Tucheim (fna) l Traktor Tucheim war mittendrin im Trott: An jedem Wochenende ein Spiel, in dem die Chancen nicht genutzt wurden, wie zuletzt gegen Kleinmühlingen/Zens. An jedem Wochenende ein Gegentreffer, der den Anfang der Niederlage bedeutete. An jedem Wochenende ein Spiel, das trotz guter Leistung verloren wurde. "Wir hatten eine lange Negativserie, die Verunsicherung war groß", erklärte auch Mike Schnorrer, der Trainer. Doch im Derby der Fußball-Landesklasse gegen Eintracht Gommern am vergangenen Sonnabend war alles anders.

Es lief komplett für den Gastgeber. "Wir haben unsere Chancen in der ersten Halbzeit konsequent genutzt", freute sich Schnorrer. Christian Feuerherdt und Thomas Schulze sorgten für die 2:0-Führung zur Pause. Überzeugend war in dieser Phase vor allem auch die Defensive. "Wir haben nichts Zwingendes zugelassen." Und als nach der Pause auch noch die 3:0-Führung durch Willi Keltner gelang, wusste man in Tucheim mit der neuen Situation kaum umzugehen.

Wohl überrascht ob des deutlichen Vorsprungs vernachlässigte Tucheim die Abwehrarbeit, offenbarte läuferische Defizite und taktisches Fehlverhalten, eben ganz im alten Trott. Gommern übernahm die Regie, hatte viel mehr Ballbesitz und es rollte Angriffswelle auf Angriffswelle. "Aber die Mannschaft hat sich bemüht und weitergekämpft", lobte Schnorrer. Somit erarbeitete sich der Gastgeber das nötige Glück, das er brauchte, damit beispielsweise der Schuss von Eintrachts Robert Isensee nach schönem Solo an den Pfosten und nicht ins Tor ging oder eben auch Tom Sindermann mit einem Elfmeter am Aluminium scheiterte. So hieß es nach 82 Minuten eben "nur" 3:3, weil Isensee neben einem Strafstoß auch noch zwei gute Angriffe verwandelte.

Da die Eintracht mit der Chancenverwertung haderte und immer ungeduldiger wurde, boten sich den Tucheimern in den letzten Minuten durchaus Kontermöglichkeiten. Zunächst wurden diese rechtzeitig unterbunden, weil sich Feuerherdt, der die Abschläge von Keeper Michael Weise zumeist verarbeitete, nicht gegen zwei Kontrahenten durchsetzen konnte. Doch als Gommern in der letzten Minute zu weit aufgerückt war, gelang dem Tucheimer der entscheidende Pass zu Thomas Schulze, der die Abwehr überlief, allein vor Keeper Andreas Hoffmann die Nerven behielt und an der Verunsicherung vorbei mitten hinein ins Glück traf (90.).

"Das Spiel war ein Wechselbad der Gefühle. Dieses Erfolgserlebnis war sehr wichtig für die Mannschaft und die jungen Spieler", betonte Schnorrer. In Euphorie, den Klassenerhalt noch zu realisieren, verfällt er nun aber nicht. "Es geht hauptsächlich um den Spaß. Wir denken von Spiel zu Spiel und schauen, was am Ende dabei herauskommt. Wir können locker in die kommenden Spiele gehen." Tucheim hat also wieder Selbstvertrauen getankt. Das dürfte sich besser anfühlen als der alte Trott.