Dass Schiedsrichter in Mannschaftssportarten für so manche Verwirrung sorgen können, gilt als bekannt. Dass jedoch im Radsport Konfusion vom Wettkampfgericht ausgehen kann, ist eher selten. Beim 17. Finsterwalder Cityrennen gab es kürzlich einen solchen Fall. Unter den Leidtragenden: Hannah Steffen vom Genthiner RC 66.

Finsterwalde/Genthin (rew/bjr) l Den Fuß längst aus den Pedalen und quasi stehend wurde Hannah Steffen klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Sieben Fahrerinnen rasten dem Feld davon, während die übrigen 38 - unter ihnen die GRC-Starterin - langsam ausrollten und sich keinen Reim darauf machen konnten, was gerade um sie herum passierte.

Eigentlich sollten die Starterinnen der U 17 weiblich, Juniorinnen und Frauen gemeinsam ein Rennen bestreiten. So wurden zuvor die diesjährige Vize-Weltmeisterin im Punktefahren, Stephanie Pohl, vom Rennsprecher begrüßt und die Fahrerinnen aufgefordert, eine Runde über 1,7 Kilometer zu fahren, um sich an der Startlinie neu aufzustellen. Als das Feld zurrückkehrte, kam - für alle überraschend - das Kommando, ohne Startaufstellung weiterzufahren, sprich: einen fliegenden Start zu vollziehen.

Diese Schrecksekunden reichten aus, um eine ungewollte Vorentscheidung herbeizuführen. Den denkbar schlechtesten Start hatte dabei Pohl mit 100 Metern Rückstand zum Hauptfeld. So bildete sich bereits nach einer Runde eine achtköpfige Spitzengruppe. Rund 50 Meter dahinter folgte Hannah, die wiederum 150 Meter vor dem Hauptfeld fuhr. Während die Vizeweltmeisterin das Feld von hinten aufrollte und auch an der Genthinerin "vorbeiflog", probierte es Hannah als Solistin, um den Anschluss zur Spitzengruppe herzustellen.

Als diese sich zum Punktesprint in der dritten Runde (5,1 Kilometer) organisierte, musste Hannah die Verfolgung aufgeben. Die Frauen, die ohne Übersetzungsbegrenzung fuhren, bestimmten das hohe Tempo und ließen den mit Übersetzungsbeschränkung fahrenden Nachwuchsstartern keine Chance. Durch die getrennten Wertungen der einzelnen Jahrgänge war die Entscheidung über die Platzierungen bereits gefallen. Für Hannah als U 17-Starterin ging es noch um Rang drei, denn die zwei Fahrerinnen ihrer Altersklasse in der Spitzengruppe machten den Sieg unter sich aus.

Die zweite Wertung in der sechsten Runde wurde für das Hauptfeld nicht eingeläutet und so fuhr das Feld ohne "Kampfsprint" über die Wertungslinie. Beim Punktekampf zur dritten Wertung in der neunten Runde blieben Hannah und die nach ihr Fahrende vom Sturz in der Zielkurve verschont. Beide beendeten "als Paar" das Rennen nach 15 Runden, wobei Hannah und die spätere Viertplatzierte der U 17 als einzige nicht überrundet wurden. Die Wertung um Platz drei in Runde zwölf und 15 (25,5 Kilometer) ging an Hannah, die trotz der teils chaotischen Umstände ihre Nerven gut im Griff hatte.

Jonas Katerbau machte in der U 17 männlich ebenfalls einen starken Eindruck. Bis zur elften von 20 Runden (34 Kilometer) war er im 18-köpfigen Spitzenfeld vertreten. Regenschauer und Kopfsteinpflaster mahnten zur Vorsicht und das Spitzenfeld zerlegte sich zusehends. Jonas belegte am Ende einen guten 15. Platz.

Ursächlich für den "getrennten" Start der Frauen war übrigens eine mathematische Fehlkalkulation im vorangegangenen U 15-Rennen. So wurde irrtümlich von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde ausgegangen. Als sich die Verzögerung auf zwei Stunden summierte, dachte man, über den beschleunigten Start Zeit gewinnen zu können. So weit, so nachvollziehbar, doch die Kommunikation des Vorhabens war ausbaufähig.