Sie ist die jüngste Trainerin in der Volleyball-Oberliga der Herren und zugleich die einzige Frau, die in Sachsen-Anhalts höchster Spielklasse an der Linie ihren Mann steht : Jessyka Postolla hat den Burger VC über vier Jahre nach ganz oben geführt. Die " Kleene ", wie die 25-Jährige oft gerufen wird, ist längst erwachsen geworden und mit dem Volleyballverein sportlich wie privat eng verbunden.

Burg. In der Sporthalle Burg-Süd ist es gemütlich geworden. Es riecht nach Glühwein und auf großen Blechen liegt frisch gebackener Kuchen bereit. Wenige Tage vor dem Heiligen Abend sind einige Volleyballer des Burger VC nochmal zusammen gekommen. Eigentlich wollten sie an diesem Sonnabend noch ein wichtiges Punktspiel bestreiten. Aber der Gegner aus Merseburg sagte kurzfristig ab. " Wir haben uns trotzdem getroffen, um unsere Fans, die nicht von der Absage gehört haben, zu empfangen und uns bei ihnen mit einem Stück Kuchen zu bedanken ", sagt Jessyka Postolla.

Ihre Gastfreundschaft ist typisch für sie und für den gesamten Burger VC. Das spüren scheinbar auch die Anhänger des Vereins. Seit dem Aufstieg der ersten Männermannschaft in die Landesoberliga platzt die kleine Sporthalle Süd regelmäßig aus allen Nähten. " Als die Trommler beim ersten Heimspiel loslegten, haben wir alle Gänsehaut bekommen ", sagt die sympathische Frau. Überhaupt ist für sie und ihre Spieler seit dieser Saison alles anders. Nach drei Jahren in der Landesliga bläst dem BVC nun im Volleyball-Oberhaus ein anderer Wind entgegen. " Das fängt schon mit so Kleinigkeiten wie dem Spielberichtsbogen oder den Schiedsrichtern an. Alles ist jetzt etwas professioneller ", sagt die Trainerin. Und auch das spielerische Niveau hat sich deutlich erhöht. Dies bekam ihr Team, das zu Saisonbeginn unerwartet personelle Abgänge verkraften musste, in den ersten Partien zu spüren. " Da waren wir noch zu ängstlich und haben in den entscheidenden Spielsituationen nicht konsequent nachgesetzt ", hat Jessyka Postolla beobachtet.

Die 25-Jährige ist mittlerweile in der Lage, ein Spiel zu lesen und entsprechend zu reagieren, wenn nötig, auch mal ihre Männer wachzurütteln. " Ich kann schon laut werden ", sagt sie, um dann gleich zu relativieren : " Die Jungs sind intelligent und erwachsen genug, um ihre Fehler selbst zu erkennen. "

Dass sie als Trainerin einer Herrenmannschaft hohe Anerkennung genießt, liegt nicht nur an ihrer umgänglichen und offenen Art. Vielmehr kennt sie vieler ihrer Spieler seit der Jugendzeit. Als sie 1998 erstmals in der Sporthalle Burg-Süd auftauchte, waren ihre Schulkameraden bereits beim Burger VC aktiv. Jessyka Postolla spielte allerdings zunächst bei der ASG Burg unter Trainer Rolf Gädke. Sie sammelte erste Erfahrungen in der Kreisliga und wechselte 2002 in die Damenmannschaft des BVC. " Die hat zu dem Zeitpunkt eine Zuspielerin gesucht. Da hatte ich meine perfekte Position gefunden ", erinnert sich Postolla, die fortan in der Landesliga ans hohe Netz trat. Mit Beginn ihres Lehramtsstudiums in Magdeburg ( Wirtschaft und Sport ) übernahm sie im Verein zunehmend Verantwortung. Sie fungierte als Jugendtrainerin und stand schließlich auch beim Frauenteam am sportlichen Ruder.

Da aber ein Spielertrainer von außen wenig bewegen kann, fasste der Burger VC 2004 einen kühnen Entschluss. Postolla und der Spielertrainer der ersten Herrenmannschaft, Marco Hagemeier, tauschten ihre Ämter. Der Wechsel ging problemlos vonstatten. Mehr noch, nach Jahren in den Niederungen der Landesklasse, stieg der Burger VC in die Landesliga auf und belegte dort auf Anhieb Platz zwei. Ein Erfolg auch für Jessyka Postolla, die bei den Herren keine Anpassungsschwierigkeiten verspürte. " Sicher, das Spiel ist schneller und die Männer legen mehr Wert auf Kraft und Ausdauer als die Frauen. Auch beim Wettkampf herrscht ein rauerer Ton. Aber daran gewöhnt man sich ", sagt die Trainerin, die seit 2001 mit Spieler Sebastian Behr liiert ist.

Eine Partnerschaft, die sich offenbar auch sportlich positiv auswirkte. In seiner dritten Landesliga-Saison belegte der BVC den ersten Platz und nahm das Aufstiegsrecht in die Oberliga wahr. Das Erfolgsgeheimnis : " Die Mannschaft passt nicht nur spielerisch, sondern auch charakterlich gut zusammen ", sagt Jessyka Postolla.

Dass die angehende Berufsschul-Lehrerin zu Saisonbeginn ihr Referendariat nicht in Sachsen-Anhalt, sondern im zweieinhalb Stunden entfernten Duderstadt aufnehmen musste, ärgert sie. Dennoch nimmt sie den Stress für den Sport gerne in Kauf, pendelt jeden Freitag nach Burg. " Der erste Anlaufpunkt ist immer die Sporthalle. Hier trainiere ich nicht nur die Mannschaft, hier sind auch meine Freunde ", sagt sie und lacht.

Zeit zum Abschalten gönnt sich die ehrgeizige Burgerin kaum, bereits am 4. Januar bittet Postolla, die nebenbei auch noch im Frauenteam des VC Egeln aktiv ist, ihre Spieler zum Trainingsauftakt. Seit dem Auswärtserfolg in Zeitz scheint der Aufsteiger in der Liga angekommen zu sein, hat bislang sechs Zähler gesammelt und sich " nie vorführen lassen ". In den letzten sieben Punktspielen will sich der BVC vom derzeit achten Platz noch verbessern. " Wir wollten diese Erfahrung machen. Jetzt müssen wir uns durchboxen. Wir würden gerne drin bleiben ", hofft Jessyka Postolla.