Das Jahr zwei nach dem Oberliga-Aufstieg gestaltet sich für den Güsener HC wie erwartet schwierig. Ähnlich wie in der Vorsaison müssen die Handballer gegen den Abstieg ankämpfen. Nach sage und schreibe zwölf Niederlagen in Folge kam das Team am 13. Spieltag zu seinem ersten Sieg und leitete damit eine Wende ein. Mit aktuell sechs Punkten hat der GHC zum Start der Rückrunde Tuchfühlung zu den Nichtabstiegsrängen aufgenommen – und will mit diesem Schwung das Ziel Klassenerhalt noch erreichen.

Güsen. Niemand in Güsen hätte vor Saisonbeginn behauptet, dass der Mannschaft ein leichtes Jahr bevorstehen würde. Im Gegenteil : Nach dem mühsam erkämpften elften Platz in der Vorsaison und dem überraschenden Rücktritt von Trainer Eric Steinbrecher stand der Verein vor dem Neuanfang. Abteilungsleiter Michael Hoffmann musste schnell einen Nachfolger präsentieren und war froh, mit Peter Arndt einen sachkundigen Handballtrainer gefunden zu haben.

Der Neue hatte viel Arbeit vor sich, um die Mannschaft auf die bevorstehende Oberligasaison einzustellen. " Ich wusste, dass es schwer wird. Leider konnten wir erst spät mit der Vorbereitung beginnen ", sagte Arndt, dem zum Training meist nur zwei bis acht Spieler zur Verfügung standen. Die anderen mussten oftmals aus studien- oder arbeitsbedingten Gründen passen. Entsprechend fiel es dem 45-Jährigen schwer, in so kurzer Zeit seine Philosophie von Handball zu vermitteln. Ein Problem, das weit bis in die erste Halbserie hinein Bestand hatte. Und als sich auch noch unerwartet zwei Stammkräfte verabschiedeten – Eric Steinbrecher wechselte aus familiären Gründen in die dritte Mannschaft – war der Saisonfehlstart eigentlich vorprogrammiert.

Vor allem die 43 : 36-Auftaktniederlage gegen den späteren Konkurrenten um den Abstieg, Friesen Frankleben, schmerzte, und sollte kein gutes Omen für die folgenden Partien sein. Sowohl gegen die TSG Calbe ( 29 : 39 ) als auch beim SV Langenweddingen ( 27 : 40 ) musste der GHC viel Lehrgeld bezahlen. Die hohe Anzahl an Gegentreffern zeigt, wo die Probleme im Güsener Spiel lagen – in der Abwehr. " Hier waren die individuellen Schwächen unverkennbar, haben wir viel zu viele einfache Treffer kassiert. " Aber auch im Angriff zog sich " das Verschludern von Chancen wie ein Roter Faden durch die Saison ", sagte Arndt. Vor allem die Außenspieler versäumten es, ihr wahres Leistungspotenzial abzurufen.

Dass der GHC durchaus in der Oberliga mithalten kann, bewies die Mannschaft in zahlreichen Begegnungen – ohne zählbaren Erfolg. Gegen die SG Spergau ( 27 : 28 ), den BSV 93 Magdeburg ( 31 : 33 ) und auch gegen Wittenberg-Piesteritz ( 31 : 32 ) gab Güsen einen möglichen Punktgewinn in den Schlussminuten aus der Hand. Alles knappe Ergebnisse, die mit der Zeit für Frust bei Spielern und Fans sorgten und auch Trainer Arndt in die Kritik brachten.

Vor allem seine häufigen taktischen Umstellungen und personellen Wechsel stießen nicht bei allen auf Beifall. " Ich habe meine Philosophie von Handball und die ziehe ich durch ", sagte Arndt. Er entsagte ganz bewusst dem " alten " System und vermittelte seinen Spielern fünf, sechs neue Deckungsund Angriffsvarianten. " Die anderen Mannschaften entwickeln sich auch weiter. Wir müssen lernen, uns auf jeden Gegner neu einzustellen. Sonst sind wir chancenlos ", sagte der Trainer. Dadurch kommen dann eben Spiele zustande wie gegen Lok Schönebeck, als der GHC in der 50. Minute auf den Ausgleich drängte und durch seine offensive Spielweise in der Schlussphase förmlich überrannt wurde ( 30 : 38 ).

Dass sich aber jede Lernphase irgendwann auszahlt, war beim ersten Saisonsieg, dem 32 : 31 bei der SG Seehausen, ersichtlich. Güsen entschied die Partie frühzeitig für sich. Und auch das 35 : 31 in Jessen und der 35 : 30-Heimerfolg zum Rückrundenauftakt gegen Frankleben bewiesen, dass der GHC längst kein Abstiegskandidat ist. " Wir haben unseren Rhythmus gefunden, das Selbstvertrauen ist jetzt da. Die Trefferquote hat sich verbessert. Auch läuft es spielerisch nun viel besser ", fand Peter Arndt lobende Worte für sein Team. Hinzu kommt, dass sich die Last der Verantwortung mittlerweile nicht nur auf Christian und Kevin Haßbargen oder Robert Klewe verteilt, sondern auch junge Spieler wie Carsten Beyer, Martin Müller und Tobias Beyer immer besser Fuß fassen.

Dennoch, und das weiß auch der Trainer, ist es noch ein " harter Weg " bis zum Klassenerhalt. " Wir müssen primär unsere Heimspiele gewinnen ", fordert der GHC-Coach, der bis Saisonende noch die 20-Punkte-Marke knacken will. Falls nicht, soll in jedem Fall ein " Endspiel " um den Abstieg am letzten Spieltag gegen Jessen verhindert werden.