Eine Institution kehrt dem SV Eintracht Salzwedel den Rücken - zumindest als Trainer und Spieler. Dem Verein seines Herzens bleibt Christian Klinger allerdings auch über die Saison hinaus als Mitglied erhalten.

Salzwedel l Diese "reiflich überlegte" Entscheidung fiel Christian Klinger nicht leicht. Mit Unterbrechung spielt der 39-jährige Hansestädter schon seit 1981 für seinen Heimatverein - damals noch unter dem Namen Motor Salzwedel. Doch beruflich verschlägt es Klinger nach Hamburg. "Ich werde nur noch unregelmäßig nach Hause kommen und habe dem Verein mitgeteilt, dass ich nach dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehe", berichtet der Salzwedeler. Gemeldet ist Christian Klinger bereits jetzt für die Altherren des VSV Hedendorf-Neukloster, die in der Kreisliga Stade spielen. "Dort bin ich gut aufgenommen worden", verrät der Hansestädter. Als Trainer wird Klinger die Spielzeit mit den D-Junioren des SV Eintracht Salzwedel in der Landesliga zu Ende führen, auch sein Amt als Schiedsrichter muss der 39-Jährige nach der Serie abgeben.

Zusammen mit Marko Trostmann und Jürgen Brandt begonnen

In jungen Jahren (1981) startete Christian Klinger unter der Leitung von Trainer Axel Gruska seine Spielerkarriere bei den Kindern von Motor Salzwedel und kam dort zumeist als Angreifer zum Einsatz. Bereits zuvor hatte er oft auf den Hinterhöfen unter anderem mit Marko Trostmann und Jürgen Brandt gekickt, mit denen er sich zusammen im Verein anmeldete. Von 1999 bis 2005 suchte Klinger eine neue sportliche Herausforderung bei der SG Eintracht Mechau, wo seine Trainer Peter Wassersleben und Dieter Förster hießen. Von der Kreisliga schaffte Klinger mit der SG Eintracht den Sprung in die Landesliga. 2005 führte der Weg des ehrgeizigen Westaltmärkers aus Verbundenheit zurück zu seinem Heimatverein nach Salzwedel. Dort war er bis 2008 in der ersten Herrenmannschaft aktiv, wechselte dann in die Altherren-Vertretung und half ab und an auch noch in der zweiten Männermannschaft aus.

2007 begann unverhofft Christian Klingers Laufbahn als Trainer. Nico Schulz, Norman Weiß und eben Klinger wurden damals von Holger Neumann vom Förderverein gefragt, ob sie als Trainer der G-Junioren-Vertretung arbeiten würden. "Ich habe mich breitschlagen lassen und stand im Winter schon allein da", erinnert sich der 39-Jährige mit einem Schmunzeln zurück. Denn Schulz und Weiß waren parallel auch noch Spieler der ersten Herrenmannschaft und legten ihr Hauptaugenmerk darauf.

Möglichst als Dritter und Sieger im Pokal auf die Abschlussfahrt

Bis heute ist der Salzwedeler für die Truppe verantwortlich - mittlerweile ist sie in der D-Junioren-Landesliga angekommen. "Im Laufe der Jahre hat sich die Mannschaft gut entwickelt. Alles fing an mit Blümchenpflücken, nun sind die Jungs technisch und taktisch auf einem guten Niveau. Es macht Spaß, denn alle Spieler ziehen gut mit", lobt Klinger nicht nur seine Kicker, sondern auch deren Eltern und Großeltern. "Mit den Fahrten zu den Spielen war immer alles gut organisiert", verrät der 39-Jährige. Genau deshalb fällt es ihm auch sehr schwer, die Truppe, in der er mit Michael Schebesch einen guten und fachkundigen Assistenten zur Seite hat, zu verlassen. "Als ich den Jungs verraten habe, dass ich gehe, reagierten sie überrascht. Auch für mich war das eine doofe Situation", so Christian Klinger, der der Meinung ist: "Die Mannschaft braucht nun neues Blut." Allerdings hat Klinger noch eine Überraschung für seine Mannschaft auf Lager: Im Sommer soll es noch einmal eine große Abschlussfahrt geben. Vorher würde Klinger mit seinen Schützlingen gern den dritten Platz in der Landesliga und den Kreispokalsieg ergattern. Im F-Jugend-Bereich wurde die Truppe bereits Hallenkreismeister (2010) und im E-Junioren-Alter Kreispokalsieger (2012).

Mit Christian Klinger wird zudem auch ein Schiedsrichter die Westaltmark verlassen. Bereits 1989 erwarb der Salzwedeler auf Nachfrage von Klaus Hilgenfeld zusammen mit Marko Trostmann seinen Schiedsrichterschein. "Das hat mir von Beginn an Spaß gemacht, doch die aktive Karriere ging zunächst vor", verrät der 39-Jährige. Christian Klinger, der rund 20 Stunden pro Woche seinem Hobby nachgeht, hinterlässt beim SV Eintracht Salzwedel nach vielen erfolgreichen Jahren eine große Lücke, die es schnell zu füllen gilt.