" Wir haben uns sehr gut verkauft ", freute sich Peter Arndt nach der Begegnung. Die Großen der Liga haben die Güsener nun weg, jetzt rechnet sich der Coach noch einiges gegen Wittenberg, Seehausen und BSV Magdeburg aus, gegen drei Teams also, die ihren eigenen Launen oftmals unterliegen. Da nicht sicher ist, ob und wie viele am Saisonende in den sauren Abstiegsapfel beißen müssen, bedeutet jeder weitere Zähler eine Sicherheit für den Klassenerhalt.

HV Rot-Weiss : Wiederhold / Schliwa – Je. Friedrich, St. Wartmann, Berger ( 6 ), V. Wartmann, Ortmann ( 2 ), Jö. Friedrich ( 5 ), Jacobi ( 7 ), Ernst ( 8 ), Scholz, Sternberg

Güsen : C. Brettschneider / T. Beyer – St. Brettschneider ( 2 ), Garbrecht ( 1 ), C. Beyer ( 9 ), C. Haßbargen ( 5 ), Geue, Salomon ( 1 ), Hoffmann ( 4 )

Siebenmeter : Staßfurt 5 / 4 – Güsen 4 / 3 ; Zeitstrafen : Staßfurt 6 – Güsen 8