Das erste "JL"-Derby seit Jahren in der Fußball-Landesliga ging am Sonnabend an den Burger BC 08. Mit 2:1 (2:0) behielten die Ihlestädter vor 239 Zuschauern im Heimspiel gegen den SV Union Heyrothsberge die Oberhand, brachten sich gegen Ende jedoch selbst in einige Bedrängnis.

Burg l "Lebbe geht weiter." Wer einmal wie der legendäre Dragoslav Stepanovic einen Bundesligisten trainierte, hat gut reden. Zwar galt das geflügelte Wort am Sonnabend auch für Clemens Behrenwald, doch das "Lebbe" spielte dem Torhüter des SV Union Heyrothsberge im Derby gegen den BBC 08 einen üblen Streich. Behrenwald hatte jedenfalls nach dem Spiel die meisten tröstenden Schulterklopfer sicher, nachdem er in der siebten Minute eine eigentlich verunglückte Flanke von Alexander Siemke herunterpflückte, ihm der rutschige Ball jedoch durch die Handschuhe glitt und BBC-Stürmer Steven Peseke mit der 1:0-Führung "Danke" sagte.

Der Plan der Gäste, solange wie möglich gegentorfrei zu bleiben und die Burger so in etwaige Verlegenheit zu bringen, war jedenfalls dahin. Gastgebercoach Thomas Sauer freute es natürlich - für sein Konzept, für seine Mannschaft und für Peseke, den er erstmals seit langem wieder in die Startaufstellung brachte, wo er zusammen mit Alexander Dlusinski die Doppelspitze bildete. "Da muss ein Stürmer erst mal stehen", lobte Sauer die starke Antizipation von Peseke, der sogar noch die Nerven hatte, den Ball mit der Brust an Behrenwald vorbeizulegen.

Der SV Union wirkte nach dem frühen Rückstand geschockt. Während der Ball trotz des regennassen Geläufs bei den Burgern gut lief, blieben die Gäste mit eigenen Offensivbemühungen in Ansätzen hängen. Dass nicht nur die Heyrothsberger Füße, sondern scheinbar auch der Kopf gehemmt wirkte, bewies der Treffer zum 2:0: Tim Kolzenburg marschierte auf seiner rechten Seite scheinbar mühelos durch die gegnerischen Reihen, passte klug in den Rücken der Abwehr, wo Dlusinski mit seiner Direktabnahme nicht lang zögerte (21.). Für die Vorentscheidung hätte nach knapp einer halben Stunde Martin Krüger sorgen können, der jedoch freistehend an Behrenwald scheiterte.

Mit der sicheren Führung im Rücken ließen es die Platzherren in der zweiten Halbzeit ruhiger angehen. Überspitzt formuliert suchte der BBC 08 bereits nach Schleife und Geschenkpapier, ehe der Deckel auf dem Karton lag. So hätte etwa Krüger nach einem mustergültigen Konter die "Variante einfach" bevorzugen sollen, anstatt nach einer Stunde seinen Lupfer neben das Tor zu setzen. Zuvor hätte Dlusinski für die Entscheidung sorgen können, wurde jedoch im letzten Moment geblockt (56.).

Die fehlende Burger Konsequenz hätte sich beinahe gerächt. So hätten sich die Gastgeber nicht beschweren dürfen, wenn Schiedsrichter Michael Müller (Oranienbaum) auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte, nachdem Karsten Völckel im BBC-Strafraum unsanft bei einem Vorstoß gebremst wurde (70.). Noch haariger wurde es, als Union-Kapitän nach einem kollektiven Burger Aussetzer mit einem gefühlvollen Lupfer den 1:2-Anschluss besorgte (84.). Doch ehe die Partie zu kippen drohte, ertönte der Abpfiff. "Nach der Vorstellung in der zweiten Halbzeit konnten wir erhobenen Hauptes den Platz verlassen", resümierte der Heyrothsberger Coach Torsten Völckel. "Lebbe" scheint also für den Aufsteiger trotz der Derbyniederlage weiterzugehen.

Tore: 1:0 Steven Peseke (7.), 2:0 Alexander Dlusinski, 2:1 Stefan Groth (84.); SR: Michael Müller (Oranienbaum), Christoph Blasig, Christian Schütze; ZS: 239