Alter schützt vor Toren nicht: So lautet ein im Fußball bekanntes Sprichwort. Zwar hat Heiko Schmiedl davon in seiner Laufbahn nun nicht gerade viele erzielt, doch der Verteidiger hat andere Qualitäten und ist am Wochenende trotz seiner 45 Jahre meist immer noch zweimal für den SV Schwalbe Schwiesau im Einsatz.

Schwiesau l Wenn Heiko Schmiedl am Sonntagnachmittag mit den Herren des SV Schwalbe Schwiesau in der Kreisoberliga auf das Spielfeld läuft, möchte man meinen, er könnte der Vater eines Großteils seiner Mitspieler sein. Mit 45 Jahren ist Schmiedl dennoch weiterhin eine gute Alternative in der Defensive bei den Schwalben. Dauerbrenner ist der Westaltmärker auch noch bei den Altherren der SG Schwiesau/Jeggau/Engersen in der Kreisliga. Und genug hat der Routinier noch lange nicht.

1990 durch Ehefrau Annett nach Schwiesau

Ausgebildet wurde Heiko Schmiedl im Nachwuchs von Traktor Beetzendorf. Schmiedl ist gebürtiger Beetzendorfer, so dass er sich mit zehn Jahren auch dem Verein in seinem Heimatort anschloss. Nebenbei betrieb Schmiedl kurzzeitig auch noch Leichtathletik, wodurch er über eine gute Ausdauer verfügte. Doch sein Hauptaugenmerk legte der Westaltmärker schon immer auf den Fußball. Unter der Regie von Trainer Karl-Heinz Schulz fand Heiko Schmiedl, der die komplette Jugend in Beetzendorf durchlief und immerhin einmal Kreismeister wurde, sein sportliches Zuhause schnell auf der Verteidiger-Position. Dort fühlt sich der 45-Jährige noch heute pudelwohl. Schließlich geht er gewohnt aggressiv, aber nie unfair in die Zweikämpfe. Kurz nach der Wende, im Jahr 1990, zog es Schmiedl nach Schwiesau. Dorthin gelangt war er durch seine heutige Ehefrau Annett.

In Schwiesau schnürte Heiko Schmiedl zunächst für die zweite Herrenmannschaft seine Schuhe. "Mein Plan war es eigentlich, gar nicht mehr zu spielen", verrät der 45-Jährige. Allerdings wurde bei den Schwalben gerade der neue Sportplatz eingeweiht. Die Bedingungen stimmten also, so dass sich Schmiedl entschloss, seine Karriere doch fortzusetzen. Dabei hatte er mit den Schwiesauern zuvor schon einmal "schlechte" Erfahrungen gemacht. In seiner Nachwuchszeit musste Heiko Schmiedl nämlich noch im Beetzendorfer Trikot seinem heutigen Verein im Kampf um den Aufstieg in die Bezirksklasse den Vortritt lassen. "Da haben wir das entscheidende Spiel verloren", erinnert sich der Routinier mit einem Grinsen zurück. Zwei Spielzeiten absolvierte Schmiedl in Schwiesau in der zweiten Mannschaft, ehe ihn Trainer Joachim Küster nach deren Auflösung in die Erstvertretung holte. "Dort habe ich mich dann schnell zur Stammkraft entwickelt", erzählt der 45-Jährige.

2006 feierte Heiko Schmiedl seinen bislang größten Erfolg mit den Schwiesauer Schwalben. Mit Coach Frank Riedel schaffte der kleine Verein den Kreismeistertitel und stieg in die Landesklasse auf. Dort waren die Westaltmärker immerhin zwei Spielzeiten aktiv. "Das absolute Highlight war für mich die erste Saison auf Landesebene", erklärt Schmiedl. Dort lagen die Schwalben nach der Hinrunde bereits weit hinter der Konkurrenz und galten als Absteiger Nummer eins. Doch dank einer bärenstarken zweiten Halbserie schaffte das Riedel-Team tatsächlich noch den Klassenerhalt. Mit 33 Punkten belegten die Schwalben am Ende einen respektablen siebten Platz. Auch wenn es in der folgenden Serie als Schlusslicht dann nicht zum Ligaverbleib reichte, bleibt die Zeit in der Landesklasse für Heiko Schmiedl und viele seiner damaligen Mitstreiter unvergessen.

