Er ist zwar kein echter Fußballexperte, doch für die Kicker von Landesklasse-Vertreter SV Liesten 22 ein echter Gewinn. Seit gut zweieinhalb Jahren gehört der 29-jährige Physiotherapeut Martin Scheibe, der in seiner Sportart Ju-Jutsu einst eine Größe war, dem Trainerstab des SVL an.

Liesten l Hat ein Spieler ein Wehwehchen, eilt Martin Scheibe sofort zur Hilfe. Oft genug muss der Physiotherapeut bei den Partien des SV Liesten 22 in der Landesklasse auf das Feld laufen und die Kicker behandeln, wenn sie verletzt sind. Bereits seit 2012 ist der gebürtige Brandenburger auch bei nahezu jedem Spiel der Liestener dabei. Selbst war Scheibe übrigens nie als Fußballer aktiv. In seiner Heimat hatte sich Scheibe bis 2011 als Ju-Jutsu-Kämpfer einen Namen gemacht und nahm sogar an zwei Weltmeisterschaften teil.

"Ich wollte unbedingt Kampfsport machen", verrät Martin Scheibe, der 1990 seine sportliche Laufbahn als Judoka beim JC Oranienburg startete. "Dass es Judo wurde, war eher Zufall. Meinen Eltern passte es ganz gut mit dem Hinbringen", erklärt der Wahl-Westaltmärker. Zwei Jahre später startete Scheibe parallel auch noch eine Karriere als Ju-Jutsu-Kämpfer beim PSV Basdorf. Für ihn die absolut richtige Wahl, denn im Ju-Jutsu startete Martin Scheibe richtig durch. Schon mit 16 Jahren debütierte Scheibe in der Nationalmannschaft, 2005 und 2008 ging er sogar bei Weltmeisterschaften an den Start.

Doch nicht nur das: Bereits seit seinem 16. Lebensjahr arbeitete der Brandenburger auch als Ju-Jutsu-Trainer und gab seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. "Ich hatte dort schon meine eigenen Trainingsgruppen", verrät Scheibe. 2010 stieg der Sportenthusiast zum Landestrainer Brandenburgs auf. "Als Physiotherapeut konnte ich mein Wissen im Training mit einfließen lassen. Dadurch wurde es auch etwas komplexer", erklärt der heute 29-Jährige rückblickend. Einige seiner ehemaligen Schützlinge sind, und das freut Martin Scheibe natürlich besonders, bereits Weltmeister geworden. "Der Erfolg spricht für sich", sagt der gelernte Übungsleiter stolz.

Während Ausbildung Lucas Bresch kennen gelernt

Das Problem beim Ju-Jutsu: "Als Leistungssportler verdienst du dort einfach nicht so viel", verrät Martin Scheibe, der teilweise um die 30 Stunden in der Woche trainierte. "Ich musste mich nun auch beruflich und familiär entscheiden", fügt er an. Scheibe ("Zeitlich hat es einfach nicht mehr gepasst") entschied sich gegen den Leistungssport und für die beschauliche Westaltmark. Dort, genauer gesagt in Salzwedel, absolvierte er ab 2012 eine Ausbildung als Physiotherapeut. Übrigens zusammen mit Lucas Bresch, der aktuell als Spielertrainer beim SV Liesten 22 arbeitet. "Dort habe ich Lucas kennen gelernt und später dann auch seine Schwester Carolin", verrät Scheibe. Mit seiner Verlobten und den beiden Kindern lebt der Familienvater mittlerweile glücklich in Liesten. Für den ortsansässigen SVL 22, den er erstmals beim 90-jährigen Jubiläum im Benefizspiel gegen die Traditionsmannschaft des VfL Wolfsburg unter die Lupe nahm, arbeitet Martin Scheibe bereits seit zweieinhalb Jahren eifrig für den Erfolg.

Zusammen mit Lucas Bresch, der ihn einst mit ins Boot holte, erstellt Scheibe die Trainingspläne beim SV Liesten 22, der 2012 Kreismeister wurde und 2013 den Landesklasse-Staffelsieg feierte. "Ich gebe Lucas regelmäßig Tipps, wir machen auch oft zusammen Sport", schildert der 29-Jährige. Als Physiotherapeut fand Scheibe schnell seinen festen Platz im Trainerstab der Liestener. Selbst daheim behandelt der gebürtige Brandenburger oft Akteure, zum Training schafft er es daher meist nicht. "Für mich ist der Fußball eine neue Herausforderung. Die Spieler rufen mich regelmäßig an, wenn sie Probleme haben. Ich kann somit vielleicht auch meinen Beitrag zum Erfolg leisten", sagt Scheibe. Der ist übrigens begeistert vom Klima in der Truppe. "Das ist eine echte Mannschaft, die Spieler halten zusammen. Das habe ich vorher so nicht gekannt", gibt der 29-Jährige offen und ehrlich zu.

Traum vom Aufstieg in die Landesliga

Für die Zukunft ist Martin Scheibe beim SV Liesten 22, aktuell Rangsiebter in der Landesklasse (Staffel I), nicht bange. "In der C-Jugend-Mannschaft sind einige gute Talente dabei. Ich hoffe, dass sie am Ball bleiben und später den Sprung in den Männerbereich schaffen", so Scheibe. Der hofft, dass die SVL-Herren irgendwann auch den Aufstieg in die Landesliga realisieren. "Ich denke, das Potenzial ist vorhanden. Träumen darf man ja", erklärt der 29-Jährige. Für dieses Ziel legt der ehrgeizige Martin Scheibe als Physiotherapeut auch gern die eine oder andere Sonderschicht ein.