Ganze vier Jahre ist es her, da hatten Eik Drevenstedt und Detlef Märtens letztmalig zusammen für die Männer des FSV Heide Letzlingen auf dem Platz gestanden. Im Landesklasse-Heimspiel vor einer Woche gegen den SV Medizin Uchtspringe waren die beiden mittlerweile 39-Jährigen wieder vereint und hatten maßgeblichen Anteil am 3:1-Heimerfolg, der womöglich schon den Aufstieg bedeutete.

Letzlingen l Mit 39 Jahren haben die meisten Fußballer wohl ihre beste Zeit hinter sich und spielen nur noch gemächlich in einem Altherren-Team. Anders ist es bei Eik Drevenstedt und Detlef Märtens. Das Duo vom FSV Heide Letzlingen spielt zwar tatsächlich gelegentlich zusammen bei den Oldies, doch dass es Drevenstedt und Märtens auch noch im Männerbereich können, haben sie vor wenigen Tagen bewiesen. Während der 39-jährige Detlef Märtens in dieser Spielzeit als Verteidiger noch immer eine feste Größe im Team von Trainer Dieter Förster ist und die Abwehr mit seiner Erfahrung zusammenhält, wurde der gleichaltrige Eik Drevenstedt nach etwa einer Stunde erstmalig in dieser Spielzeit eingewechselt und schoss mit einem Doppelpack den 3:1-Erfolg gegen Uchtspringe heraus. Die "Alten" haben es also mal wieder gerichtet.

"Wenigstens fünf Minuten" würde Detlef Märtens, wie er selbst zugibt, zum Ende seiner Laufbahn im Herrenbereich gern mal in der Landesliga spielen. Die Chancen dafür stehen alles andere als schlecht, denn zwei Spieltage vor Schluss führt der FSV Heide Letzlingen das Tableau der Landesklasse mit sechs Punkten Vorsprung an. Heißt: Das Förster-Team braucht in den verbleibenden beiden Partien gegen Potzehne und Tangerhütte noch lediglich einen Punkt, um den Staffelsieg und den Aufstieg festzuzurren. Diesen sollte man den Mannen um Toptorjäger Christian Wernecke allenfalls zutrauen.

Drevenstedt: Entscheidung zwischen Fuß- und Handball

Alles klar machen könnten die Letzlinger schon in einer Woche im Auswärtsspiel beim SV Grün-Weiß Potzehne. Sollte dort Eik Drevenstedt nach seinen beiden Treffern gegen Uchtspringe erneut zum Einsatz kommen, wäre es für ihn eine besondere Partie. Denn Drevenstedt ist gebürtiger Potzehner, doch seine ersten Gehversuche im Verein unternahm der Westaltmärker mit acht Jahren im Nachwuchs der Letzlinger. In der E-Jugend spielte er unter der Leitung von Trainer Bodo Hennigs im Angriff. Durch seinen Vater Jürgen, der im Heidedorf viele Bekanntschaften geschlossen hatte, war er zum FSV gelangt. "Ich musste mich zwischen Handball und Fußball entscheiden", erklärt Drevenstedt. Der ging parallel auch noch für die Handballer der SG Solpke/Mieste auf Punktejagd, doch Fußball genoss oberste Priorität beim Potzehner. Ebenfalls acht Jahre jung war Detlef Märtens, als er erstmalig dem runden Leder hinterher jagte. Doch zunächst tat er dies nur in der Freizeit in seiner Heimatstadt Gardelegen zusammen mit seinen Freunden. Erst im B-Jugend-Alter schloss sich Märtens dem FSV Heide Letzlingen an. Der Trainer der B-Junioren, wohin der schon immer defensiv orientierte Rolandstädter durch Klassenkameraden gelangt war, hieß seinerzeit Frank Benecke.

Sowohl Eik Drevenstedt als auch Detlef Märtens sind seitdem aus dem Verein kaum noch wegzudenken. Drevenstedt durchlief die komplette Nachwuchsabteilung des FSV Heide. Auch in den ersten beiden Männer-Jahren blieb der Westaltmärker den Letzlingern treu, ehe es ihn aus Verbundenheit zu seinem Heimatort für vier Jahre zum SV Grün-Weiß Potzehne zog. Mit den Grün-Weißen schaffte Eik Drevenstedt den Aufstieg in die Landesliga. Doch schon bald kehrte der heute 39-Jährige nach Letzlingen zurück. Dort wurde Drevenstedt einfach glücklicher, auch wenn ihm zwischenzeitlich eine Kreuzbandverletzung den Wind aus den Segeln nahm. Nach erneutem einjährigen Gastspiel in Potzehne bei den Altherren und in der zweiten Männervertretung gönnte sich der Fußballenthusiast, nachdem das Kreuzband mittlerweile komplett gerissen war, eine zweijährige Pause. Dann trat Andreas Lenz, Vereinschef des FSV Heide Letzlingen, an den Routinier heran und bat ihn, aus Personalnot bei den Herren noch einmal im Heidedorf die Schuhe zu schnüren. Dieser Bitte kam der gebürtige Potzehner, der sich im Februar 2014 einer Knieoperation unterzog, nach und spielt nun hauptsächlich für die Letzlinger Altherren in der 1. Kreisklasse. "Im Ernstfall kann mich Dieter Förster jederzeit anrufen", deutet Eik Drevenstedt auf seine Bereitschaft hin, auch noch bei den FSV-Herren auszuhelfen.

