Während mit Güsen und Genthin zwei letztjährige Landesklasse-Absteiger die Meisterschaft in der Fußball-Kreisoberliga unter sich ausmachen, beginnt mit Platz drei die Tristesse. Falsch, denn auch jenseits des Titelrennens herrscht Spannung. Dafür sorgen auch zwei Teams, die ihr Selbstvertrauen im Saisonendspurt offenbar wiedergefunden haben: Brettin/Roßdorf und Heyrothsberge II.

Brettin/Heyrothsberge l Wenn Fans eine Mannschaft nach dem Spiel in der Kabine besuchen, ist dies meist kein gutes Zeichen. Häufig folgt ein flammender Appell an die Ehre, Enttäuschung entlädt sich und Einigkeit besteht eigentlich nur in der Feststellung, dass es so nicht weiter gehen kann. Beim TSV Brettin/Roßdorf lagen die Dinge am Sonnabend vor einer Woche anders. Der 3:1-Sieg im Heimspiel gegen den SV Theeßen 85 bot zwei Brettiner Anhängern Anlass, der Mannschaft zu gratulieren. Auch Trainer Tino Schmahl stimmte mit ein und war zum ersten Mal seit gut zwei Monaten an einem Sonnabendnachmittag einfach nur wieder: glücklich. "Uns war klar, dass alle mitziehen müssen, um auch die letzten vier Spiele gut über die Bühne zu bringen", ließ Kapitän Marco Löper den Kabinengeist nach außen dringen.

Die neu entdeckte Aufbruchstimmung am Hohenbelliner Weg war verständlich. Immerhin hatte der TSV seit dem 15. März auf einen Sieg warten müssen. 3:1 hieß es seinerzeit gegen den Burger BC 08 II - selbstverständlich vor eigener Kulisse. Doch die Heimstärke des Teams ist zugleich sein größtes Problem. Auf eigenem Platz ist die Mannschaft in 2014 noch ungeschlagen, wenngleich die Ausbeute mit zuletzt zwei Unentschieden eher mau ausfiel. "Auswärts haben wir aber in diesem Jahr noch nicht einen Punkt geholt", stellte der Kapitän ernüchtert fest.

Was sich wie der Fluch der fremden Plätze anhört, ist nach Ansicht vom TSV-Kapitän eine Einstellungsfrage: "Seit klar ist, dass wir nicht mehr ganz oben in der Tabelle angreifen können, fehlt ein wenig der Einsatzwille. Manch einer lässt sich hängen." Vor allem im Training unter der Woche sei dies spür- und zählbar. Nahmen in der Hinrunde teils bis zu 20 Spieler an den Übungseinheiten teil, waren es zuletzt nur sechs bis acht. Hinzu kommen einige verletzungs- und arbeitsbedingte Ausfälle. Die Hoffnungen ruhen daher in Brettin darauf, dass das lang ersehnte Erfolgserlebnis gegen die Theeßener auch ein wenig Auftrieb verleiht, um die Saison doch irgendwie versöhnlich abzuschließen.

Das Problem, hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben zu sein, hat der SV Union Heyrothsberge II hingegen nicht. Auf Platz fünf liegend, präsentiert sich die Mannschaft derzeit als bester der drei Aufsteiger und hat gute Chancen, diesen inoffiziellen Titel gegenüber der Konkurrenz aus Bergzow zu verteidigen. "Wir hatten vor der Saison die Plätze vier bis acht im Blick. Für eine Premierensaison ist dies realistisch", sieht Sebastian Possinke sein Team im Soll. Er schlüpfte zuletzt in die Rolle des Spielertrainers, da der hauptverantwortliche Coach Manfred Mahler arbeitsbedingt passen musste.

In Abwesenheit des Übungsleiters glückte seiner Elf mit dem 7:0-Heimsieg über dezimierte Pareyer ein ähnlicher Befreiungsschlag wie den etablierten Brettinern. Seit dem 3:2-Erfolg vom ersten Aprilwochenende - ebenfalls gegen die BBC-Reserve eingefahren - währte die Durststrecke der Union-Reserve. "Der Sieg war doppelt wichtig. Einerseits wegen der drei Punkte, andererseits aufgrund der sieben eigenen Tore." Auch in dieser Hinsicht tut sich eine Parallele zum TSV auf. In Heyrothsberge hoffen sie natürlich auch auf die Schubwirkung für das Saisonfinale. "Wir mögen vielleicht in der Tabelle jenseits von Gut und Böse liegen, aber so ein Erfolg ist ein guter Ansporn für die restlichen drei Begegnungen. Wir wollen jedenfalls den vierten Platz noch einmal angreifen", so Possinke. Müßig zu erwähnen, dass angesprochener Rang derzeit vom TSV Brettin/Roßdorf belegt wird.