Jona Wolter befindet sich auf den Spuren von Birgit Prinz oder Inka Grings. Zwar hat die elfjährige Diesdorferin noch einen weiten und sicherlich steinigen Weg ins Profigeschäft vor sich, doch den Sprung zu den D-Juniorinnen des VfL Wolfsburg hat das westaltmärkische Fußballtalent schon einmal geschafft.

Diesdorf l Rückblick: Die Frauen des VfL Wolfsburg feierten in der Saison 2012/2013 das Triple, bestehend aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Der Frauenfußball in der VW-Stadt hat sich also längst einen Namen gemacht. Den Traum, irgendwann in der Bundesliga zu spielen, verfolgt auch die Diesdorferin Jona Wolter. Der erste Schritt ist gemacht mit dem Wechsel von den E-Junioren des FC Jübar/Bornsen nach Wolfsburg, wodurch die Chancen für den Sprung in das Profigeschäft sicherlich ein ganzes Stück gestiegen sind.

In ihrer Altersklasse stand Jona als Mädchen lange allein da - zumindest auf dem Fußballplatz. 2008 startete die junge Westaltmärkerin ihre Laufbahn bei den G-Junioren des Diesdorfer SV, wo sie auf die Kommandos von Trainer Gerhard Badtke hörte. "Wenn sie gesehen hat, dass jemand Fußball spielt, wollte sie das auch", erinnert sich Mutter Jeanett Wolter zurück. "Man hat gemerkt, dass sie Spaß daran hatte", fügt sie hinzu. Nachdem zunächst oft auf dem eigenen Hof gekickt wurde, schnürte Jona Wolter auch bald im Verein die Schuhe. Gerhard Badtke und André Gromeier bildeten in Diesdorf eine G-Jugend, in der Jona zumeist in der Abwehr eine bedeutende Rolle spielte.

2013: Wechsel zum FC Jübar/Bornsen

2013 führte ihr Weg zum FC Jübar/Bornsen in die dortige E-Jugend. Dort hatte sie zuvor ein Probetraining absolviert und Gefallen gefunden. Mit der Hoffnung auf bessere Perspektive blieb die junge Diesdorferin beim FC, wo bereits Schulfreund Maris Gast aktiv war. Mit den Jübarer E-Junioren, trainiert von Marco Siebenmorgen, feierte Jona Wolter als Mittelfeldspielerin Erfolge fast am laufenden Band.

Im vergangenen Jahr zahlte sich auf eine eher kuriose Art und Weise aus, dass Jona vor wenigen Jahren Teil der Ferienfußballschule des VfL Wolfsburg in Salzwedel war. Per Newsletter erhielt ihre Familie im November 2013 die Nachricht, dass in Wolfsburg ein Sichtungstraining für Mädchen angeboten wird. Schnell meldete sich Jona an und empfahl sich im Januar dieses Jahres beim Training der D-Mädchen des VfL. Dabei wurde viel Wert auf Geschicklichkeit gelegt, zudem spielten die jungen Talente ein Turnier. Wenig später erhielt Familie Wolter aus Wolfsburg eine sehr positive E-Mail, in der Jona zu weiteren Trainingseinheiten eingeladen wurde. Man war dort von ihren Fähigkeiten überzeugt. "Sie hat sich natürlich riesig gefreut", verrät Mutter Jeanett.

Seit März ist Jona Wolter mittlerweile fester Bestandteil des in Wendschott stattfindenden Trainings der D-Mädchen des VfL, die auf Kreisebene gegen Jungen-Mannschaften spielen. Die komplett neu zusammengestellte Mannschaft, die von Anja Hoppe trainiert wird, muss sich natürlich erst finden. Das Training in der Woche, in dem die Arbeit mit dem Ball ganz oben auf der Tagesordnung steht, findet dienstags und donnerstags von 17.30 bis 19.30 Uhr statt. Nicht nur für Jona selbst, sondern auch für ihre Familie, die den Fahrdienst übernimmt, eine nervenaufreibende Angelegenheit. In Wolfsburg errechnet sich die junge und technisch starke Diesdorferin, die im Juni endgültig den Sprung in die Mannschaft schaffte, jedoch gute Chancen, ihrem Traum ein großes Stück näher zu kommen.

Einige Freundschaften sind bereits geschlossen

"Es macht mir sehr viel Spaß. Ich möchte so weit wie möglich kommen. Meine Mitspielerinnen sind alle sehr nett und lustig", beschreibt Jona, die schon die eine oder andere Freundschaft geschlossen hat. Sie würde auch beim VfL gern weiterhin im Mittelfeld spielen. "Meine Trainerin lobt mich oft. Das Training ist nicht unbedingt hart, aber wenn wir viel laufen, ist es schon anstrengend", so die Elfjährige, die eigentlich Fan von Borussia Dortmund ist. Jona wird übrigens mit einem Gastspielrecht für die D-Junioren des FC Jübar/Bornsen ausgestattet, wo sie bei Gelegenheit weiterhin spielen darf. Vorrang, das ist klar geregelt, hat allerdings der VfL Wolfsburg.

Ein Internat kommt für die Fünftklässlerin des Gymnasiums Beetzendorf, die ihre Hausaufgaben oft im Auto auf dem Weg zum Training erledigt, noch nicht in Frage. "Dafür ist sie einfach noch zu jung. Wir müssen jetzt erst einmal schauen, wie sie sich entwickelt. Ich wünsche mir, dass sie die Chance nutzt", erklärt Mutter Jeanett. Und wer weiß: Vielleicht steht Jona Wolter in zehn Jahren zusammen mit den deutschen Nationalspielerinnen Alexandra Popp und Nadine Keßler bei den Bundesliga-Frauen des VfL Wolfsburg auf dem Platz.