Mittlerweile muss sich der SV Schwalbe Schwiesau mit dem Abstiegskampf der Kreis-oberliga vertraut machen. Zwar sieht es auch in dieser Saison nach einem Klassenerhalt für das Team von Trainer Senol Isik aus, dennoch dürfen sich die Schwalben noch nicht zu sicher fühlen. Heiko Schmiedl zählt trotz seiner 45 Jahre meist immer noch zum Kader der Schwiesauer. "Man merkt schon, dass man ein gewisses Alter erreicht hat", verrät Schmiedl. Und es kommt nicht selten vor, da muss der Routinier 90 Minuten lang bei den Herren ran. "Mein Herz hängt einfach an diesem Verein. Deshalb springe ich auch gern ein, wenn ich gefragt werde", sieht sich der gebürtige Beetzendorfer allerdings "nur" als Aushilfe. Weil Trainer Senol Isik, mit dem der Westaltmärker früher selbst auf Punktejagd ging, noch immer ein guter Freund ist, hängt sich Schmiedl im Notfall noch immer voll rein. "Als Libero habe ich eigentlich keine großen Probleme. Da kann ich viel mit dem Auge machen, zudem macht sich die Erfahrung bezahlt", erklärt der 45-Jährige, der ab und an aber auch als Manndecker ran muss.

Auch wenn man Heiko Schmiedl bei den Schwiesauer Herren schon als "Opa" im Team betrachten kann, macht er seine Sache noch immer sehr abgeklärt und hält die Hintermannschaft gut zusammen. Mit 60 Gegentreffern stellt das Isik-Team immerhin noch eine der besten Defensiven der Abstiegskandidaten. Schmiedl schwärmt vor allem vom tollen Mannschaftsklima. "Ich persönlich komme mit jedem gut klar, was schon einmal sehr wichtig ist", so der 45-Jährige. Der war immerhin in dieser Spielzeit schon neunmal für den aktuellen Rangdreizehnten im Einsatz. Streckenweise wünscht sich Heiko Schmiedl vom Vorstand noch etwas mehr Unterstützung für das Team. "Ich habe manchmal so ein wenig das Gefühl, dass wir als Mannschaft in gewissen Dingen zu sehr allein gelassen werden", verrät der Westaltmärker, ohne konkreter zu werden.

Eine Saison Trainer von Schwiesaus E-Jugend

Selbst bei den Altherren der SG Schwiesau/Jeggau/Engersen in der Kreisliga gehört Heiko Schmiedl nicht mehr zu den Jüngsten im Team. "Für mich steht dort der Spaß im Vordergrund. Klar möchte man auch immer Erfolg haben, doch zu verbissen sehe ich das heute nicht mehr", erzählt der Routinier. Dennoch verfügt die Oldie-Spielgemeinschaft über eine gute Truppe. Im Klassement rangiert sie immerhin auf Platz fünf. "Für mich ist wichtig, dass ich gesund und von schlimmeren Verletzungen verschont bleibe", erklärt der 45-Jährige. "Solange ich es kann, möchte ich auch weiterhin für den Verein am Ball bleiben", fügt Schmiedl an. Der probierte sich übrigens auch eine Spielzeit lang als Trainer aus. Zusammen mit Mario Seidenberg coachte er 2006 die Schwiesauer E-Junioren. "Doch nach dieser Saison sind viele Kinder altersbedingt rausgegangen, so dass kaum noch Nachwuchs da war", erklärt Heiko Schmiedl. Somit war für Schmiedl früher als gedacht Endstation als Coach.

Ein weiteres Mal als Trainer zu arbeiten, kann sich der Westaltmärker zumindest momentan nicht vorstellen. "Wenn ich sehe, wie schwer es Senol Isik Woche für Woche hat, Spieler zusammen zu bekommen, denke ich, dass das nichts für mich wäre", sagt Heiko Schmiedl. Allerdings gibt er auch zu: "Man weiß nicht, wie es in zehn Jahren aussieht, aber aktuell spiele ich einfach noch zu gern." Für seinen Herzensverein wünscht sich der 45-Jährige generell mehr Nachwuchs. Und für die Männermannschaft hofft der Routinier, dass sie sich auf Dauer im Mittelmaß der Kreis-oberliga etablieren kann. "Es wäre schön, wenn sie nicht jede Saison gegen den Abstieg kämpfen würde", sagt der gebürtige Beetzendorfer. Viel lieber würde Heiko Schmiedl stattdessen sehen, wenn der SV Schwalbe Schwiesau vielleicht irgendwann noch mal an die Erfolge vor zehn Jahren anknüpfen könnte.