Wie Hausbesitzern und Landwirten treiben die extreme Nässe und der spürbar ansteigende Grundwasserspiegel auch den Abwasserentsorgern in der Region Burg-Genthin-Zerbst Sorgenfalten auf die Stirn. In den Klärwerken zwischen Zerbst und Genthin kommen erheblich mehr Kubikmeter Flüssigkeit an, als Abwasser in den angeschlossenen Haushalten und Firmen anfällt. Neben Niederschlägen und Wasser, das durch defekte Leitungen eindringt, macht den Entsorger zunehmend ein Problem zu schaffen : Hausbesitzer pumpen in ihrer Not in ihre Keller eingedrungenes Grundwasser auch in Abwasserkanäle.

Burg / Genthin / Möckern /

Gommern / Zerbst. " Kontrollen in den Schmutzwasseranlagen haben in extremen Fällen ergeben, dass klares Wasser in Richtung Kläranlage gefördert wird und als Schmutzwasser nicht mehr erkennbar war ", erklärte Wilfried Noack, Leiter Technik bei der Firma Heidewasser Magdeburg, gegenüber der Volksstimme. Die Firma ist Dienstleister für die kommunalen Abwasserentsorger Abwasser- und Wasserzweckverband Elbe-Fläming Zerbst, dem Abwasserzweckverband Möckern und dem Eigenbetrieb Abwasser und Wasser Gommern.

Doch was ist die Ursache ? " Sorge bereitet nunmehr, dass zunehmend auch in Kellerräumen eingedrungenes Grundwasser in erheblichen Mengen in den Schmutzwasserkanälen landet ", umschreibt Noack. Es sieht danach aus, dass etliche Hausbesitzer, die ihr Eigentum und auch Heizungsanlagen in Kellern vor eindringendem Grundwasser schützen wollen, deshalb das Wasser abpumpen und teils unbewusst, teils bewusst in die Abwasserkanalisation einleiten. Das verschärft die schon angespannte Lage.

" In den letzten Monaten haben wir einen Anstieg des den Kläranlagen zugeleiteten Schmutzwassers zu verzeichnen ", so Noack. Als Ursachen nennt er einerseits die enorm gestiegenen Regenmengen, insbesondere im November 2010, die anteilig immer über die Kanaldeckel in den Schmutzwasserkanal gelangen und andererseits Grundwasser, das über alte Kanäle, Schächte und Hausanschlüsse eindringt.

Aufgrund der überall steigenden Grundwasserstände zeichnet sich hier gegenwärtig eine negative Entwicklung ab, haben Heidewasser wie auch der Trink- und Abwasserverband ( TAV ) Genthin und der Wasserverband Burg festgestellt.

" Wir können das nicht im Einzelnen belegen ", räumt TAV-Geschäftsführer Bernd Kremkau ein. Aber die Konsequenz ist ihm klar : Auch anfallende Mehrkosten wegen größerer Entsorgungsmengen müssen vom Gebührenzahler getragen werden.

Heidewasser-Technik-Chef Noack warnt : " Die Abwasseranlagen sind für eine derartige Belastung nicht ausgelegt. Das führt dazu, dass die Pumpwerke einen wesentlich höheren Stromverbrauch haben und einem zusätzlichen Verschleiß unterliegen. " Heidewasser sieht bis zu 30 Prozent höheren Stromverbrauch. Diese Größenordnung bestätigt auch Kremkau.

Was bedeutet das ? Es gibt ein technisches und ein fi nanzielles Problem.

" Durch die Überlastung kann ein Rückstau im Kanal eintreten, der die Entsorgung der Grundstücke einschränken oder sogar zum Zurückdrücken des Wassers auf einzelne Grundstücke führen kann ", so Techniker Noack. " Ebenso führen diese Fremdwassermengen zur Überlastung der Kläranlagen, schlimmstenfalls zu Funktionsstörungen. "

Kommt zu stark verdünntes Abwasser ins Klärwerk, springt die dort angesetzte Biologie, die das Abwasser klären soll, nicht an oder bricht gar zusammen. Das heißt : Abwasser wird nicht geklärt.

" Neben erheblichen zusätzlichen Betriebskosten besteht auch die große Gefahr, dass Grenzwerte zur Einleitung des geklärten Schmutzwassers in den Vorfl uter überschritten werden und somit zusätzliche Sanktionen bei der Abwasserabgabe entstehen können ", warnt Noack.

Und nun die fi nanzielle Konsequenz : Höhere Stromkosten im Betrieb müssen ebenso als Teil der Abwasserentsorgung von den Kunden der Entsorgungsverbände getragen werden wie die deutlich größen Flüssigkeitsmengen.

Beispielhaft hat Dienstleister Heidewasser folgende Rechnung aufgemacht : Der Fremdwasseranteil an die Klärwerke eingeleiteten Gesamtmenge an Flüssigkeit ist von 2009 zu 2010 von 43 auf 57 Prozent angestiegen. Das ist eine Steigerung um gut ein Drittel.

Für den TAV kann Bernd Kremkau die Verhältnisse bestätigen. Der TAV hat Klärwerke in Parey und Tucheim sowie leitet große Mengen Abwasser in die privat betriebene Anlage der Firma Saria ein.

Nimmt man etwa das Klärwerk des privaten Betreibers SUT nahe Zerbst liegt die Steigerung sogar bei 39 Prozent. Im Jahr 2009 kamen hier 1, 56 Millionen Kubikmeter an, im vorigen Jahr waren es immerhin 2, 18 Millionen Kubikmeter.

Die Niederschlagsmengen seit November 2010, das Hochwasser und das damit weiter ansteigende Grundwasser lassen eine weitere Verschärfung erahnen. Dem wollen die Abwasserentsorger entgegenwirken. Die Kundschaft müsse für diese Situation sensibilisiert werden, so Kremkau. Gleichzeitig stellt es aus seiner Sicht ein Dilemma. Hauseigentümer können letztlich nicht warten, um ihr Eigentum zu schützen. Das Wasser aus den Kellern jedoch in den Abwasserkanal leiten, löst ein Problem auf Kosten eines dann neu entstehenden.

Letztlich sind davon " alle Gebührenzahler betroffen, da die kalkulierten Kosten überschritten werden ", betonte Wilfried Noack. " Dem möchten wir unbedingt entgegenwirken. " Er weist darauf hin, " dass die Einleitung von Grundwasser in den Schmutzwasserkanal generell nicht gestattet und von den Grundstückseigentümern zu unterlassen ist. In betroffenen Bereichen führen wir auch Kontrollen durch. "