Mit einem "Heimspiel" in der Gerwischer Sporthalle steigt der SV Eiche 05 Biederitz morgen um 17 Uhr in die neue Saison der Handball-Verbandsliga ein. Der scharfe Start gegen Liga-Neuling Lok Schönebeck gleicht trotz über einmonatiger Vorbereitung einem Sprung ins kalte Wasser.

Biederitz l Als einer der führenden Realisten im Land hat Helmut Schmidt einmal folgenden Satz geprägt: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Sicher gibt es heitere und bessere Bonmots des Altkanzlers als seine nach eigenem Bekunden "pampige Antwort auf eine dusselige Frage" während eines Interviews, doch im Kern steckt eine wahre Botschaft. Ob sich Uwe Werkmeister mit dem Kette rauchenden Hanseaten gut verstehen würde - man weiß es nicht, könnte es aber zumindest vermuten. Denn der Trainer des SV Eiche 05 setzt mit Blick auf die neue Spielzeit in der Verbandsliga vor allem auf Sachlichkeit: "Natürlich sollte man sich Ziele stecken. Nur muss man dabei auch realistisch bleiben."

Warum sich Werkmeister zum leichten Tritt auf die Euphoriebremse genötigt sieht, liegt auf der Hand: Wann immer dieser Tage über den Favoritenkreis der Verbandsliga Nord gesprochen wird, ist meist auch der Ortsname "Biederitz" im Spiel. Nach den Plätzen fünf und zuletzt drei in den Vorjahren "sind wir uns im Verein natürlich auch bewusst, dass wir eine gute Mannschaft beisammen haben, die sich möglichst nicht verschlechtern soll. Unser Anspruch ist, uns oben festzubeißen", ergänzt der Coach. Ob es jedoch wie von vielen gemutmaßt für den ganz großen Wurf - sprich den Staffelsieg - reicht, bleibt abzuwarten.

Denn obwohl die Ehlehandballer mitsamt ihrer vier Neuzugänge breiter als in der Vorsaison aufgestellt sind, ist die Personalsituation über die gesamte Spielzeit gesehen eben nicht berechenbar. "Die Erfahrung lehrt uns, dass Unvorhergesehenes wie Verletzungen und berufliche Verpflichtungen ganz schnell dazwischen kommen können." Dass in diesem Fall auch die Formkurve einen Knick erhalten kann, liegt auf der Hand. So hatte Werkmeister dann auch seit dem Trainingsstart Ende Juli selten die Gelegenheit, aus der vollen Kaderbreite zu schöpfen. An der vornehmlichen Aufgabe der Vorbereitung, dem Verbessern des Zusammenspiels, ließ sich folglich nur mit Abstrichen arbeiten. Doch einerseits darf davon ausgegangen werden, dass sich die Mannschaft mit zunehmender Spielpraxis ihren Feinschliff holt, andererseits "ist es uns bereits gut gelungen, die Neuzugänge ins Team zu integrieren".

Auch das bleibt schließlich festzuhalten: Wenngleich Werkmeister die Erwartungen mit Blick auf das Saisonziel dämpft, besteht zur Schwarzmalerei kein Anlass. Der SV Eiche wäre schließlich nicht das erste Team, das nach einer durchwachsenen "Aufwärmphase" eine gute Rolle spielt. Mit Blick auf die unkonstanten wie wenig aussagekräftigen Resultate der Vorbereitung "ruht ein Teil der Hoffnung natürlich auch in der Floskel `schlechte Vorbereitung, starker Saisonstart`", wie Werkmeister augenzwinkernd verrät.

Dass zum Auftakt mit der SG Lok Schönebeck ein echter Prüfstein wartet, der bis vor zwei Jahren zum festen Kern der Sachsen-Anhalt-Liga gehörte, dürfte der Eiche-Sieben sogar gelegen kommen. "Es wartet eine Standortbestimmung auf uns. Nach diesem Spiel gegen einen sehr unbequemen Gegner wissen wir etwas mehr darüber, wo wir stehen." Angesprochen auf seinen persönlichen Favoritenkreis nennt der Coach jedenfalls neben den "üblichen Verdächtigen", den Magdeburger Teams vom Post SV und BSV 93 II, auch die Schönebecker. "Das Bauchgefühl sagt mir außerdem, dass der SV Lok Oschersleben als Aufsteiger für eine Überraschung sorgen kann."