Auch nach dem Kreisderby gegen den Güsener HC hat die makellose Bilanz des SV Eintracht Gommern in der Handball-Verbandsliga Bestand. Beim 35:30 (19:14)-Heimsieg vom Sonnabend stellte der Spitzenreiter einmal mehr unter Beweis, was ihn in dieser Saison auszeichnet: variables Angriffsspiel, erstklassige Abwehrarbeit und ein Selbstvertrauen, an dem jeder noch so leise Zweifel schlichtweg abprallt.

Gommern/Güsen l Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass Kai Braatz am Sonnabend zu keinerlei Kompromissen bereit war - er erbrachte ihn acht Minuten nach Wiederbeginn. Leidtragender war Güsens Chris Hoffmann, der mutterseelenallein einen Gegenstoß lief und geradewegs auf Braatz zusteuerte. Der Gommeraner Keeper machte sich vor seinem Gegner groß, größer und am Ende viel zu groß, entschärfte schließlich auch diesen knochenfreien Wurf. Nicht nur, dass die Gäste beim 18:21 wohl schon fast ihre letzte Chance auf die Wende verspielten, im Nachgang erwies sich die Szene aus der 38. Minute wohl auch als psychologischer Genickbruch in einem Derby, das letztlich nur in der ersten Halbzeit auf der Kippe stand.

Die Güsener mussten einsehen, "dass wir auch 120 Minuten hätten spielen und trotzdem nicht gewinnen können." So formulierte es der spielende Coach Eric Steinbrecher und musste es auch einschätzen können. Etwa eine Halbzeit lang stand er am Sonnabend selbst auf dem Parkett und erlebte mit, wie die Eintracht um Keeper Braatz das Derby vor allem in der Deckung für sich entschied. "Gommern war in der Abwehr unglaublich schnell auf den Beinen und sehr variabel. Es waren eigentlich immer zwei Gegner am Werfer, das Verschieben zur Ballseite war absolut vorbildlich."

Angesichts von so viel Lob für den Kontrahenten sei jedoch nicht verschwiegen, dass auch der GHC seine starken Momente hatte - wenn auch nur in den ersten 20 Minuten. Angefangen bei der späten 1:0-Führung (4.) bestimmten die Gäste zunächst das Geschehen. In der Offensive trafen Kevin und Christian Haßbargen wie gewohnt aus dem Rückraum, defensiv verzeichnete Torhüter Christopher Bretschneider im ersten Abschnitt allein sieben wichtige Paraden. Die Eintracht wollte nicht auf Touren kommen, weshalb sich Trainer Dirk Heinrichs nach dem Spiel in erster Linie zufrieden zeigte, "dass wir doch noch rechtzeitig zu unserem Spiel gefunden haben." Allen voran Linksaußen Tim Böttcher erwies sich in der Startphase als Impulsgeber. Seine Tore dienten als Schmiermittel für den SVE-Motor, der nach dem 3:4 (9.) besser auf Touren kam. Heinrichs bot nun erstmals eine 4-2-Deckung auf, um die beiden GHC-Rückraumkanoniere aus dem Spiel zu nehmen.

Während die Hallenherren durch den sich immer mehr steigernden Hagen Sommerfeld beim 8:7 erstmals die Führung übernahmen (14.), blieb Güsen bis zum eigenen 13:14 (24.) vor allem durch die ersten vier von letzlich sieben Strafwürfen auf Schlagdistanz. "Leider wurden einige Deckungssituationen nicht zu unserem Vorteil ausgelegt", monierte Heinrichs und verwies auf die eigene Anzahl an Siebenmetern: Null.

Doch auch vom nicht vorhandenen Heimvorteil ließ sich seine Sieben nicht aus dem Spiel bringen, beeindruckte die Güsener nun zusehends in der Abwehr, die sich in der Endphase der ersten Halbzeit etliche Fehlwürfe leisteten. Auf der Gegenseite stachen variabler Positionsangriff und schnelle Konter, so dass Philipp Eckhardt seinen Treffer zum 19:14 (30.) probehalber feiern durfte wie die Entscheidung über den Spielausgang.

Die zweiten 30 Minuten waren hingegen schnell erzählt. Gommern zog die Zügel weiter an, bewegte sich bis zum 28:22 (45.) stets im Bereich von sechs bis vier Treffern plus. Auf der Gegenseite war einzig Kevin Haßbargen noch im Stande, Paroli zu bieten - auch Steinbrecher beobachtete einen Rückfall in alte Zeiten: "Sicher, wenn unsere Werfer nicht gedoppelt wurden, endeten viele Eins-gegen-Eins-Situationen mit einem Tor. Trotzdem war unser Fehler, dass wir den Ball nicht genug haben laufen gelassen und uns in Einzelsituationen verstrickt haben."

Ab dem 31:22 (49.) tat dann auch Gommern nicht mehr als nötig, verwaltete den Vorsprung "In so einer Phase dürfen wir dann auch das Tempo herausnehmen", sagte Heinrichs, denn: "Ein Sieg ist immer dann schön, wenn er sicher und vor allem gesund zustande kommt."

Eintracht Gommern: Hartung, Braatz - S. Bretschneider (4), Eckhardt (5), Koch, D. Einwiller (3), Hoffmann, Sommerfeld (7), Mennecke (1), Böttcher (5), Kaese (6), Zater, Schmidt (4), Bomke

Güsener HC: C. Bretschneider, Teske - K. Haßbargen (11), Steinbrecher, E. Klewe, Hoffmann (3), Garbrecht, C. Haßbargen (11), Lehnau (2), R. Klewe (2), Schwab (1), Salomon, Gerlach, Mache

Siebenmeter: SVE 0 - GHC 7/7; Zeitstrafen: SVE 3 - GHC 5; Rot: Philipp Eckhardt (59., Foulspiel) -SVE

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