Burg l Um Siegfried Klose dieser Tage bei seiner morgentlichen Runde zu begegnen, muss man schon ein echter Frühaufsteher sein. "Dreimal wöchentlich und immer morgens um halb sechs, wenn die Straßen leer, aber noch beleuchtet sind", begibt sich der Läufer auf Tour durch die Burger Innenstadt. Bei Wind und Wetter, aber nie unter zehn Kilometern spult er sein Pensum ab. Denn der 75-Jährige hat ein Ziel: Beim 41. Berliner Halbmarathon am 30. März will der Starter der LG "Ihleläufer" auf dem Siegerpodest ganz oben stehen. Seit er vor knapp sechs Jahren auf Anhieb in der M 70 unter 90 Startern den fünften Platz erreichte und seitdem regelmäßig unter den Top-Ten-Finishern dabei ist, "hat mich der Ehrgeiz gepackt. In diesem Jahr nehme ich den ersten Platz in Angriff."

Wer Klose morgens bei seinen Vorbereitungen auf das Jahreshighlight trifft während andere den Schlaf der Gerechten schlafen, könnte im ersten Moment zusammenzucken. Im Winter trägt er die Mütze tief ins Gesicht gezogen und zusätzlich eine Atemmaske aus schwarzem Tuchstoff. Klose folgt mit seiner "Vermummung" jedoch nicht dem allgemeinen Dresscode von Berufseinbrechern und Straßenkämpfern, sondern dem Ruf der eigenen Gesundheit. "Wenn ich eine Sache gelernt habe, ist das, auf meinen Körper zu hören", sagt er. So verordnet sich Klose zwischen jeder Lauf, Rad- oder Schwimmeinheit 48 Stunden Ruhe. Zweimal wöchentlich schwitzt er zudem im Fitnessstudio von Frank Wollbrügge und Carsten Hencke, dann beträgt die Regenerationszeit sogar 72 Stunden. Dazu kommt eine vollwertige und bedarfsgerechte Ernährung. "Bisher bin ich von schweren Verletzungen verschont geblieben." Herausfordern will Klose sein Glück jedoch nicht.

"Es zählt das Erlebnis, nicht das Ergebnis."

Vielmehr will er es Ende März in Berlin selbst in die Hand nehmen und nur nichts dem Zufall überlassen. Noch einmal will er nicht jenen acht Sekunden hinterhertrauern, die im Vorjahr zum Sieg gefehlt haben - auch wenn er sagt: "Ich war über Platz zwei und darüber, überhaupt das Podest erreicht zu haben, sehr froh. In Berlin zählt das Erlebnis, nicht das Ergebnis." Erfolge hat Klose in seiner langen Geschichte schließlich viele gefeiert. Siebenmal stand er bei Großveranstaltungen wie in der Hauptstadt, in Hamburg oder Magdeburg auf dem Podest. Zweimal wurde er von den Volksstimme-Lesern zum "Sportler des Jahres" im Jerichower Land gekürt. Im Elbe-Ohre-Cup, in dem weitgehend die Konkurrenz in seiner Altersklasse fehlt, zählt er mit fünf Gesamterfolgen längst zu den Seriensiegern.

Doch daneben gibt es eben doch diesen einen Wunsch, den sich der "Ihleläufer" erfüllen will. Der Sieg in Berlin treibt Klose an, deshalb folgt er seinem strikten Vorbereitungsplan. Wenn Sie also zu den Frühaufstehern gehören und morgens in der Burger Innenstadt einem maskierten Läufer begegnen - erschrecken Sie nicht und rufen nicht sofort die Polizei. Wünschen Sie ihm besser viel Erfolg.