In der vergangenen Saison spielte Niclas Bartsch noch in der B-Jugend, mittlerweile bringt er es auf mehr als eine Hand voll Einsätze im Landesklasse-Herrenteam des SSV 80 Gardelegen. An eine Karriere als Torhüter war beim gerade einmal 17-Jährigen lange nicht zu denken.

Gardelegen/Letzlingen l Dass ein Fußballer vom FSV Heide Letzlingen zum Erzrivalen SSV 80 Gardelegen wechselt, kommt sicherlich eher selten vor. Doch Niclas Bartsch wagte diesen Schritt im D-Junioren-Bereich und hat ihn bis heute nicht bereut. Beim SSV schaffte der Schlussmann seinen Durchbruch und fühlt sich pudelwohl. Oft spielt der 17-jährige Youngster momentan am Wochenende sogar doppelt, hütet das Gehäuse der Verbandsliga-A-Junioren und der Landesklasse-Herren.

Großen Anteil an der Tatsache, dass sich Niclas Bartsch für das Spiel mit dem runden Leder entschied, hat sein älterer Bruder Fabian. Mit ihm kickte Bartsch früher oft im Garten und fand schnell Gefallen an dieser Sportart. Deshalb startete der Letzlinger auch früh seine Laufbahn, er schloss sich den F-Junioren des FSV Heide Letzlingen um Trainer Uwe Pape an. "Meine Eltern haben mich damals, genau wie mein Bruder, auch schon viel unterstützt", verrät der Westaltmärker. Zunächst wurde Bartsch allerdings als Mittelfeldspieler oder Stürmer eingesetzt. Erst als im Heide-Dorf zum ersten Mal ein echtes Torwartproblem bestand, wechselte der Youngster zwischen die Pfosten. "Mein Bruder war früher ebenfalls Torwart in Letzlingen und konnte mir einige Dinge beibringen. Echtes Torhütertraining hatte ich allerdings nicht", erklärt der heute 17-Jährige.

Für anderthalb Jahre in DFB-Stützpunktauswahl

Wirklich glücklich wurde Niclas Bartsch in seinem Heimatort nie, ihm fehlte ein wenig die Unterstützung von außen. Logische Konsequenz: Bartsch, der übrigens im Winterurlaub gern mit dem Snowboard unterwegs ist, suchte sich einen neuen Verein. Ausgerechnet Rivale SSV 80 Gardelegen sollte es sein. "Ich wollte gern höherklassig spielen, außerdem brauche ich nach Gardelegen auch nicht so weit zu fahren", erklärt der Westaltmärker, der demnächst sein Abitur ablegen wird. Strippenzieher beim Wechsel von Niclas Bartsch in die Rolandstadt waren damals Jens Bombach und Norbert Scheinert. Beim SSV zeigte die Leistungskurve des Youngsters schnell nach oben. Für anderthalb Jahre war er in der D-Jugend sogar in der DFB-Stützpunktauswahl in Klötze aktiv.

In Gardelegen begann Niclas Bartsch wieder als Feldspieler, war zumeist im Mittelfeld beheimatet. Allerdings nicht lange, denn bei einem Hallenturnier brach sich seinerzeit der SSV-Schlussmann das Handgelenk, so dass Bartsch wieder einmal als Schlussmann einspringen musste. "Ich habe gesagt, ich gehe freiwillig ins Tor", verrät der 17-Jährige, der sich zwischen den Pfosten wacker schlug und mit den Rolandstädtern im Nachwuchs viele tolle Erfolge errang. Bis hin zur B-Jugend pendelte Bartsch zwischen Feld und Tor. Egal auf welcher Position: Niclas Bartsch hing sich immer voll rein für den SSV.

Doppelbelastung macht dem Youngster wenig aus

Das tut er auch nach wie vor. Mittlerweile gehört der Letzlinger sogar dem Kader der ersten Gardelegener Männermannschaft, die in der Landesklasse auf Punktejagd geht, an. "Vor der Saison trat Trainer Norbert Scheinert an mich heran und fragte, ob ich bei den Herren spielen würde", verrät der 17-Jährige. Niclas Bartsch musste nicht lange überlegen, als Ersatzmann von Stammtorwart Rafael Gritzner hat er schon einige Landesklasse-Partien auf dem Buckel. Nebenbei ist Bartsch allerdings auch noch Schlussmann bei den A-Junioren, die in die Verbandsliga aufgestiegen sind. Beide Teams haben übrigens auch zusammen Training. Die Doppelbelastung steckt Niclas Bartsch gut weg. "Durch die Verletzung von Rafael Gritzner musste ich oft am Wochenende doppelt spielen, doch nach der Zeit gewöhnt man sich daran", sagt der ehrgeizige Letzlinger. "Oft fährt man mit und guckt nur zu, doch das macht mir nichts aus, denn ich kann von den Älteren noch viel lernen", fügt Bartsch an.

Zwischen den Herren und den A-Junioren sieht Niclas Bartsch gravierende Unterschiede. "Bei den Männern wird viel härter gespielt, das ist eine komplett andere Atmosphäre", erklärt Bartsch, der allerdings die Verbandsliga-Saison mit dem ältesten SSV-Nachwuchs auch als "Höhepunkt" und "sehr wichtig" bezeichnet. Auch im kommenden Spieljahr wird der Youngster noch in der A-Jugend spielen. Den SSV 80 Gardelegen ("Ich hatte und habe nicht die Absicht, den Verein zu verlassen") hat der 17-Jährige fest in sein Herz geschlossen. "Die Atmosphäre ist sehr gut, zudem wird man hier von den Eltern immer wieder toll motiviert", schwärmt Niclas Bartsch, der mittlerweile unter der Leitung von Reno Rathke und Fred Hauschild auch Torwarttraining genießt.

Den Einstieg bei den Herren erleichterte die Tatsache, dass Bartsch mit einigen gleichaltrigen Akteuren wie Julian Renz, Max Preuß oder auch Pascal Bischoff hochrückte. "Es ist schon etwas einfacher, wenn man mit ihnen trainiert, weil man sie kennt. Ich bin bei den Herren schnell und vor allem gut aufgenommen worden, hier werden alle gleich behandelt", erklärt der Torhüter, der seinen zumeist älteren Mitspielern natürlich mit gehörigem Respekt entgegen tritt.

Das wird auch in Zukunft ("Ich muss natürlich erst einmal sehen, wie es nach der Schule weitergeht") so bleiben, denn der 17-Jährige hat sich noch einige Ziele gesteckt. So möchte er unbedingt noch einmal Meister, Pokalsieger und Hallenkreismeister werden. "Ich denke, das ist realistisch", verrät der Youngster, der im Februar seinen 18. Geburtstag feiert. Realistisch ist auch die Vermutung, dass Niclas Bartsch in einigen Jahren die unumstrittene Nummer eins zwischen den Pfosten des Landesklasse-Teams des SSV 80 Gardelegen sein wird.