Dieser junge Mann hat Mut, aber auch genauso viel Charakter. Weil die etatmäßige Nummer eins des VfL Kalbe/Milde in der Fußball-Landesklasse I, Marko Dietzsch, mit Fieber das Bett hüten musste, erklärte sich der erst 19-jährige, nominelle Feldspieler René Schäfer bereit, am Sonnabend das VfL-Tor zu hüten und machte seine Sache mehr als ordentlich.

Kalbe/Milde l Seinen insgesamt fünften Saisonpunkt fuhr der VfL Kalbe/Milde am Sonnabend gegen den SSV 80 Gardelegen durch ein 3:3 ein. Einer der Garanten dafür war René Schäfer. Der 19-Jährige war mit der Vermutung zum Mannschaftstreff gekommen, auf dem Feld zu spielen. Doch damit lag er falsch. Denn VfL-Stammtorhüter Marko Dietzsch war erkrankt und konnte nicht mitwirken. Somit musste sich Kalbes Trainer Denis Mertens schnellstmöglich um einen Ersatz kümmern. Letztendlich fand er diesen in René Schäfer. Der machte gegen den Tabellenzweiten ein hervorragendes Spiel und vereitelte einige Großchancen des SSV. Klar: Der VfL hatte es auch Schäfer zu verdanken, dass am Ende nach 1:3-Rückstand noch ein 3:3 für das Tabellenschlusslicht heraussprang. "Er hat seinen Job gut gemacht. Er ist sehr ehrgeizig und ich würde ihm jederzeit wieder das Vertrauen geben, wenn bei uns auf dieser Position Notstand herrscht. René hat gesehen, dass er gebraucht wird", lobt Trainer Denis Mertens seinen Youngster.

Andreas Bühnemann schult Schäfer zum Angreifer um

Dabei hat - und das wissen viele Experten vermutlich nicht - der gebürtige Kalbenser René Schäfer eine Vergangenheit als Schlussmann. Als er mit fünf Jahren bei den F-Junioren des VfL seine Karriere startete, beorderte ihn Trainer Peter Gärtner direkt ins Tor. "Auf mich war eigentlich Verlass", erinnert sich der Mildestädter selbstbewusst zurück. Auf dieser Position spielte Schäfer bis hin zur C-Jugend, wo er sogar in der Kreis- und Landesauswahl aktiv war. In dieser Altersklasse entdeckte Coach Andreas Bühnemann bei der SG Arendsee/Brunau/Mechau/Sanne (ABMS) - dorthin war Schäfer gewechselt, weil es beim VfL keine C-Jugend gegeben hatte - im heute 19-Jährigen das Talent als Stürmer. "Ich war schon damals etwas kräftiger und sicherlich auch torgefährlich", kann sich René Schäfer vorstellen, weshalb ihn Bühnemann seinerzeit umfunktionierte.

Von da an ging Schäfer seinen Weg als Angreifer. Von der SG ABMS wechselte der Kalbenser in die B-Jugend des SSV 80 Gardelegen und nur eine Saison später wieder zurück zu den A-Junioren der SG ABMS. Als er dann für die Herren spielberechtigt war, führte Schäfers Weg zurück in seine Heimat Kalbe. "Der VfL bedeutet mir alles, ich gebe für diesen Verein alles", verrät der 19-Jährige. Mit seiner großen Liebe schaffte René Schäfer jüngst den Aufstieg in die Landesklasse. In der vergangenen Saison, die mit der Meisterschaft in der Kreisliga endete, musste Schäfer übrigens schon einmal das Tor der Mildestädter hüten. Am 12. Mai 2013 stand er gegen Mitaufsteiger Diesdorfer SV - die Partie in Diesdorf endete 1:1 - zwischen den Pfosten.

"Eigentlich war die Position als Torhüter für mich keine Option mehr, doch als ich am Sonnabend gefragt wurde, ob ich ins Tor gehe, habe ich mich bereit erklärt", verrät Schäfer. "Ich denke, ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass wir einen Punkt geholt haben. Da waren sicherlich ein, zwei gute Aktionen dabei", erinnert sich der 19-Jährige zurück. Allerdings steht der Mildestädter generell nicht gern im Rampenlicht. "Wir haben als Team funktioniert, das hat man gesehen", sagt der Youngster, der sich später vorstellen könnte, als Trainer zu arbeiten, ganz bescheiden.

Schäfer: "Wichtig ist, dass der Zusammenhalt bestehen bleibt"

In der ersten Herrenmannschaft des VfL fühlt sich René Schäfer pudelwohl. "Wir haben ein klasse Team mit Charakter. Ich möchte hier noch solange spielen, wie es geht", verrät Schäfer. "Ich sehe mich selbst nicht als überragenden Spieler, doch ich bin sehr ehrgeizig und betrachte mich zudem als mannschaftsdienlich", so der Kalbenser. An einen Abstieg denkt der 19-Jährige, auch wenn es für den VfL sehr schwer wird, zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. "Wichtig ist, dass der Zusammenhalt bestehen bleibt", weiß René Schäfer. Und sollte Marko Dietzsch irgendwann wieder mal nicht zur Verfügung stehen, hat der Westaltmärker keine Bedenken, wieder das Tor zu hüten. "Dann würde ich das wieder machen. Angst braucht man davor nicht zu haben", erklärt der Youngster. Und wer weiß: Vielleicht spielt René Schäfer im weiteren Saisonverlauf in der Landesklasse noch eine tragende Rolle bei seiner großen Liebe VfL Kalbe/Milde.