Der Ehrgeiz packt Märtens noch einmal

Mehr als "nur" eine Aushilfe bei den Letzlinger Männern ist aktuell Detlef Märtens. Mit Mitte 20 hatte Märtens aus beruflichen Gründen seinem Heimatverein vorübergehend den Rücken gekehrt und war in Goslar vier Jahre lang auf Kreisebene aktiv. "Vor allem wegen meiner Familie bin ich allerdings in die Altmark zurück gekommen", verrät der 39-Jährige. Der hatte seine besten Jahre in Letzlingen um die Jahrtausendwende. Dort wurde der FSV mit Trainer Uwe Pape Kreispokalsieger und stieg in die Landesklasse auf. "Für mich gibt es einfach keinen anderen Verein", macht Märtens seinem Heimatklub eine Liebeserklärung. Mit 35 Jahren beendete der Rolandstädter vorübergehend seine Karriere in der ersten Herrenmannschaft und spielte nur noch für die Altherren sowie die eigene Reserve. Durch die starke Personalnot in der Spielzeit 2013/2014 wurde Detlef Märtens allerdings noch einmal reaktiviert. "Erst einmal sollte ich nur für ein Spiel aushelfen", erklärt das Urgestein. Doch es kam anders. "Der Ehrgeiz hat mich noch einmal gepackt und dann bin ich dabei geblieben", so Märtens, der glücklicher Weise von schlimmeren Verletzungen bis heute verschont geblieben ist. "Wir haben eine richtig starke Truppe. Vor allem die Mischung ist richtig gut", berichtet der Routinier, der als Manndecker mittlerweile wieder gesetzt ist im Team von Trainer Dieter Förster, sich allerdings in der kommenden Spielzeit "etwas zurückziehen" möchte.

Auch Eik Drevenstedt fühlt sich in Letzlingen, sowohl bei den Altherren als auch bei den Männern, pudelwohl. "Das sind alles meine Freunde, der Verein ist wie eine große Familie", schwärmt Drevenstedt vom tollen Miteinander. "Das war wie in früheren Jahren. Es geht in der Truppe noch immer sehr kumpelhaft zu", so der 39-Jährige nach seinem ersten Saisoneinsatz gegen Uchtspringe. Der hofft natürlich, dass sich seine Letzlinger den Staffelsieg nach dem jüngsten 3:1-Heimerfolg nicht mehr nehmen lassen. Womöglich steht Eik Drevenstedt dann auch noch mal in der Landesliga als Aushilfe zur Verfügung. Wenn er dort als dann bereits 40-Jähriger auch noch mal als Joker sticht, dürfte er im Heidedorf wohl ein weiteres Stück Geschichte schreiben. "Ich würde mich freuen, wenn das Team den Aufstieg schaffen und sich in der Landesliga etablieren würde", sagt der immer noch fitte Offensivspieler. Doch vorrangig möchte sich Drevenstedt nun auf die Letzlinger Altherren, mit denen er gern noch einmal den Kreispokalsieg feiern würde, konzentrieren und seinen fünfjährigen Sohn Nik an den Fußball heranführen. "Vielleicht arbeite ich dann später auch mal als Trainer. Ich möchte dem Fußball definitiv erhalten bleiben", erklärt der Routinier, der sich für den Verein allgemein mehr Nachwuchs wünschen würde.

Apropos Nachwuchs: Die sechsjährige Tochter von Detlef Märtens, Luisa, hilft ihrem Vater oft schon, indem sie ihm bei jeder Partie kräftig die Daumen drückt. Das funktioniert in dieser Saison oft sehr gut. "Ich möchte schon noch so lange spielen, wie es möglich ist. Wenn ich irgendwann aufhöre, bleibe ich dem Verein auf jeden Fall als Fan erhalten", verrät Märtens, der von seiner Ehefrau Diana tatkräftig unterstützt wird. Einen Trainerjob kann sich der Gardelegener für die Zukunft nur schwer vorstellen. "Das ist irgendwie nicht mein Ding", erklärt der 39-Jährige. Der wünscht sich, dass die Heide-Mannen im Falle des Aufstiegs, den der Routinier seinem verstorbenen Vater Helmut widmen würde, personell nur gezielt nachrüsten und in der Landesliga eine möglichst gute Rolle spielen. "Wichtig ist mir, dass es in Letzlingen weiterhin eine gute Mannschaft gibt. Da ist es eigentlich nebensächlich, in welcher Liga sie spielt", so der ehrgeizige Westaltmärker. Vielleicht darf Detlef Märtens zusammen mit seinem Altersgenossen Eik Drevenstedt sogar in der kommenden Saison mit dem FSV Heide Letzlingen selbst noch einmal die erhoffte Landesliga-Luft schnuppern.