Peter Arndt ist bekannt dafür, nach einem Spiel nicht sofort ansprechbar zu sein. Da sprechen in ihm viel zu sehr die Emotionen, weshalb eine nüchterne Analyse einstweilen auf sich warten lassen muss. Aber das Spiel gegen den Tabellenführer der Handball-Oberliga, den HV Rot-Weiss Staßfurt, hatte grundsätzlich andere Voraussetzungen geliefert. Gegen Staßfurt musste der Güsener HC nicht gewinnen, gegen Staßfurt " haben wir uns gut verkauft ", sagt Arndt. " Aber die Punkte müssen wir woanders holen. " So geht das Warten auf den ersten Sieg dieser Saison in Güsen weiter. In heimischer Halle verlor das Team am Sonnabend gegen den Spitzenreiter mit 26 : 32 ( 14 : 18 ).

Güsen. Die liebe Chancenverwertung stößt den Güsenern allsonnabendlich den Dolch in die Brust. Gegen Staßfurt hat das Team zum Beispiel vier seiner acht Siebenmeter nicht nutzen können, das schmerzt schon. Aber dass dann noch die freiesten Bälle ihren Weg nicht ins Ziel finden, kann als Zeichen der Platzierung gedeutet werden – Tabellenletzter. Wahrscheinlich muss man sich in Güsen tatsächlich keiner Illusion hingeben, sondern einfach nur Handball spielen. Die Unterstützung der Pauke schlagenden Fans ist dabei gewiss. Und mit ihnen ist es ganz sicher auch möglich, noch mehr vom Potenzial abrufen zu können. Davon ist durchaus einiges vorhanden. Das stärkste Element am Sonnabend waren zum Beispiel die Anspiele an den Kreis, auch wenn zum Beispiel Robert Klewe, neben Kevin Haßbargen ganz sicher einer der stärksten beim HC, am Ende nur auf zwei Treffer gekommen ist. Aber Klewe stellte eine gute Sperre, Klewe positionierte sich in den freien Raum. Dass dann die Akteure aus dem Rückraum ihre Chance, aus zehn Metern den Abschluss zu suchen, nicht immer nutzten, mag auch dem Alter geschuldet sein. Vom 19-jährigen Carsten Beyer zum Beispiel würde sich Arndt mehr wünschen, als die beiden Versuche in den letzten neun Minuten. Mehr Mut wünschen würde sich der Trainer auch im Konterspiel, obwohl sich " das schon verbessert hat ". Aber aus der Abwehr heraus agiere das Team noch zu träge. Wenn man allerdings nur freitags, und auf diesen Tag konzentriert sich inzwischen das Training, alle Akteure zur Verfügung hat, kann an der Spritzigkeit kaum gearbeitet werden.

Umso interessanter ist es, dass der Coach dann in Überzahl eine komplette Manndeckung oder eine 3-3 in der Abwehr arbeiten ließ, " um den Spielaufbau des Gegners zu stören ". Aber dazu bedarf es auch einer gleichwertigen Beweglichkeit und Schnelligkeit, die Güsen noch vermissen lässt. Die taktisch beste Variante lieferte der Gastgeber in der Offensive zum Ende des Spiels, als mit zwei Kreisspielern die Staßfurter Deckung am Kreis gehalten und dem Rückraum alle Räume ermöglicht wurden. All das konnte nicht verhindern, dass Staßfurt bis zum Ende die Souveränität behielt.

Aber Staßfurt tat sich schwer gegen aggressive Güsener, die in der 6-0-Abwehr Druck erzeugten. 20 Minuten lang marschierten beide Teams auf Augenhöhe, ehe Marco Richter den ersten Konter der Gäste zum 8 : 11 abschloss ( 20. ). In den ersten zehn Minuten nach der Pause ( 14 : 18 ) wurde die Partie entschieden. Staßfurt zog auf sieben Tore davon ( 17 : 24 ), " aber danach haben wir es verpasst, den Sack zuzubinden ", erklärte HV-Trainer Jürgen Wartmann. Und Güsen verpasste es, dies konsequent zu nutzen. Zudem hatte sich der Gast besser auf die Schlagwürfe von Christian Haßbargen eingestellt. Die Abwehr griff besser zu. Staßfurt ließ erst in den letzten neun Minuten und nach dem 21 : 30 die Zügel schleifen, markierte nur noch zwei Treffer, Güsen kam in dieser Schlussphase auf fünf Tore, weil sich manche Würfe zu früh genommen wurden, weil sich im Tempospiel die leichten Fehler einschlichen, weil Stefan Wiederhold gegen Jörg Salomon oder gegen die Kevin und Christian Haßbargen oder gegen Martin Müller glänzte. Güsen fehlen solche zehn Minuten in einem Spiel, wenn jeder Ball sitzt.

Aber nicht nur Arndt wird wissen : " Es kommen die Wochen der Wahrheit. " Vielleicht auch die Wochen solcher Phasen mit mehr Mut aus dem Rückraum.

Güsener HC : C. Bretschneider / T. Beyer – K. Haßbargen ( 12 / 1 ), Schwab ( 1 ), S. Bretschneider, C. Beyer ( 1 ), C. Haßbargen ( 5 / 2 ), Müller ( 4 / 1 ), R. Klewe ( 2 ), Salomon ( 1 ), Buchheister, E. Klewe, Hoffmann

RW Staßfurt : Schliwa / Wiederhold – Richter 6 ), Wartmann, Ortmann, Jö. Friedrich ( 3 ), Halfpap ( 7 ), Jacobi ( 4 ), Ernst ( 7 / 2 ), Rach ( 5 ), Schröder

Siebenmeter : Güsen 8 / 4 – Staßfurt 2 / 2, Zeitstrafen : Güsen 7 – Staßfurt 8 ; Rot : Christian Haßbargen ( Güsen / 53 : 08 ), Oliver Jacobi ( 52 : 39 / Staßfurt / beide 3 x 2 )