Blumen als Willkommensgruß? Ziemlich beste Freunde? Viel eher hatten sich die Landesliga-Fußballer aus Heyrothsberge zwei Wochen nach dem 2:1-Sieg im Landespokal beim SV Stahl Thale auf einen "heißen Tanz" im fälligen Ligaspiel eingestellt. Doch mit derart negativen Begleitumständen wie bei der 1:2 (0:0)-Niederlage vom Sonnabend war nicht zu rechnen.

Thale/Heyrothsberge l Beispiel 1: Philipp Spengler. Für den Union-Neuzugang war die Reise in den Harz in jeder Hinsicht eine schmerzhafte Angelegenheit. Nicht nur, dass der Rechtsverteidiger des SV Union bereits nach einer Viertelstunde ausgewechselt wurde und dem ohnehin personell gehandicapten Aufsteiger die Defensivspieler auszugehen drohten, für Spengler endete der Tag in der Notaufnahme des Halberstädter Krankenhauses. Gegenspieler Artjoms Lonscakovs war im Zweikampf mit beiden Beinen voran in den Mann gerauscht. Das Resultat des "Ewald-Lienen-Gedächtnisfouls" war eine tiefe Risswunde am Schienbein, die genäht werden musst. "Glücklicherweise konnte Philipp das Krankenhaus noch am Sonnabend verlassen. Wir warten das Dienstagstraining ab und sehen, wie lange er ausfällt", sagte ein hörbar besorgter Union-Coach Torsten Völckel.

Was die Szene noch bitterer machte: Bis dato hatten die Gäste den SV Stahl im Griff. Dieser hatte einen behäbigen Start hingelegt, bei ersten guten Möglichkeiten war Heyrothsberge nur an fehlender Präzision gescheitert. So aber war der Bruch im Spiel unübersehbar. Ersatzmann Christian Kloska fand sich zwar in ungewohnter Rolle gut zurecht, doch den Nebenleuten schien die Verletzung ihres Mitspielers noch gedanklich anzuhaften. Geahndet wurde das Vergehen von Lonscakovs übrigens nicht. Es blieb nicht die einzige unverständliche Entscheidung von Schiedsrichter Christian Wesemann (Walbeck).

Beispiel 2: die beiden Gegentore. Vor dem 1:0 (53.) erkannte der Unparteiische abseits des Geschehens ein Vergehen, das außer ihm niemand bemerkt hatte. Youngster Tom Raue schaute jedenfalls verdutzt ob einer gelben Karte nachdem Thales Nico Engel plump in den Gegenspieler gerannt und zu Fall gekommen war. Der folgende Freistoß führte ebenso zum Tor wie der nächste Aufreger sieben Minuten später. Unions Stefan Groth wurde von hinten gestoßen und spitzelte vor dem Seitenaus einem Spieler der Gastgeber den Ball noch an den Fuß. Kein Freistoß für die Gäste, kein Einwurf - stattdessen ging es mit einem Freistoß für Thale weiter. Die Schuld allein beim schwachen Auftritt des Referees suchen, würde jedoch zu kurz greifen. Nach Mike Pinnos Anschlusstreffer (65.) blieb noch genügend Zeit für die Wende. Gewichtige Gründe sprachen aber dagegen, dass zumindest ein Zähler aufs Union-Konto wanderte.

Beispiel 3: die eigene Leistung. Vor allem im zweiten Abschnitt taten sich die Gäste schwer. Das mag an der weiterhin robusten Spielweise des SV Stahl gelegen haben, jedoch auch an selten gekannten Rhythmusstörungen im Spiel nach vorn. "Insgesamt haben wir uns zu viele Ballverluste geleistet, zu viele Fehlpässe. Es hat uns die nötige Ruhe gefehlt", analysierte Völckel.

Seiner Elf bleiben nun zwei Wochen Zeit, um die Wunden zu lecken. "Diese Niederlage wirft uns nicht um. Aber wir haben abgesehen vom Kreis- pokal-Halbfinale in der Vorsaison seit gefühlten Ewigkeiten kein Pflichtspiel mehr verloren. Vielleicht hat es so eine Niederlage auch gebraucht, damit wir unsere Motivation wiederfinden." Zum Beispiel.