Nicht immer souverän hat Verbandsliga-Spitzenreiter SV Eintracht Gommern am Sonnabend sein Heimspiel gegen die HSG Osterburg mit 27:17 (10:12) gewonnen. Die Gommeraner Handballer benötigten dabei eine Halbzeit lang, um die letztwöchige Niederlage - die zweite der Saison - aus den Köpfen zu streichen.

Gommern l Es mag halb erleichterter Stoßseufzer, halb Zusammenfassung gewesen sein. Dennoch lieferte Gommerns Philipp Eckhardt nach der Schlusssirene eine ziemlich treffende Aussage zu den zurückliegenden 60 Minuten ab: "Ende gut, alles gut." Oder anders gesagt: Am Ende wurde doch noch gut, was so gar nicht gut begonnen hatte.

Eine Woche nach der 32:28-Niederlage beim HV Solp- ke/Mieste war diese mit dem Anpfiff im Spiel gegen Osterburg noch immer präsent. Die "bösen Geister" von Mieste trieben jedenfalls in der Gommeraner Offensive ihr Unwesen, als seien seitdem keine Woche, sondern nur wenige Stunden vergangen. "In der Deckung war die Leistung okay, aber vorn waren wir total verunsichert. Man konnte sie bei fast jeder Aktion sehen: die Angst vor Verantwortung, vor Fehlern", konstatierte SVE-Coach Dirk Heinrichs. Satte 15 Fehlwürfe und drei Technik-Regelfehler im ersten Abschnitt bedeuteten eine Angriffseffektivität von gerade einmal 36 Prozent.

Defensiv legten die Gastgeber wie vom Trainer angesprochen keinen schlechten Auftritt hin. Trotz eines improvisierten Innenblocks setzte die 6-0-Deckung um, was von ihr gegen die nicht mit großer Wurfgewalt aus dem Rückraum gesegneten Osterburger verlangt wurde: gute Bein- arbeit beim Verschieben und beherztes Zufassen nach dem Anspiel. Den 0:3-Fehlstart (6.) verhinderte dies aber nicht. HSG-Torhüter Mario Schröder wurde bei seinen sieben Paraden im ersten Abschnitt regelrecht berühmt geworfen und auch nach 20 Minuten belief sich der Rückstand auf 5:10.

Dass das Momentum anschließend doch die Seiten wechselte, hatte offensichtliche Gründe. Einer davon: Die Eintracht fand schrittweise zu ihrem Selbstvertrauen zurück. Der zweite: Osterburg schwächte sich entscheidend selbst. So standen die Gäste nach zwei Roten Karten (23., 27.) sogar vor dem Problem, nur noch fünf spielfähige Feldspieler aufbieten zu können. So wurde der ursprünglich als Betreuer vermerkte Thomas Kuhlmann nachträglich in die Spielerliste eingetragen. Dass es die HSG nach der Pause schwer haben würde, stand jedoch außer Frage.

Osterburgs Kreisspieler Paul Papendiek merkte vor Wiederanpfiff dann auch treffend an: "Jetzt geht es nur noch darum, ein wenig Spaß zu haben." Dieser war allerdings vornehmlich auf Gommeraner Seite zu finden. Mit dem 14:13 (36.) eroberten die Hausherren zum ersten Mal im Spiel die Führung und gaben sie fortan nicht mehr aus der Hand. Die erst unterkühlte, später hitzige Atmosphäre in der Halle pegelte sich nun bei motivierender Unterstützung ein und in den Gesichtern der Fans machte sich eine gewisse Entspannung breit. Auf dem Feld dasselbe Bild: Über die Stationen 17:14 (45.) und 22:15 (55.) baute die Eintracht den Vorsprung weiter aus, ohne den kräftemäßig nachlassenden Gegner zu überrennen. So stimmte dann auch Trainer Heinrichs versöhnliche Worte nach der Partie an: "In der ersten Hälfte waren wir gedanklich noch in Mieste, in der zweiten haben wir dann zu unserem Spiel gefunden und ich hoffe, wir können damit unsere zweite Saisonniederlage aus den Köpfen streichen." Mit Verlaub, lieber Philipp Eckhardt, die Zusammenfassung des Trainers war schließlich doch die wohl prägnanteste am vergangenen Samstagabend.

Gommern: Hartung, Braatz - Bretschneider (4), Eckhardt (5), Koch, D. Einwiller (4), Krieseler, Böttcher (1), Kaese (4), Zater (1), Schmidt (6), Bomke (2)

Siebenmeter: SVE 2/1 - HSG 6/5; Zeitstrafen: SVE 7 - HSG 7; Rot: Andreas Kuhlmann (23., Foulspiel), Paul Zierke (27., Unsportlichkeit) -beide Osterburg, Daniel Krieseler (44., 3x2 Minuten) -Gommern