Der Güsener HC erlebt momentan einen weitreichenden Umbruch. Die Handball-Reserve wurde vom Spielbetrieb zurückgezogen, um die stark dezimierte Verbandsligasieben aufzufüllen. Trainer ist allerdings nicht länger Bernd Bretschneider. Und auch langfristig stehen dem GHC schwere Zeiten bevor.

Güsen l Bei Promischeidungen werden ja gerne "unüberbrückbare Differenzen" als Begründung angegeben. Bernd Bretschneider drückt es etwas anders aus und formuliert seine Gründe, vom Traineramt zurückzutreten, wie folgt: "Ein Teil der Mannschaft wollte einen Weg gehen, der nicht mit meinem zu vereinen war, sodass ich mich kurzfristig dazu entschlossen habe, die Trainertätigkeit nicht länger auszuüben." Das Resultat ist das gleiche wie bei Scheidungen, Bretschneider und die Verbandsligamannschaft des GHC gehen von nun an getrennte Wege.

Dabei hatte der Güsener sein Amt erst in der vorigen Saison von Eric Steinbrecher übernommen, der in der zurückliegenden Spielzeit selbst auf der Platte aktiv war. Nun ist für Bretschneider also wieder Schluss. "Ich bin schon ein wenig traurig. Ich hätte gerne mit der Reserve gearbeitet, aber die Trainingsbeteiligung vor dem Zusammenschluss beider Mannschaften war nicht ideal, vielleicht habe ich die Spieler nicht mehr erreicht", so der Ex-Coach. Fakt ist, dass Bretschneider seinen Posten niederlegte, als noch nicht abzusehen war, dass der GHC seinen Kreisligakader vom Spielbetrieb abmeldet. "Wir waren von kruzfristigen Abgängen betroffen. So mussten Jörg Salomon, Chris Hoffmann und Tom Lehnau arbeitsbedingt für die nächste Saison absagen. Damit bestand die Mannschaft nur noch aus sieben, acht Spielern, bei denen der Verbleib sicher war."

Nachfolger Mache hat bereits Trainererfahrung

Es wird in Güsen nach dem Auffüllen des Verbandsligakaders also auch in der kommenden Spielzeit höherklassigen Handball zu sehen geben, was auch Bretschneider freut. Von seinem Nachfolger an der Seitenlinie, Andy Mache, ist der Ex-Trainer überzeugt: "Er hat bereits Trainererfahrung, er wird das schon machen", so die Meinung des Vorgängers. Wie es, abgesehen von den Differenzen innerhalb der Mannschaft, dazu kommen konnte, dass ein Verein, der noch vor zwei Jahren in der höchsten Liga des Landes vertreten war, nun unter derartigen Personalproblemen leidet, erklärte Bretschneider so: "Sieht man sich die im Sielbetrieb befindlichen Teams des GHC an, erkennt man schnell, dass es ein großes Loch gibt. Es rückt einfach kein Nachwuchs nach. Dieses Jahr waren es zwei Jugendliche, die ihre erste Männersaison bestreiten könnten. Dazu kommt noch, dass viele Spieler arbeitsbedingt kaum am Training teilnehmen können, sei es, weil sie in Schichten arbeiten oder auf Montage sind."

Nachwuchs wurde lange vernachlässigt

Zwar geht es gerade im Nachwuchsbereich der Güsener in kontinuierlich wieder aufwärts, "aber einige Jahre wurde die Jugendförderung stark vernachlässigt", was sich in einer stetig dünner werdenden Personaldecke niederschlug. "Der GHC hatte früher mal vier Mannschaften, jetzt sind es nur noch zwei", verdeutlichte Bretschneider. Die Auflösungserscheinungen werden so schnell sicherlich auch nicht weniger werden. Selbst mit den Spielern der Güsener Reserve müssten die Männer in der Verbandsliga noch ein paar Jahre durchhalten, bis Jugend nachkommt. Und bei den strukturellen Problemen der Umgebung wird es schwer, diese dann auch in der Region zu halten. Sachsen-Anhalt hat die vierthöchste Arbeitslosenquote Deutschlands, auch wenn das Jerichower Land unter dem Landesdurchschnitt liegt. Viele verlassen also das Bundesland auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einer Arbeitsstelle. Das trifft einen Klub,wie den Güsener HC natürlich noch schwerer. "Gerade hier auf dem Dorf ist es nicht einfach, die Jugendlichen zu halten, beziehungsweise überhaupt erst einmal für Handball zu begeistern. Die meisten Kinder entscheiden sich für Fußball", so Bretschneider.

So sieht der Güsener auch in Zukunft schwere Zeiten auf den GHC zukommen, auch wenn er die Initiative von Michael Hoffmann und Eric Steinbrecher im Nachwuchsbereich "sehr begrüßt" und "hofft, dass sich dieses Vorantreiben der Nachwuchsarbeit auch langfristig auszahlt." Immerhin erhielt das Güsener Nachwuchskonzept im vergangenen Jahr den E.ON Avacon Förderpreis. Mit einer B- und einer D-Jugend verfügen die Güsener momentan über zwei Nachwuchsmannschaften im Spielbetrieb. Eine weibliche E-Jugend wird gerade von Eric Steinbrecher aufgebaut.

Bernd Bretschneider wird dem Verein aber weiter treu bleiben:"Ich werde in der dritten Mannschaft selbst noch aktiv Handball spielen und meine sonstige freie Zeit mit anderen Hobbys verbringen", so der Güsener.