Der TSV Einheit Burg trägt mit seinen Sportangeboten seit Jahren in der Region zur Integration von Menschen mit Behinderung bei. Neben einer Fußballgruppe für mental Behinderte leistet vor allem die Abteilung Bosseln des Vereins unschätzbare Arbeit, die den Mitgliedern ein Stück mehr Lebensqualität gibt. " Sie ist unser Aushängeschild ", sagt die Sportmanagerin des TSV, Sonja Kaffka.

Burg. Mit stoischer Gelassenheit greift Hermann Taubmann zu einer handlichen Ergebnistafel und notiert mit Kreide den Zwischenstand. " 3 : 1 für Grün ", ruft der Übungsleiter den sechs Spielern entgegen. Dann platziert der Senior, der als gute Seele der Abteilung gilt, im Zielfeld einen roten Würfel, die so genannte Daube – eine neue Runde kann beginnen.

" Bosseln ist ein reiner Rehaund Behindertensport. Er wird als solcher in Deutschland wettkampfmäßig ausschließlich von Behinderten betrieben ", sagt Frank Firantschuck. Der Trainer leitet seit mehr als sieben Jahren die Abteilung Bosseln des TSV Einheit Burg, die einst von Peter Konkolewski ins Leben gerufen wurde, und trägt die Verantwortung für neun Männer und Frauen. Sie haben unterschiedliche geistige und körperliche Behinderungen. " Darauf müssen wir uns einstellen ", sagt der Übungsleiter. Angefangen bei der individuellen Erwärmung über die Einzelbetreuung beim Bossel-Training bis hin zu den aufwendigen Fahrten zu Wettkämpfen, den Betreuern wird viel Geduld und Einfühlungsvermögen abverlangt.

Thomas Riesling steht als letzter Spieler seiner dreiköpfigen Mannschaft an der Abwurflinie. In der Hand hält er die Bossel, einen fünf Kilogramm schweren Schiebestock aus Hartholz. Er holt aus und lässt das Spielgerät auf Bürsten sanft über die 16 Meter lange Bahn gleiten. Nur Millimeter vor der Daube kommt die Bossel zum Stehen – und Riesling freut sich über zwei Punkte.

" Der Sport verlangt den Athleten viel Kraft, Konzentration und Ausdauer ab ", sagt Firantschuck. Bei einem Wettkampf, der über mehr als sechs Runden geht, " kommen schon mal bis zu 40 Würfe pro Spieler zusammen ". Insofern kann man beim Bosseln " von einem Leistungssport sprechen ", sagt der Trainer. Erst recht, wenn man sich das Programm seiner Schützlinge ansieht. Neben dem wöchentlichen Training absolvierten die Bossler 2009 sechs Wettkämpfe. Bei Landesmeisterschaften und Pokalturnieren in Köthen, Zeitz und Sangerhausen errangen sie zahlreiche Titel und vordere Platzierungen.

Nachdem die Trainingsrunde der Bossler beendet ist, halten sie für den Fotografen noch einmal stolz ihre errungenen Pokale in den Händen. Wenn sie lächeln, weiß auch Frank Firantschuck, dass " sie dolle dankbar sind und sich riesig freuen, bei uns zu sein. " Gerade für die, die täglich in der Behindertenwerkstatt der Lebenshilfe stünden, sei die regelmäßige Bewegung wichtig. Mehr noch, der Zusammenhalt, die gemeinsamen Fahrten zu Wettkämpfen, die jährlichen Städteausflüge und Weihnachtsfeiern des Vereins tragen dazu bei, dass den behinderten Sportlern mehr Lebensqualität geschenkt wird.

Dennoch, und das weiß auch Frank Firantschuck, ist seine Sportgruppe über die Jahre nicht jünger geworden. " Sie sind jetzt zwischen 40 und 50 Jahre alt. Langsam müssen wir uns über Nachwuchs Gedanken machen ", sagt der Trainer. Insofern kam der Neubau der Sporthalle am Medigreif Kreiskrankenhaus Burg zur rechten Zeit. Die Bossler werden also im Januar ihren kleinen Sportraum in der Kesselstraße verlassen und in der barrierefreien Zweifeldhalle trainieren. Gleich nebenan steht die " Lindenschule " für Geistigbehinderte. " Eine riesen Chance für uns, die Schüler bei uns zu integrieren ", sagt Firantschuck, der sogar das Bosseln im Sportunterricht vermitteln will. Dann wird auch " Urgestein " Hermann Taubmann als Punktrichter wieder dabei sein.