Magdeburg (ast/bjr) l In der Sportlandschaft Sachsen- Anhalts wächst ein zartes Pflänzchen heran, ist nicht totzukriegen, macht jedoch auch nicht durch die ganz großen Wachstumsschübe von sich Reden. Was dem Orientierungslauf fehlt, ist die Bekanntheit und somit auch öffentlichkeitswirksame Wahrnehmung dieser Form des Laufsports. Hierzulande als Randsportart wahrgenommen, gilt er im Norden Europas als Volkssport und weist ähnliche Popularitätswerte wie König Fußball auf. Die Idee ist einfach, die Wirkung nachhaltig - jedenfalls bei denen, die "hängen bleiben". So geht es auch weniger um Läufe durch Wald und unwegsames Gelände, sondern um den Gedanken, "mit der Natur Sport zu machen". Das Ziel besteht darin, sich in unbekanntem Gelände mit Karte und Kompass zurechtzufinden. Auf der Geländekarte finden sich neben Hinweisen zum Bewuchs des Gebiets die Posten, die in bestimmter Reihenfolge anzulaufen sind. Je nach Alter schreibt der Veranstalter verschiedene Bahnen - sprich die Reihenfolge der zu findenden Posten - aus. Sonderformen bilden der Netz-Orientierungslauf (schnellstmögliches Finden der Posten in beliebiger Reihenfolge) und die Mountainbike-Variante.

Bei den am Wochenende durchgeführten Landesmeisterschaften im Doppelsprint-Orientierungslauf im Klosterbergegarten in Magdeburg waren das Laufgebiet gut einsehbar und die Posten leicht zu finden. Für die knapp 100 Teilnehmer, die aus ganz Deutschland angereist waren, kam es wirklich auf Schnelligkeit an. Die Zeiten der beiden unterschiedlichen Läufe wurden addiert, neben den Meisterschaftsplatzierungen wurden zudem Punkte in der Deutschen Parklauftour vergeben.

Auch im Jerichower Land gibt es "OL"-ler, wie oft abgekürzt wird. Julia und Antje Schley aus Lostau beweisen, dass Orientierungslauf vor allem ein Familiensport ist. Julia kam gut mit ihrer Karte zurecht und freute sich am Ende über einen zweiten Platz in der Wertung D 10. Mama Antje belegte in der Addition beider Zeiten Platz vier in der Altersklasse D 35. In einem leistungsstarken Teilnehmerfeld überzeugte Christoph Kuhnt als Dritter (H 45). Daisy Rasch aus Möser ist bereits einige Jahre dabei und trotzdem gegen Fehler beim Kartenlesen nicht gefeit. So unterschätzte sie schlichtweg die Distanzen zwischen den Posten, belegte dennoch bei den Frauen D 18 den zweiten Platz.

"Beschattet" wurde Marlen Steinhoff, die einfach einmal probieren wollte, wie es ist, nicht nur geradeaus zu laufen. Platz drei für den ersten Versuch war so schlecht nicht. "Schatten" werden kundige Begleiter genannt, die bei Schwierigkeiten wie dem Einnorden der Karte eingreifen dürfen. Uwe Schleef aus Gerwisch übernahm diese Aufgabe, bevor er selbst bei den Herren H 55 startete und dort den sechsten Platz erreichte. Gert Schmidtko wurde Vierter. Der Möseraner Dennis Jurack nahm nach längerer "OL"-Pause wieder an einem Wettkampf teil und beendete den Doppelsprint mit einem sechsten Platz.

Für alle Interessierten bieten die Magdeburger Vereine USC, ESV Lok und MSV 90 Möglichkeiten, diesen Sport kennenzulernen und auszuüben. Schüler der Grundschule Möser werden sicher bald wieder die Gelegenheit haben, mit Holger Jurack im Möseraner Forst mit Karte und Kompass unterwegs zu sein.