Talent ist nicht alles und der Weg nach Magdeburg weit : Für die Nachwuchsfußballer des Jerichower Landes, die eine höhere Fußballlaufbahn anstreben, stellt der DFBStützpunkt Burg seit Jahren eine wichtige Zwischenstation dar. Ähnlich wie zu DDRZeiten, als die Talente des Kreises zum 1. FC Magdeburg " delegiert " wurden, werden auch heute noch im Flickschupark die besten Kicker gesichtet und dem Club empfohlen. Wie damals gilt das Leistungsprinzip, wobei sich die Anforderungen an die Kinder verändert haben.

Burg. " Das ist zu wenig ", ruft Holger Mittelstädt quer über den Platz. Seine Mannschaft liegt gegen den DFBStützpunkt Klötze klar in Rückstand. Das Tempo ist hoch ; abspielen, freilaufen und möglichst schnell den Abschluss suchen. Während die Spieler über den Kunstrasen hetzen, wird jedem klar : Hier herrscht ein anderes Niveau als im Verein, als in der Kreisliga. " Wir testen unter Wettkampfcharakter ", sagt Mittelstädt, der seit 2002 gemeinsam mit Lutz Holke den DFB-Stützpunkt in Burg koordiniert. Mehrmals im Jahr veranstalten er und seine Kollegen in Stendal, Klötze und Haldensleben kleine Stützpunktturniere, " wobei die Spielergebnisse für uns zweitrangig sind ", sagt der Trainer. Vielmehr gehe es darum, Talente zu sichten, den Blick für jene junge Fußballer zu haben, die es einmal zur Sportschule nach Magdeburg und in die Nachwuchsmannschaften des 1. FCM schaffen könnten. " Eigentlich ist die wichtigste Phase im Alter von zehn, elf Jahren. Wer bis dahin nicht die Grundlagen erhält, wird in der Regel auch kein ausgezeichneter Fußballer ", sagt Lutz Holke.

Das Prozedere am DFBStützpunkt ist in jedem Jahr gleich. Aus den E-Jugendmannschaften der Vereine des Kreises werden die besten Spieler eingeladen. Trainiert wird über das Jahr hinweg zweimal in der Woche, hinzu kommen Leistungstests und Turniere im Herbst und Frühjahr. " Im Mai wird dann die Auswahl des jeweiligen Jahrgangs gebildet, im Juni finden die Verbandsjugendspiele statt ", sagt Mittelstädt. Bis dahin ist entschieden, wer dem 1. FC Magdeburg empfohlen wird. Dabei wird deutlich : Die Anforderungen an die Kinder sind höher denn je, nicht nur im sportlichen Bereich. " Wenn ich höre, was manche Kinder in der Schule und privat für ein Pensum haben. Das ist mit früher nicht vergleichbar ", sagt Mittelstädt.

Einer, der den Anforderungen gerecht geworden ist, heißt Enes Bytygi. Der Burger mit albanischen Wurzeln ist mit Beginn des Schuljahres an das Sportgymnasium nach Magdeburg gewechselt und geht als Zwölfjähriger bereits für die U 13 II des Clubs auf Torejagd. " Er ist seinen gleichaltrigen Mitspielern athletisch und technisch überlegen. Es ist eine große Chance für den Jungen ", sagte Mittelstädt über seinen ehemaligen Schützling.

Im Jerichower Land leistet derzeit der SV Theeßen besonders gute Nachwuchsarbeit. " Der Trainer holt sich die Spieler aus den umliegenden Gemeinden zusammen. Nicht umsonst spielt die D-Jugend des Vereins in der Landesliga ", sagt Mittelstädt, der in den aktuellen 97 er / 98 er-Jahrgängen vier Spieler aus Theeßen dabei hat. Hinzu kommen Talente aus Burg, Parey und Genthin sowie von Eintracht Gommern. " Wir wollen mehr Klasse statt Masse ", sagt Mittelstädt, der derzeit mit Lutz Holke 20 Spieler betreut. Zwar sei das Reservoir an Nachwuchskickern im Kreis wieder etwas größer geworden, dennoch sieht er vor allem bei der Ausbildung von Übungsleitern noch Reserven : " Das ist das A und O und daran wird gearbeitet. "

Sein Konzept geht jedenfalls auf : Seit 2002 hat der DFBStützpunkt Burg sieben Jungen und drei Mädchen nach Magdeburg vermittelt. " Vor allem auf die Entwicklung von Jofie Stübing sind wir stolz. Sie spielt beim MFFC in der 2. Bundesliga und steht im erweiterten Kader der U 17 Nationalmannschaft ", sagt Holke. Vielleicht ist der Weg nach Magdeburg doch nicht so weit ...