Burg. Solche Siege geben auch immer ein bisschen Anlass, den verlorenen Punkten nachzutrauern. Wenngleich sich die SG Fortschritt Burg nun nicht auf die Fahnen geschrieben hat, in die Verbandsliga aufsteigen zu wollen, liefert das Tabellenbild ja ganz andere Chancen. Wäre nun also diese Niederlage gegen die SG Neuferchau / Kunrau nicht gewesen, wäre es nur ein Punkt bis zum Tabellenführer Weferlingen. Burgs Trainer Udo Strohbach stellt sich indes ganz andere Fragen, zum Beispiel jene nach der Qualität der Mannschaft. " Ich bin mir nicht sicher, ob sie für die Verbandsliga reicht ", sagte er ein wenig nachdenklich am Samstagabend, wenige Minuten nach einem äußerst klaren Sieg. In der 1. Handball-Nordliga hat sich Fortschritt in heimischer Halle am Stadion mit einem 35 : 21 ( 17 : 10 ) -Erfolg über den BSV Magdeburg III in die Weihnachtspause verabschiedet. Jörg Wichmann und Matthias Lange waren mit jeweils acht Treffern die besten Werfer.

Ja, das durfte man Matthias Lange schon öfter mal erklärt haben, dass er der Unaufhaltsame in dem Team ist. Der Gegner kann ihn doppeln oder er kann es auch lassen : Selbst in der ärgsten Bedrängnis behält der immer anspielbare Kreisläufer die Übersicht. Der 28-Jährige ist also ein Garant für die Erfolge der Burger, die sie eben über den Kreis und über Konter und vor allem über Tempo erzielen müssen. Denn Fortschritt hat nicht diese Shooter, die man sich zuweilen wünscht, aus dem Rückraum, nicht den Akteur also, der aus zwölf Metern den Ball ins Gehäuse semmelt. Was also bleibt vor allem im Fall Burg ? Der Sieg muss sich in der Abwehr erarbeitet werden. Und die Abwehr arbeitet gut.

Udo Strohbach hat sich da einiges einfallen lassen, flüssig sind die Übergänge von System zu System. Mit einer 6-0 ließ er beginnen, mit einer 5-1 und mit Christian Schulz auf Spitze endete die ersten Halbzeit, die zweite startete wieder in der 6-0, wobei die Halben zum Rückraum heraustraten. Und mit einer 3-2-1 klang die Partie aus. In jedem Fall : Die Defensive baut so viel Druck auf, provoziert Fehler, erkämpft Bälle, leitet Konter ein. Strohbach hat das am Sonnabend gefallen. " Bis auf die Chancenverwertung bin ich mit der Leistung zufrieden ", resümierte der Coach. Auch mit der Leistung Einzelner wie Nicky Titsch, der Regisseur, wie Lange oder wie Norman Brückner.

In diesem Abwehrverbund wächst dann auch Keeper Christian Bünger. Mit starken Paraden sorgte er in der ersten Halbzeit für den Ausgleich zum Mangel an einer positiven Wurfquote. 7 : 4 hieß es nach 15 Minuten, nur 7 : 4, da hatte Burg bereits Konter und Siebenmeter vergeben. Der BSV kam ob des Drucks in der Folge auch selten zu Wurfgelegenheiten, nicht aus dem Rückraum, nicht von einer anderen Position. Technische Fehler sorgten für Ballverluste. Die Unbeholfenheit in der Abwehr gegen das Tempo und gegen Lange zeigte sich auch in der roten Karte, die Stefan Knorrn bereits nach 23 : 28 Minuten ( dritte Zeitstrafe ) sah. Burg zog ungefährdet auch in der zweiten Halbzeit zum Sieg, wenngleich nach dem 20 : 10 ( 32. ) zunächst nur eine Flaute übers Parkett wehen sollte ( 21 : 14 / 40. ), die Strohbach dann mit einer Auszeit stoppte. Den 30. Treffer markierte Lange ( 30 : 18 / 49. ). Die Partie war da schon längst entschieden. Und mit dem Sieg hat Fortschritt den Anschluss an die Spitze gehalten. " Nach den Abgängen im Sommer wollten wir eigentlich zusehen, dass wir einen guten Mittelfeldplatz halten ", berichtete Strohbach. Vielleicht wartet nun doch eine andere Aufgabe.

Fortschritt Burg : C. Bünger – Ebert ( 1 ), Teßmann ( 4 ), Titsch ( 6 ), Wagner, Wöhe ( 2 ), N. Brückner ( 5 / 1 ), Wichmann ( 8 / 4 ), Lange ( 8 ), Weigel ( 1 ), Schulz

BSV III : Thielke ( Wesemann – Bulgrin ( 4 ), Knorrn ( 2 ), Römbach ( 2 ), Strebe ( 7 / 1 ), Tiedge, Görs ( 3 ), Back ( 1 ), Stief, Kämpfer ( 1 )

Siebenmeter : Burg 6 / 5 – BSV 4 / 1 ; Zeitstrafen : Burg : 7 – BSV 6 ; Rot : Julian Wagner ( 54 : 44 )/ Burg ), Stefan Knorrn ( 23 : 28 / BSV / beide 3 x 2 )