Rüdiger Czarnetzki und Nicky Rogge haben ein neues Kapitel Radballgeschichte des traditionsreichen RC Lostau geschrieben. Zum ersten Mal nach der politischen Wende ist ein Team aus eigener Kraft in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Dazu waren am Sonnabend in der heimischen Halle der dritte Mann, viel Anspannung und ein echtes Finalspiel nötig, ehe nach dem dritten Akt ihres Saisonziels der Vorhang fiel.

Lostau. Nach dem ersten Turnier in der abgelaufenen Oberligaserie hatten sie bereits angefangen zu zählen. "Das war das erste von acht", blickten sie am 14. November nach dem Wettbewerb in der heimischen Halle auf den langen Weg zum Ziel voraus. "Dass es für uns dann so leicht werden würde, hätte auch niemand gedacht", erklärte Rogge zum weiteren Verlauf. Sie haben die Landesmeisterschaft gewonnen, sie haben den Landespokal gewonnen, am Sonnabend "haben wir das Triple geschafft", freuten sich Czarnetzki und Rogge. Lostau stellt in der kommenden Serie nicht zum ersten Mal eine Mannschaft im zweiten Oberhaus, zweimal war ein Duo über die Förderung des Bundes deutscher Radfahrer in der 2. Liga gestartet. Die besten drei Juniorenteams im nationalen Maßstab, die zur neuen Saison im Seniorenbereich aufgenommen wurden, durften sich in der Bundesliga mit den Erwachsenen messen. Czarnetzki tat dies vor sechs Jahren mit Andy Meier, zuletzt waren es Denny Schwiesau und Benjamin Biedermann, beide Gemeinschaften zahlten viel Lehrgeld und stiegen prompt wieder ab. Jetzt muss sich der Nachwuchs ebenfalls erst durch die Qualifikation mühen. Am Sonnabend taten es Manuel Lutz und Jakob Felix Paxian vom SC Oberesslingen, die ohne einen Punktgewinn letztlich die Heimreise nach Baden-Württemberg antraten.

Wie schon im Kampf um den Landespokal, als eine Woche zuvor das 16. Spiel gegen Sangerhausen nötig geworden war, um die Trophäe letztlich im Vier-Meter-Schießen zu gewinnen, ging es für Czarnetzki und Rogge in der Relegation nicht ohne Nervenkitzel. Nach einem 5:2 gegen Oberesslingen, einem 4:4 gegen den HRV Chemnitz und einem 5:3 gegen RCG Hahndorf hatten es die Lostauer gegen den RSV Waldrems in der Hand, schon in ihrem vorletzten Spiel des Turniers den Aufstieg zu besiegeln. Es mag genau diese Gewissheit gewesen sein, dass die Gastgeber wie blockiert über das Parkett fuhren, keinen Rhythmus fanden – trotz des Führungstreffers nach 14 Sekunden durch Czarnetzki. Vor allem in der zweiten Halbzeit nutzten sie ihre Großchancen nicht. "Damit hatten wir unseren ersten Matchball vergeben", wusste Rogge, "und die Anspannung wurde natürlich größer." Auch beim Publikum. Mit "Auf geht’s Lostau, auf geht’s" versuchte es, seine Schützlinge gegen Waldrems zur Wende zu animieren, aber das klang eher nach einer Bitte, Lostau unterlag letztlich mit 1:2. "Hier regiert der RCL" drei Partien später klang dagegen auch in der Lautstärke nach einer Hymne.

Die Konstellation für ein spannendes Finale war vor dem vorletzten Match jedenfalls geschaffen. Chemnitz und Lostau verbuchten bis dato sieben, Waldrems und die jungen und abgeklärten Radballer vom RCM Stein jeweils neun Punkte. Die ganze Erfahrung der Chemnitzer mit Lars Gröer, 35 Jahre, und Jens Wündisch, 39 Jahre, reichte letztlich nicht, um Waldrems zu bezwingen, 4:4 endete die Partie. Lostau musste aufgrund des schlechteren Torverhältnisses zum Abschluss dennoch gewinnen, um den Einzug in die 2. Liga zu schaffen. Und Lostau hatte einen Vorteil: Nach dem Ergebnis im vorletzten Spiel war Stein bereits durch.

Robert Mlady und Michael Birkner konnten aus ihrer urbayrischen Ruhe heraus, die zuvor so stark zelebrierten Tempoangriffe nicht mehr wiederholen. Lostau dagegen traf gut. Hatten Czarnetzki (drei Treffer) und Rogge (ein Tor) in diesem Turnier oft auch die Präzision gefehlt, setzten sie zum Abschluss den Ball viermal zielsicher in die Maschen (4:1) – und lagen sich am Ende in den Armen.

Mit der Schlusssirene fiel nicht nur die Anspannung, sondern die Anstrengungen aus acht Turnieren von ihnen ab. Dass der härteste Kampf nach der Vorrunde sie im letzten Wettbewerb erwarten würde, war klar: "Wir wussten, dass die Konkurrenz noch einen Zacken schärfer sein würde", erklärte Czarnetzki. "Da wird jeder Fehler bestraft", sagte Rogge. Ein auf dem ersten Blick so ungleiches Paar ist letztlich sogar als Sieger der Relegation hervorgegangen: Czarnetzki, der 25-Jährige, der die Ruhe auch in den Halbzeitpausen sucht, Rogge, der 31-Jährige, der dagegen immer in Bewegung bleiben muss. Nach den Glückwünschen vom Chef des Radsport-Landesverbandes, Günter Grau, sowie von Lostaus Bürgermeister Helmer Frommholz hatten beide Radballer nur noch ein gemeinsames Ziel: endlich feiern.

Ergebnisse: RC Lostau – RC Oberesslingen 5:2, RMC Stein – HRV Chemnitz 2:5, RSV Waldrems – RCG Hahndorf 2:1, RC Lostau – HRV Chemnitz 4:4, RSV Waldrems – RC Oberesslingen 4:1, RMC Stein – RCG Hahndorf 5:2, HRV Chemnitz – RC Oberesslingen 7:3, RC Lostau – RCG Hahndorf 5:3, RMC Stein – RSV Waldrems 7:2, HRV Chemnitz – RCG Hahndorf 3:4, RMC Stein – RC Oberesslingen 4:2, RC Lostau – RSV Waldrems 1:2, RCG Hahndorf – RC Oberesslingen 9:2, RSV Waldrems – HRV Chemnitz 4:4, RC Lostau – RMC Stein 4:1

Endstand: 1. RC Lostau 19:12 Tore/10 Punkte; 2. RMC Stein 19:15/9; 3. RSV Waldrems 14:14/10; 4. HRV Chemnitz 23:17/8; 5. RCG Hahndorf 19:17/6; 6. RC Oberesslingen 10:27/0

   

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