Güsen (bjr) l Dass während der Sommerpause allzu große Langeweile in Güsen aufkam, ließ sich nun wahrlich nicht behaupten. Vor dem Start in die neue Serie der Handball-Verbandsliga Nord, den der GHC heute um 18 Uhr beim BSV 93 Magdeburg II vollzieht, ging es rund um die Elbe-Havel-Sporthalle turbulent zu. Erst warf Trainer Bernd Bretschneider nach einer Spielzeit an der Seitenlinie das Handtuch, dann zwangen acht schwerwiegende Abgänge den Verein zum Rückzug der zweiten Mannschaft aus der 2. Nordliga, um den Spielbetrieb der "Ersten" noch aufrecht zu erhalten.

Es geht also heute Abend auch ein wenig darum, das Gewesene hinter sich zu lassen. In jedem Fall stehen die Uhren beim GHC wieder auf Null, wie auch Thomas Lepper weiß. Gemeinsam mit dem neuen Spielertrainer Andy Mach übernimmt der Coach der "Zweiten" von einst das verantwortliche Amt an der Seitenlinie. "Dass wir wie in der vergangenen Saison Aussicht auf Platz drei haben, können wir natürlich ausschließen", meint Lepper mit Blick auf das runderneute Team. Ziel sei es demnach, schnellstmöglich genug Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. In Abstiegskampf oder gar -krampf soll die Saison dennoch nicht gipfeln. "Die Devise lautet: just for fun."

Die Güsener wollen also ihren Spaß am Handball wiederfinden, denn dieser blieb in den zurückliegenden zwei Spielzeiten augenscheinlich immer öfter auf der Strecke. In der Vorbereitung setzte das neue Trainerduo daher auch vor allem auf den spielerischen Aspekt - auch weil sich das "zusammengewürfelte" Team zunächst noch als Mannschaft finden muss. So sei es auch normal gewesen, dass der Auftakt in die Testphase beim 31:30-Erfolg über die Nordliga-Sieben der SG Fortschritt Burg ein wenig mühsam verlief. "Man merkte den Spielern an, dass die vielen Veränderungen für sie ein bisschen ungewohnt waren", stellte auch Lepper fest. Doch bereits in der folgenden Woche, beim Westhavellandturnier im brandenburgischen Premnitz, war ein deutlicher Schritt nach vorn zu erkennen. Mit Platz zwei erreichte der GHC ein achtbares Resultat, ärgerte sich dennoch ein wenig, denn zum Turniersieg fehlte ein magerer Treffer.

Das Selbstbewusstsein holten sich die Haßbargen und Co. dann im Rückspiel gegen die Fortschritt-Handballer aus Burg, als in eigener Halle ein deutliches 37:20 auf der Anzeigetafel leuchtete. Weitaus mehr Aussagekraft besaß das zurückliegende Wochenende. Beim 3. Unternehmercup in Wolmirstedt belegte der GHC nicht nur erneut Platz zwei, sondern traf mit dem SV Lok Oschersleben erstmals auch auf einen der künftigen Liga-Konkurrenten. Wenngleich sich am Ende die dritte Mannschaft des BSV 93 Magdeburg (16:21 im direkten Vergleich) die Turnierkrone sicherte, darf das 19:18 gegen den Aufsteiger aus dem Bördekreis als gutes Omen für die anstehende Saison gewertet werden.

Trainingsbeteiligung bleibt das große Manko

Indes bereitete den Verantwortlichen trotz aller positiven Eindrücke ein Aspekt einige Sorgenfalten. Fast schon traditionell haperte es an der Trainingsbeteiligung in den Einheiten unter der Woche. "Die Arbeit geht eben vor. Dabei hören sich aber 14 Spieler in unserem Aufgebot nach mehr an, als es letztlich sind. Nicht immer sind alle dabei, das wird auch in dem ein oder anderen Spiel vorkommen", schildert Lepper. Immerhin: Vom Verletzungspech blieb die Mannschaft bislang verschont, Ausfälle gibt es zum Saisonstart nicht zu beklagen.

So reisen die Güsener dann auch heute mit "voller Kapelle" zum BSV 93 II - ein Team, das Lepper neben dem SV Eiche Biederitz auch in Sachen Staffelsieg auf dem Zettel hat. Doch wenn es jedoch um 18 Uhr auf dem Parkett des Albert-Einstein-Gymnasiums zur Sache geht, gilt bange machen eben nicht. Schließlich will der GHC dann auch gegen das Gesetz der Serie zu bestehen, beziehungsweise gegen einen Negativlauf ankämpfen. "Ich weiß nicht, was es ist. Man kann fast von einem Fluch ausgehen, der auf dieser Halle lastet", meint Lepper mit Blick auf Resultate der vergangenen Jahre, unter denen das 30:30-Unentschieden der Vorsaison noch mit positiveren Erinnerungen behaftet ist. "Wir fahren jedenfalls nicht dorthin, um uns verhauen zu lassen", stellt der Übungsleiter klar - wohlwissend, dass ein oder gar zwei Punkte die beste Reaktion auf all jene sind, die mit viel Skepsis auf den Güsener Neuanfang blicken.