Ein Hauch von Landesklasse im beschaulichen Lindstedt: Zwar sind die Fußballmänner des SV Wacker selbst "nur" in der 1. Kreisklasse aktiv, doch ihr erst 26-jähriger Trainer Stephan Niebuhr geht für den SV Grün-Weiß Potzehne auf Landesebene auf Punktejagd und bringt eine Menge Erfahrung mit. An seine "Doppelfunktion" hat sich Niebuhr mittlerweile bestens gewöhnt.

Lindstedt/Potzehne l Fast das gesamte Wochenende verbringt Stephan Niebuhr auf dem Sportplatz. Während der Westaltmärker sonnabends selbst die Schuhe für Landesklasse-Vertreter SV Grün-Weiß Potzehne schnürt, coacht er am Sonntag den SV Wacker Lindstedt in der 1. Kreisklasse. "Ich lebe für den Sport", sagt der sympathische, gebürtige Lindstedter.

Seine aktive Laufbahn begann Stephan Niebuhr im E-Junioren-Bereich bei seinem Heimatverein SV Wacker Lindstedt. "Zuvor habe ich oft schon mit Freunden auf dem Bolzplatz gekickt", verrät Niebuhr. Trainer Thomas Lucas beorderte den talentierten Westaltmärker zumeist auf die Position des linken Außenverteidigers, wo sich dieser auch wohlfühlte. Bis zur A-Jugend blieb Stephan Niebuhr dem SV Wacker treu, dann gab es für ihn und seine Kollegen in Lindstedt keine Spielmöglichkeit im Nachwuchs mehr. Da ein Leben ohne Fußball für den Sportenthusiasten, der nebenbei auch gern Eishockey oder Squash spielt, nicht vorstellbar war, musste er wechseln.

Großer Schritt in Bismark unter Coach Tino Feibig

Niebuhr schloss sich dem ältesten Nachwuchs des TuS Schwarz-Weiß Bismark an, mit dem er in der Saison 2006/2007 auf Anhieb den Staffelsieg in der Landesliga feierte. Sein Trainer in Bismark hieß Tino Feibig. "Tino habe ich viel zu verdanken, unter ihm habe ich einen großen Schritt gemacht", lobt Niebuhr seinen ehemaligen Coach. Auch im Männerbereich blieb der heute 26-Jährige zunächst bei den Schwarz-Weißen in Bismark. Nahezu geschlossen rückte die damalige A-Jugend mit Trainer Tino Feibig in die zweite Männervertretung auf. "In der ersten Mannschaft hatte ich auch einige Kurzeinsätze. Doch ich habe mich zumeist auf die Zweite konzentriert, wo ich immerhin Kapitän war", erklärt Niebuhr.

Im Winter 2010 verschlug es den Lindstedter zurück in die Westaltmark. Durch seine Freunde Marcus Behrends, mit dem er auch schon in Lindstedt und Bismark zusammen gespielt hatte, und Andreas Bade kam Stephan Niebuhr zum SV Grün-Weiß Potzehne, wo Erich Krümmling als Trainer das Sagen hatte. Und auch den Erfolg brachte Niebuhr mit. Denn die Grün-Weißen stiegen noch im gleichen Jahr aus der Landesklasse in die Landesliga auf. Dort hielten sich die Potzehner immerhin vier Jahre, ehe 2014 der Abstieg in die Landesklasse folgte. "Das ist schon sehr schade. Die Landesliga hat, auch wenn wir einige schwierige Situationen zu überstehen hatten, Spaß gemacht", erklärt Niebuhr rückblickend. "Fußballerisch war es bisher das Beste, was ich selbst erlebt habe", fügt er hinzu.

