Die einen zeigten wenig Interesse an der spielerischen Seite des Fußballs, die anderen fanden dagegen kein Mittel: Die 225 Zuschauer im letzten Burger Landesliga-Heimspiel der Saison hatten sich mehr erhofft als ein 1:1 (0:1)-Unentschieden. So aber verdarb der FSV Saxonia Tangermünde mit seiner Mauer- und Verzögerungstaktik den versöhnlichen Heim- abschluss des BBC 08.

Burg l Den Vergleich zu José Mourinho würde sicher auch Heiko Gödecke im Sinne der eigenen Bodenhaftung ablehnen. Zumindest aber schien der Trainer des FSV Saxonia Tangermünde im Halbfinal-Hinspiel des FC Chelsea London bei Atlético Madrid sehr genau hingeschaut zu haben. So wie der Club aus der englischen Hauptstadt Ende April ein 0:0 ermauerte, ließ sich auch am Sonnabend zu den Altmärkern feststellen: Sie hatten den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor geparkt. Sicherheitshalber legten sie gleich noch die Wegfahrsperre ein, mit dem Ein- und Aussteigen hatten sie es ebenfalls nicht so eilig.

Die Mischung aus gefühlter 10-0-Abwehr, fußballerischer Verweigerungshaltung und Zeitspiel mochte nervtötend gewesen sein. Da nur mit elf Spielern - darunter zwei Torhüter - angereist, war sie aber nachvollziehbar. Weil mit einem Punktgewinn belohnt, war sie erfolgreich. So blieb BBC-Coach Hartmut Müller nichts anderes übrig, als festzustellen: "Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die so wenig Fußball spielen wollte." Angesichts der Erfahrung des am Saisonende scheidenden Trainers lag in diesen Worten wohl weniger blanke Häme, als vielmehr eine Spur Anerkennung und echte Überraschung.

In puncto Verblüffung setzte jedoch am Sonnabend vor allem der Burger Kapitän Christian Behr Maßstäbe. Jeder, der ihn nach der Partie fragte, bekam neben einer glaubhaften Beteuerung der eigenen Unschuld auch gleich noch eine szenische Nachstellung jenes folgenschweren Zweikampfs aus der 31. Minute geboten: Als nämlich doch einmal ein hoher Ball in den BBC-Strafraum segelte, den Keeper Sascha Krüger sicher wegfischte, ging der Burger Spielführer auf Nummer sicher und lehnte sich im Luftduell an Tangermündes Martin Doerjer heran. Gemäß der recht exklusiven Sichtweise von Schiedsrichter Frank Schinke (Bernburg) übertrieb es Behr jedoch mit dem Körpereinsatz, Doerjer hatte die Einladung dankend angenommen und Saxonia-Kapitän Marcel Werner verwandelte den Strafstoß zur schmeichelhaften 1:0-Führung der Gäste, die sich spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr konstruktiv am Spiel beteiligten. So mancher Abstoß von FSV-Keeper Dave Kuß nahm anschließend auch schon mal eine halbe Minute und mehr in Anspruch. Es durfte als Überraschung gewertet werden, dass Schinke nur einmal gegen die Gäste wegen Spielverzögerung die gelbe Karte zückte.

Bei aller Kritik an der Tangermünder Spielweise und der wenig souveränen Schiedsrichterleistung musste sich der BBC 08 aber den Vorwurf gefallen lassen, dass er den geschilderten Widrigkeiten auf den Leim gegangen war. "Wie vor einer Woche gegen den MSV Börde waren wir nicht in der Lage, so druckvoll zu spielen, um zum Erfolg zu gelangen", bekannte Müller. Mehr als ein Distanzschuss nach 20 Minuten und einige Halbchancen im zweiten Abschnitt standen nicht für die Platzherren zu Buche. Schlimmer noch: Die Unzufriedenheit entlud sich auch gegen die eigenen Mitspieler, wie eine gelbe Karte gegen Steven Peseke belegte, der den eingewechselten Aron Pfennighaus zu lautstark zurechtwies, weil dieser ihn beim Kopfball gehindert hatte (71.).

Dass im letzten Heimspiel der regulären Saison nicht auch noch der Burger Super-GAU eintrat, sprich die Gäste die vollen drei Punkte erbeuteten, war dem zweiten umstrittenen Elfmeterpfiff des Tages geschuldet. Nach einem Eckstoß der Gastgeber lagen die beiden aufgerückten BBC-Innenverteidiger Bastian Benkel und Behr nach Luftduellen im Saxonia-Strafraum, wieder deutete Schinke auf den Punkt und Benkel verwandelte (51.) zum 1:1-Ausgleich. Bis zum Schlusspfiff rannten die Platzherren weiterhin an, präsentierten sich aber zu kopflos, um doch noch die Wende zu schaffen.

Burger BC 08: S. Krüger - Behr, Benkel, Lindenblatt (66. Pfennighaus), Plünnecke, Herms, Zimmer, M. Krüger, Schulz, Peseke (86. Boßmann), Teege (66. B. Schäfer)

FSV Saxonia Tangermünde: Kuß - Lenz, Arlt, Gassel, Werner, Miedreich, Arndt, Fraaß, Gödecke, Korte, Doerjer

Tore: 0:1 Marcel Werner (32., FE), 1:1 Bastian Benkel (51., FE); SR: Frank Schinke (Bernburg), Fred-Edgar Peter, Nicole Remus; ZS: 225