Niegripp (bjr) l Den Preis für die beste musikalische Untermalung eines Fußballspiels wird dem Niegripper Fanfarenzug wohl in diesem Jahr niemand mehr streitig machen. Während am Sonnabend die gastgebende SG Blau-Weiß im Heimspiel der Landesklasse II den TuS Magdeburg-Neustadt mit 4:3 (1:2) bezwang, posaunte, trommelte und trötete es im Hintergrund auf dem Hof der Grundschule wie - nun ja - wie bei einer Probe unter Musikern eben. Nicht jeder Ton saß zu 100 Prozent, der Rhythmus hielt sich selten über eine Taktlänge hinaus, aber wirklich harmonisch ging es am Sonnabend ja auch im Vordergrund selten zu. Kurzum: Es passte eigentlich gar nichts und doch irgendwie alles zusammen.

Der Orchesterleiter, Trainer Joachim Greisner, fehlte aus arbeitsbedingten Gründen. Durch das anhaltende Verletzungspech nahmen auch etliche begabte SG-Solisten neben statt auf dem Rasen Platz. Doch die bunt zusammengewürfelte Elf aus Spielern der ersten und zweiten Mannschaft sowie dem erneut reaktivierten Thomas Eschner von den Altherren des Vereins begegnete diesen Umständen mit großer Improvisationskunst. Die Ouvertüre lieferte zunächst Falko Komin, der einen Pass in die Tiefe erlief und zur 1:0-Führung vollendete (4.). Anschließend schlichen sich jedoch eher sicht-, statt hörbare Dissonanzen ein, denn die Gäste schlugen nach Abwehrschnitzern der Platzherren zurück (18., 38.).

Nach 15-minütiger Konzertpause lieferten wieder die Gastgeber in Person von Paul Sandmann das Intro - 2:2 (50.). Das bis dahin heitere Stück drohte zum Niegripper Requiem zu werden, als Dominik Hausmann wieder für die Magdeburger vorlegte (61.). Doch es folgte schließlich doch noch der blau-weiße Schlussakkord. Erst egalisierte Rechtsaußen Patrick Rennwald den Rückstand (74.), dann sorgte wiederum Sandmann nur eine Minute später mit seinem zweiten Treffer und dem 4:3 endgültig für Dur-Töne am Alten Kanal.

Theoretisch besteht für die gezwungenermaßen zur "Allstar-Band" gewordenen SG Blau-Weiß am letzten Spieltag in einer Woche sogar noch die Chance auf Platz drei. Das Vorhaben gestaltet sich mit einem Auswärtssieg bei der SG Gnadau nicht als gänzlich unmöglich, dennoch müsste schon vieles passen, damit die Magdeburger Konkurrenz der Vereine TuS, Besiegdas und Germania Olvenstedt patzt. Auf musikalische Unterstützung durch den Fanfarenzug wird das Team zudem beim Auftritt im Gnadauer Fliederpark wohl oder übel verzichten müssen.

SG Blau-Weiß Niegripp: Ritter - Müller, Philipp, Sievert, Briest, Zeuch, Rennwald, Komin (72. Danker), Eschner, Sandmann (82. Jentzsch), Cimili (46. Sobiechowski)

TuS Magdeburg-Neustadt: Sefa - Böhme, Fischer, Kirschner, Niemann, Hausmann, Busse, Dolke, Werner, Hohmann, Wittemann

Tore: 1:0 Falko Komin (4.), 1:1 Moritz Wittemann (18.), 1:2 Stefan Fischer (38.), 2:2 Paul Sandmann (50.), 2:3 Dominik Hausmann (61.), 3:3 Patrick Rennwald (74.), 4:3 Paul Sandmann (75.); SR: Karsten Fettback (Stendal), Christoph Blasig, Björn Kleinschmidt; ZS: 69