Burgs Oberbürgermeister Bernhard Sterz ( SPD ) wird am heutigen Mittwoch seine Ernennungsurkunde zum Staatssekretär im Justizministerium Sachsen-Anhalts erhalten. Er tritt die Nachfolge von Burkhard Lischka ( SPD ) an, der den Sprung in den Bundestag schaffte. Nach elf Jahren an der Spitze der Kreisstadt folgt Sterz damit dem Ruf der Landesregierung. An seinem letzten Amtstag sprachen die Volksstimme-Redakteure Mario Kraus und Gabi Müller mit ihm.

Volksstimme : Herr Sterz, elf Jahre waren Sie Oberbürgermeister. War jetzt einfach die Zeit für eine neue Tätigkeit reif ?

Bernhard Sterz : Zunächst erst einmal war es eine Zeit, die ich nicht missen möchte und auf die ich voller Dankbarkeit zurückblicke. In der Tat ist es so, dass ich bereit bin, eine neue Herausforderung anzunehmen. Die Kommunalpolitik ist ein guter Lehrmeister für jeden Politiker.

Volksstimme : Waren Sie es, der die Fühler Richtung Magdeburg ausgestreckt hat ?

Bernhard Sterz : Nein, überhaupt nicht. Zum Jahreswechsel hatte mich die Ministerin gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Amt eines Staatssekretärs zu übernehmen. Man bewirbt sich nicht darum. Daraufhin hatte ich gesagt, dass ich – wenn es letztlich bei meiner Person bleiben sollte – bereitstehe.

Volksstimme : Gehen Sie nicht ein Risiko ein ? Sie sind ab Mittwoch Staatssekretär mit Parteibuch, quasi politischer Beamter. Sollte es nach den Landtagswahlen im Jahr 2011 zu einem Regierungswechsel kommen, müssten auch Sie mit großer Wahrscheinlichkeit den Hut nehmen.

Bernhard Sterz : Da bin ich optimistisch, weil ich davon ausgehe, dass auch die SPD nach der Wahl mit die Regierung bilden wird. Im Übrigen war es auch ein Risiko, mich vor elf Jahren von meiner Beamtenstelle im Magdeburger Innenministerium für den Oberbürgermeister-Posten zu bewerben. Bis dato bin ich ja auch Wahlbeamter. Aber das habe ich damals wie heute gern auf mich genommen, weil ich von der Sache überzeugt bin.

Volksstimme : Hat der Schritt, jetzt etwas Neues zu beginnen, auch damit zu tun, weil die Gestaltungsmöglichkeiten angesichts geringerer Steuereinnahmen und klammer Kassen noch enger werden ?

Bernhard Sterz : Nein. Wir bewegen immerhin einen Haushalt von ungefähr 40 Millionen Euro, der gestaltet werden muss. Man kann auch mit insgesamt weniger Geld gestalten. Es kommt doch vielmehr darauf an, welche Schwerpunkte gesetzt werden. Und die setzt ja nicht der Oberbürgermeister oder künftige Bürgermeister allein, sondern mit dem Stadtrat. Insofern gibt es in jedem Fall Möglichkeiten, konkrete Projekte voranzubringen. Dass es dabei Phasen mit mehr bzw. weniger finanziellen Spielräumen gibt, wird immer so sein.

Volksstimme : Wenn Sie nun auf die Burger Zeit zurückblicken : Was bleibt Ihrer Meinung nach haften ?

Bernhard Sterz : Sehr viel. Ich bin stolz darauf, dass es mir in Zusammenarbeit mit den Stadträten und Mitarbeitern der Verwaltung gelungen ist, Pflöcke einzuschlagen. Ich nenne dabei zum Beispiel die Sanierung der Kitas und Schulen, die Stadtsanierung, die Entwicklung des Industrieund Gewerbeparkes, die Gründung des Heimatvereins sowie die Einweihung von Stadthalle und Bibliothek. Außerdem ist zu nennen, dass wir in der Stadtverwaltung einen sozialverträglichen Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen geschafft haben und seit Jahren auch unsere Auszubildenden übernehmen. Darüber hinaus sind wir bei der Einführung der Feuerwehrrente Vorreiter in Sachsen-Anhalt und Nummer drei in Deutschland. Und noch etwas Statistisches : Ich freue mich, dass es gelungen ist, die Schulden von 23, 6 Millionen Euro von 1998 auf jetzt 15, 7 Millionen zu senken.

Volksstimme : Und was haben Sie nicht geschafft ?

Bernhard Sterz : Mich ärgert schon sehr, dass es nicht gelungen ist, einen Investor für die ehemalige Clara-Schwab-Schule zu finden.

Volksstimme : Welche Ratschläge sollte der nächste Bürgermeister beachten ?

Bernhard Sterz : Jeder Amtsträger muss seine Erfahrungen selbst machen. Ich möchte trotzdem drei Schwerpunkte nennen : Die Altstadtsanierung fortsetzen, das Kulturleben unterstützen und den Bevölkerungsschwund mit den gegebenen Möglichkeiten in Grenzen halten, also Wohngrundstücke für Familien zur Verfügung stellen und bezahlbare Mietwohnungen anbieten. Auch die aktive Ansiedlung von neuen Betrieben im florierenden Industrie- und Gewerbepark muss zur Schaffung von Arbeitsplätzen fortgesetzt werden.

Volksstimme : Wird Ihnen im neuen Amt die konkrete Bürgernähe nicht fehlen ?

Bernhard Sterz : Es stimmt schon, in diesem Maße wie jetzt ist der Bürgerkontakt natürlich nicht vorhanden. Auch deshalb, weil der Staatssekretär mehr im Inneren des Ministeriums wirkt. Dennoch ist die Justiz ja für den Bürger zur Durchsetzung seiner Rechte da. Und so verstehe ich meine Tätigkeit auch. Außerdem werde ich schon noch mit Menschen zu tun haben. Die Behörde trägt immerhin für rund 5000 Beschäftigte Verantwortung.

Volksstimme : Werden Sie sich in den bevorstehenden Bürgermeisterwahlkampf in Burg einmischen ?

Bernhard Sterz : Natürlich nicht als Staatssekretär, sondern als SPD-Mitglied. Ich unterstütze den Niegripper Ortsbürgermeister Jörg Rehbaum. Er kennt durch seine Arbeit in der Magdeburger Stadtverwaltung das " Behördengeschäft " und auch durch seine Mandate in Stadtrat und Kreistag das " kommunalpolitische Geschäft " in Burg.