Mittlerweile hat sich die Elf von Trainer Nico Bremse, in der der 26-Jährige momentan sogar als Kapitän ("Das gibt mir viel Selbstvertrauen") fungiert, trotz großer Verletzungssorgen in der Landesklasse etabliert und überwintert auf Rang neun. "Fußballerisch sind wir eine sehr gute Truppe. Zudem ist auch der Zusammenhalt sehr stark, das ist wie eine große Familie", schwärmt Stephan Niebuhr, der den Schritt nach Potzehne nie bereut hat. Bei den Grün-Weißen ist Niebuhr unangefochtener Stammspieler und hat sein Zuhause im defensiven Mittelfeld gefunden. "Eigentlich bin ich universell einsetzbar, kann auch auf der Außenbahn spielen", verrät der Westaltmärker. "Ich bin sicherlich technisch nicht so versiert, dafür aber sehr ehrgeizig. Ich habe viel durch Trainingsfleiß erreicht. Ich jogge viel und bin daher konditionell sehr stark", charakterisiert sich der Lindstedter selbst.

Trainerkarriere 2011 in Lindstedt fortgesetzt

Stephan Niebuhr arbeitet übrigens bereits seit der Saison 2008/2009 parallel auch als Trainer. Damals übernahm er die E-Junioren des TuS Schwarz-Weiß Bismark. Nach längerer Pause setzte er 2011 seine Laufbahn als Übungsleiter beim SV Wacker Lindstedt fort und übernahm dort die Männermannschaft. "Ich wollte nicht, dass der Fußball in meinem Heimatdorf den Bach runter geht. Die Jungs und unser damaliger Präsident Otto Giebler haben mich gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen würde", verrät Niebuhr. Seine klare Antwort lautete: Ja.

Als Nachfolger von Kay Bartel, der aus privaten Gründen das Amt niederlegte, hatte Stephan Niebuhr als Youngster nun das Sagen an der Seitenlinie beim SV Wacker. "Ich hatte durch meine Zeit in Bismark schon Erfahrungen als Trainer gesammelt und habe zuvor auch Kay Bartel oft beim Training unterstützt. Ungewohnt war es daher für mich nicht", sagt der Anhänger von Borussia Dortmund. Allerdings gibt er zu: "Schwierig war es oft, den Grat zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit zu finden. Schließlich habe ich einen Großteil meiner Kumpels trainiert." Mit der Entwicklung der Truppe ist Stephan Niebuhr sehr zufrieden. "Nicht nur spielerisch, auch menschlich passt es", sagt er. In der 1. Kreisklasse, wo sie nach der ersten Halbserie Platz zwei hinter dem ESV Lokomotive Salzwedel belegen, streben die Lindstedter den Aufstieg an. Coach Stephan Niebuhr glaubt, dass dies mit den beiden Winterneuzugängen Johannes Bude und Benjamin Dörr auch möglich ist.

Der sportliche Wochenplan des 26-jährigen Westaltmärkers ist prall gefüllt. Während montags und mittwochs trainiert wird, stehen am Sonnabend die Pflichtspiele mit dem SV Grün-Weiß Potzehne an. Freitags bittet Niebuhr dann als Trainer seine Schützlinge vom SV Wacker Lindstedt auf den Sportplatz, die Partien steigen am Sonntag. Da kommen also locker zehn bis 15 Stunden zusammen, die der 26-Jährige für sein großes Hobby wöchentlich unterwegs ist. Wie lange das noch in dieser Form möglich ist, weiß Stephan Niebuhr selbst nicht genau. "Das hängt auch von meiner beruflichen Zukunft ab", erklärt Niebuhr. Sowohl als Spieler mit Potzehne als auch als Trainer mit Lindstedt würde Stephan Niebuhr in Zukunft gern noch einmal den Aufstieg realisieren. "Das wäre natürlich eine schöne Sache für beide Vereine. Wichtig ist für mich aber vor allem, dass die Leute um mich herum weiterhin Spaß am Fußball haben", erklärt der 26-Jährige. Stephan Niebuhr selbst wird diesen jedenfalls so schnell nicht verlieren.

Bilder