Wenn das kein Grund zum Feiern ist: Heute begeht der SV Eintracht sein Jubiläum "45 Jahre Handball in Gommern". Die bewegte und bewegende Geschichte der Abteilung Handball steht heute bei einem sportlichen Traditionstag noch einmal im besonderen Blickpunkt.

Gommern l Ihr wohl schönstes Geschenk zum runden Jubiläum hat sich die Eintracht bekanntlich mit dem Aufstieg der ersten Herrenmannschaft in die Sachsen-Anhalt-Liga im Frühsommer selbst bereitet. Erstmals seit der Saison 1992/1993 ist ein Team aus der Ehlestadt wieder im "Oberhaus" des Bundeslandes vertreten. Seinerzeit stellte die Oberliga noch die vierthöchste Spielklasse Deutschlands dar. Dass der Verein noch einmal derart weit oben anklopfen würde, war vor einer Dekade noch undenkbar. Im Jahr 2004/2005 gelang es nur mit größten Mühen, den Absturz auf Kreisebene zu verhindern.

Noch heute legt sich die Stirn von Abteilungsleiter Andreas Schütte in Falten, wenn er an die schwärzeste Stunde in der Vereinsgeschichte zurückdenkt. "Dass wir die Kurve bekommen haben, verdanken wir einem großen Umbruch, der zu dieser Zeit eingesetzt hat." Schütte selbst etwa räumte seinen Platz auf dem Spielfeld, sorgte zunächst dafür, dass die Eintracht finanziell auf stabile Füße kam. Vor sechs Jahren übernahm er das Amt des "obersten Gommeraner Handballers". Im sportlichen Bereich schrieb der Jahrgang 1988/1989, der in Jugendzeiten auf Bezirksebene das Maß der Dinge war, unter Trainer Thomas Eckhardt die Geschichte weiter. Nachdem 2005/2006 der Generationswechsel folgte, wurden im Vier-Jahres-Rhythmus die Nord- und Verbandsliga hinter sich gelassen. Auch heute noch stellt die "goldene Gommeraner Generation" den Kern der ersten Mannschaft.

Das "Gommern-Gen"

Über all die Jahre hat sich so eine Identifikation mit Stadt und Verein gebildet, die sich wohl am ehesten als das "Gommern-Gen" bezeichnen lässt. Julian Hartung, aktuell Torhüter der ersten Herrenmannschaft, genießt es jedenfalls, auch künftig wieder jeden zweiten Sonnabend das Parkett der neuen Sporthalle am Europagymnasium zu betreten: "Für Dorf- oder Kleinstadtvereine, zu denen ich uns zählen würde, ist es einfach nur cool, vor einer solchen Kulisse von konstanten 150 bis 200 Zuschauern zu spielen." Was den SV Eintracht ebenfalls besonders macht unter den Vereinen in Sachsen-Anhalt ist die starke Bindung an den eigenen Nachwuchs. "Dort liegt die Basis für die Zukunft. Wo wollen wir Grundsteine für den Erfolg legen, wenn nicht im Nachwuchsbereich?", meint Hans-Joachim Gnensch.

Er muss es wissen. Gnensch, der heute noch die Minis im Verein trainiert, zählt neben dem ersten Sektionsleiter Otto Klitzschmüller sowie Ernst-Otto Pillatzke, Klaus Timme und Alfred Falk zu den Gründervätern des Handballs an der Ehle. Zwar gab es bereits seit 1963 eine erste Handball-Arbeitsgemeinschaft an der damaligen Oberschule II, wirklich präsent wurde der Sport jedoch erst mit der Gründung der Sektion in der BSG Aktivist Gommern im Jahr 1969. Die Entwicklung nahm einen rasanten wie erfolgreichen Lauf und bald schon brachte das vom Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) berufene Trainingszentrum Gommern (TZ) vielversprechende Talente hervor. So gingen etwa die spätere Nationalspielerin und Kapitän des SC Magdeburg, Kerstin Köhler (geb. Brunsendorf), und einige über die Grenzen des Kreises Burg bekannte Spieler wie René Schaarschmidt, Dieter Brunsendorf, Stefanie Sklarzik und Claudia Ziran durch die TZ-Schule von Gnensch und seinen Mitstreitern.

So sorgten vor allem in den 80er-Jahren Mannschaften aus Gommern für Furore. Hervorzuheben sind der Aufstieg der Herrenmannschaft in die Bezirksliga 1985/1986 sowie die gute Rolle, welche das Frauenteam unter den Trainern Timme und Falk gegen die bezirksweite Konkurrenz aus Staßfurt, Calbe oder Wernigerode spielte.

Wandel der Zeiten

Der große gesellschaftliche Umbruch nach der politischen Wende 1990 machte natürlich auch vor dem Sport in Gommern nicht halt. Aus der BSG Aktivist wurde der SV Eintracht und der handballerische Horizont erweiterte sich. So gilt das Freundschaftsspiel im April 1990 gegen den TuS Heidkrug/Delmenhorst aus Niedersachsen als erster Vergleich einer unterklassigen "Ost"-Mannschaft mit einem Team aus den alten Bundesländern. Geblieben ist auch die nachhaltige Freundschaft zum TV Herxheim aus Rheinland-Pfalz, der bis heute regelmäßiger Gast beim Gommeraner Bergmannsturnier ist.

Bei allen sportlichen Hochs und Tiefs der zurückliegenden 45 Jahre vergisst jedoch auch Abteilungsleiter Schütte nicht, wer den größten Verdienst daran trägt, dass heute gemeinsam das Jubiläum gefeiert werden kann: "Das sind unsere Ehrenamtlichen im Verein. Allein bei jedem Heimspiel kümmern sich etwa 20 Helfer im Hintergrund darum, dass alles reibungslos verläuft." Insofern gilt der Traditionstag, der heute in der Sporthalle mit einigen Stunden Handball aufwartet, auch als großes Dankeschön für all jene, welche die bisherige Geschichte des SV Eintracht mitgeschrieben haben. Oder wie es das Gommeraner Handball-"Urgestein" Gnensch formuliert: "Dass wir uns über all die Jahre gehalten haben, ist kein Selbstläufer."

 

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